Volles Haus in Aidlingen

110 Besucher an einem Dienstagabend. Damit hatten weder die Veranstalter noch wir gerechnet. Der Saal des kath. Gemeindehauses in Aidlingen war voll bis auf den letzten Stuhl.

Die Veranstaltung kombinierte unterschiedliche Sichtweisen auf den Venusberg, vom Naturschutz, Flora und Fauna, über die Schwierigkeit, den Namen zu erklären, Literarisches und historische Sagen und Mythen bis zur Geschichte der Drehfunkfeueranlage, die 1944/45 auf dem höchsten Punkt des Venusbergs errichtet wurde. Eine Ortsbestimmung, die übrigens ein direktes Ergebnis dieses Abends war.

Denn eine systematische Suche nach dem höchsten Punkt hatte noch niemand vorgenommen. Der Abgleich der Höhenkarte der Naturschützer mit dem Luftbild von der Funkfeueranlage am Ende der Veranstaltung bestätigte: Die Luftwaffe hatte den höchsten Punkt identifiziert und dort jenen Betonkranz aufgebaut, der bis heute das imposanteste erhaltene Relikt der Anlage ist.

Wir bleiben mit dem Heimatgeschichtsverein Aidlingen in Kontakt. Erste Gespräche für eine gemeinsame Veranstaltung im kommenden Jahr gab es bereits.

Unsere nächsten Termine.

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Vortrag zum Drehfunkfeuer Venusberg

Aidlingen 1Am Dienstag, 09.10.2018 veranstaltet die Projektgruppe „Venusberg“ der Kath. Erwachsenenbildung Aidlingen einen Kultur- und Bürgerabend zum Thema
„Das Geheimnis des Venusbergs“  – Erzählungen, Bilder, Musik rund um „dr Berg“

Die Veranstaltung findet im Kath. Gemeindehaus Aidlingen, Hauptstr. 53 statt. Beginn ist 19:30 Uhr.

Einer der Programmpunkte wird ein Vortrag über die 1944/45 errichtete Bernhard-Anlage auf dem Venusberg sein, deren Überreste, insbesondere der imposante Schienenkranz, noch heute im Wald zu finden sind.

Unsere nächsten Termine.

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Kugellager, Kolben, Automaten

Die Pragstraße steht seit etlichen Jahren für den Niedergang eines einst florierenden Stuttgarter Industriegebiets. In die mitunter beschönigende Industrieromantik mischt sich auch der Ruf nach einem stärkeren Engagement der Stadt zur Revitalisierung des Areals. Heute ist das Viertel gegenüber von Rosensteinpark und Wilhelma beherrscht von Durchgangsverkehr und der Baustelle des Rosensteintunnels, der die Wende zum Besseren bringen soll.

Tatsächlich ist das Quartier längst im Umbruch. An der Löwentorstraße werden die letzten Brachen bebaut, Autohäuser prägen das Bild am Löwentor und vom Neckar erweitert die Firma Mahle das Werksgelände immer weiter. Die noch prägenden Gebäude der Firmen Eckart und Fortuna werden bald Mahle-Neubauten weichen.

Zu Beginn des zweiten Weltkriegs war die Pragstraße einer der bedeutendsten Industriestandorte des Deutschen Reichs. Das war auch den Alliierten bewusst. Die Firma Mahle hatte in den 1930er Jahren mit ihren Kolben weltweit für Aufsehen gesorgt, allerdings noch unter dem Namen Elektronmetall GmbH. Erst 1938 erfolgte eine Umgliederung. Die Kolbenfertigung firmierte unter Mahle, die Fertigung von Fahrwerkskomponenten für die Luftfahrt unter Elektron-Co.m.b.H.
Beide Firmen produzierten im Areal an der Pragstraße. Die benachbarten Eckart-Werke produzierten Luftdruckmessgeräte, Fortuna stellte Schleifmaschinen her, weiter nördlich befand sich das Stuttgarter Werk der Vereinigten Kugellagerfabriken (SKF).

Dieses Werk wird mitunter als Ursache genannt, warum das Industriegebiet Pragstraße von den Alliierten angegriffen wurde. In seinem Buch „Stuttgart im Luftkrieg“ lieferte Heinz Bardua die Begründung für diese These, indem er britische Quellen zitiert, die die Bedeutung der Kugellagerproduktion für die deutsche Fähigkeit zur Weiterführung des Krieges hervorheben.

Es passierte an der Pragstraße jedoch lange Zeit nicht sehr viel. Der erste Luftangriff auf Stuttgart am, 25. August 1940 galt den Werken von Daimler-Benz in Untertürkheim. Und in den folgenden Jahren standen in den Einsatzbefehlen der britischen Bomber neben den dicht bebauten Innenstadtgebieten die Firmen Bosch in Stuttgart West und Feuerbach und Daimler-Benz in Untertürkheim.

Obwohl die Pragstraße die Verbindung darstellte zwischen den Industriegebieten Neuwirtshaus-Zuffenhausen-Feuerbach und Bad Cannstatt-Untertürkheim wurde sie erst 1944 gezielt angegriffen. Der britische Luftangriff vom 21. Februar war so angelegt, dass er das gesamte Gebiet an der Pragstraße treffen sollte. Trotz teils massiver Zerstörungen wurden die dortigen Fabriken in sehr unterschiedlichem Maße getroffen. Fortuna und Mahle hatte eher geringere Schäden zu verzeichnen. Die Kugellagerwerke wurden am 25. Februar von amerikanischen Bombern bei Tage erneut angegriffen und waren danach so stark zerstört, dass keine Produktion mehr möglich war. Aus diesen Ergebnissen leitete sich auf deutscher Seite auch teilweise die Interpretation ab, dass die Angriffe lediglich den Kugellagerwerken gegolten hatten. Da das gesamte Areal zu diesem Zeitpunkt für die Rüstungsindustrie produzierte, waren die Alliierten jedoch eher am Gesamtergebnis interessiert.

Mit der Umgestaltung des Areals werden auch die letzten Reste der beiden dortigen Luftschutzstollen verschwinden, die entlang der Pragstraße und im Bereich der Quellen- und Glockenstraße lagen.

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Die Panzerstraße wird Radschnellweg

Am 10.09.2018 beginnt mit dem symbolischen ersten Spatenstich der Umbau der Panzerstraße zum Radschnellweg. Die historische Verbindung zwischen der Böblinger Panzerkaserne und der Kurmärker Kaserne in Vaihingen (heute: Patch Barracks / EUCOM) war vor 80 Jahre gebaut worden, um die Einheiten der nur 15 km auseinanderliegenden Panzerkasernen zu gemeinsamen Übungen zusammenführen zu können.

Zwar steht die Panzerstraße vollständig unter Denkmalschutz, doch die Denkmalschutzbehörden haben angesichts der verkehrspolitischen Notwendigkeiten dem Umbau zugestimmt. Dies wurde auch bei einem Treffen am 15. August im Verkehrsministerium bestätigt, bei dem Vertreter des Schwäbischen Albvereins, der Bürgergruppe Vaihingen Ökologisch Sozial, der Forschungsgruppe Untertage, des Landkreises Böblingen, des Regierungspräsidiums und des Verkehrsministeriums zusammengekommen waren.

Letztlich lag die politische Priorität auf dem Einstieg in ein Radschnellweg-Netz für den Großraum Stuttgart, den der Landkreis Böblingen nun als Pilot realisieren will. Da der historische Pflasterbelag der Panzerstraße nicht dem Radschnellweg-Konzept entspricht, muss asphaltiert werden. Um die Panzerstraße mit ihrem historischen Belag als Radschnellweg ausweisen zu können, hätte die Befürworter des Erhalts bereits bei der Entstehung des Konzepts Radschnellweg darauf drängen müssen, dass dort auch Wege mit individuellem Belag berücksichtigt werden können.

Der Umbau betrifft zunächst nur den Teil der Panzerstraße auf Böblinger Gemarkung. Der Bezirksbeirat Stuttgart Vaihingen hat sich einstimmig gegen eine Asphaltierung der Panzerstraße auf Vaihinger Gemarkung ausgesprochen. Hier ist das letzte Wort also noch nicht gesprochen.

Und auch die Weiterführung des Radverkehrs von der Panzerstraße ist noch nicht unter Dach und Fach. Sowohl in Böblingen als auch in Stuttgart laufen hierzu noch Machbarkeitsstudien. Die Böblinger Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen, in Stuttgart werden diese erst im Sommer 2019 erwartet.

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02.09. Öffnungstag im ehem. Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim

Am Sonntag, den 02. September 2018 ist wieder der ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen geöffnet. Wir zeigen und erklären die historische Anlage aus dem Jahr 1944 von 11 – 17 Uhr.

Erfahren Sie warum die Stadt Bietigheim erst im April 1944 mit dem Bau von Luftschutzstollen begann, wo diese gebaut wurden und wie viele. Wir erklären Ihnen wie der Bau von statten ging und wie die Situation für die Menschen in den Stollen war.

Im April 1945 änderte sich für viele Bietigheimer ihr Leben grundlegend, als die Stadt plötzlich zur Front wurde, in der sich für 12 Tage französische und deutsche Truppen gegenüber standen. Dabei entwickelte sich das Kriegsgeschehen in diesen letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs auch völlig anders, als man es bei Bau der Neckar-Enz-Stellung erwartet hatte.

Der Luftschutzstollen Gaishalde liegt an der Bushaltestelle Auwiesenbrücke unter der katholischen Kirche St. Laurentius im Fels.

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Stollenbau in Esslingen

Untertürkheim mit dem Daimler Benz-Werk war ein vorrangiges Ziel der alliierten Bomber. Schon der erste Luftangriff auf Stuttgart in der Nacht auf den 25. August 1940 galt Untertürkheim. Die RAF hatte 68 Flugzeuge zu 5 Zielen in Deutschland geschickt, davon war eines Stuttgart, das von ca. 20 Bombern angeflogen wurde. Sie trafen allerdings nicht die Fabriken, sondern mehrere Wohngebäude in Untertürkheim und Gaisburg. Angesichts der damaligen technischen Möglichkeiten zur Navigation waren die Bomber ihrem Ziel sehr nahe gekommen. Zu dieser Zeit wurde noch auf Sicht geflogen und es bedurfte klarer Sicht und einer Portion Glücks um vollständig verdunkelte Städte in der Nacht zu finden.

Obwohl die Stadt Esslingen ein wichtiger Industriestandort war, stand sie nicht auf der Liste der Bombenziele der Alliierten. Für sie war die Württembergische Hauptstadt wichtig. Die Entfernung zwischen Untertürkheim und Esslingen ist freilich nicht groß, so dass sich eine Luftgefahr für Esslingen weniger durch gezielte Angriffe ergab, sondern eher durch Ungenauigkeiten bei Bombenwürfen auf Stuttgart. Esslingen zählte mit 26 Luftangriffen während des Krieges knapp die Hälfte der Quote von Stuttgart, blieb aber dennoch weitgehend unzerstört.

Die Bomben, die auf Esslingen fielen, fielen praktisch immer im Zusammenhang mit Angriffen auf Untertürkheim oder Stuttgart im Allgemeinen. So waren diese Angriffe für Esslingen insgesamt auch weit weniger schwer als für die Landeshauptstadt. Die Zahl der Opfer von Luftangriffen lag in Esslingen bei 61 Toten und 140 Verletzten. 40% der Opfer waren Ausländer, die durch Bombentreffer auf Zwangsarbeiterlager wie jenes am Eisberg verletzt wurden oder zu Schaden kamen.

Ab 1941 wurden in Esslingen Luftschutzstollen gebaut. Doch die Stadtverwaltung stieß auf unerwartete Schwierigkeiten. So offenbart der Blick nach Esslingen vielschichte Kontraste im Vergleich zum Kriegsgeschehen in Stuttgart.

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Vom Aussichtsturm zum Warnamt

Der erste Luftangriff, bei dem ein Flugzeug Bomben auf gegnerische Truppen warf, fand am  1. November 1911 statt, als ein italienisches Flugzeug eine von türkischen Truppen besetzte Oase in Libyen attackierte.

Unmittelbar danach begannen die Industrienationen Europas über Maßnahmen nachzudenken, wie man der neuen Gefahr begegnen konnte. Als wesentlich wurde erachtet, dass man feindliche Flugzeuge möglichst frühzeitig entdecken konnte, um die Abwehr organisieren zu können. In Deutschland entstanden die Flugwachkommandos, die während des ersten Weltkriegs eine immer größere Verantwortung  zugewiesen bekamen. 1916 existierte bereits ein Ring von Flugwachen um die Stadt Stuttgart, der 1917 um einen zweiten Ring ergänzt wurde.

Diese Flugwachen wurden an exponierten Plätzen eingerichtet, die eine weite Sicht ins Land aufwiesen, also auf Bergen und auch auf Aussichtstürmen. Im ersten Weltkrieg wurden die Beobachtungen per Telefon an die nachgeordneten Dienststellen gegeben.

In den 1920er und 1930er Jahren wurden diese Posten durch eine Reihe weiterer Einrichtungen, wie z.B. die Stellungen von Horchgeräten, ersetzt. Die Kommunikationswege wurden vernetzt, so dass Meldungen über herannahende gegnerische Flugzeuge schneller, besser und effizienter weitergegeben werden konnten. In den großen Städten sammelten spezielle Zentralen die eingehenden Meldungen und gaben sie an die Stadtverwaltung, den SHD, den Rundfunk und andere Stellen weiter. Die Meldungen kamen nun zunehmend von den sich rasant entwickelnden Funkmess-, Ortungs- und Radargeräten. Die Zentrale der Flugwachkommandos in Stuttgart war zunächst in der Fürstenstraße untergebracht. Nachdem sie durch einen Bombentreffer vollständig zerstört worden war, wurde sie zunächst im Neuen Schloss untergebracht und dann im Wagenburgtunnel und schließlich ganz aus Stuttgart heraus verlegt.

Im Kalten Krieg wurde das Prinzip weiterentwickelt und sogenannte Warnämter geschaffen, die nun nicht mehr nur noch Meldungen über Bedrohungen aus der Luft, sondern alle Meldungen über Bedrohungen sammeln sollten, um so eine umfassende Datenbasis für Abwehr- und Schutzmaßnahmen liefern zu können. Für den Großraum Stuttgart war das Warnamt in Rottenburg zuständig. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurden die Warnämter in den frühen 1990er Jahren aufgelöst.

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