Schwieriges Erbe

Stadtgeschichte ist in Stuttgart „in“. Eine ganze Reihe von Büchern erschien in letzter Zeit zum Thema und das Stadtpalais im Wilhelmspalais wurde eröffnet.

Anders als in Ludwigsburg hat jedoch die rasante Entwicklung der Stadt im 20. und 21. Jahrhundert dafür gesorgt, dass kaum noch vorstellbar ist, wie sehr auch hier das Bild der Stadt vom Militär geprägt war.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Rotebühlkaserne noch als Kaserne in Betrieb. Am heutigen Europaviertel befand sich eine Kavalleriekaserne und die Stadt Cannstatt verfügte über einen Exerzierplatz auf dem heutigen Wasen.

Mit dem Bau des heutigen Hauptbahnhofs wurde die Kavalleriekaserne abgerissen und das Areal mit dem Gleisfeld überbaut. Der seit dem Bau des 1. Stuttgarter Bahnhofs bereits dort befindliche Güterbahnhof wurde komplett neu errichtet und um 90 Grad gedreht.

Der Exerzierplatz auf dem Cannstatter Wasen wurde nach dem Zusammenschluss Stuttgarts und Cannstatts aufgegeben und in Richtung Zuffenhausen verlegt. Das neue Areal erstreckte sich zwischen Burgholzhof und Tapachtal.

Die militärischen Veränderungen waren nur teilweise auf die Veränderungen der Stadt Stuttgart zurückzuführen, denn Zuffenhausen wurde erst 1931 nach Stuttgart eingemeindet. 1934 wurde auf dem Burgholzhof die Flandernkaserne errichtet.

In den Städten Böblingen und Vaihingen a.d.F. (1942 nach Stuttgart eingemeindet) errichtete das Militär 1937-38 Panzerkasernen, in der Stadt Möhringen a.d.F. (ebenfalls 1942 nach Stuttgart eingemeindet) wurde 1938 die Hellenen-Kaserne gebaut.

Bis zum Ende des Kalten Krieges war dieses militärische Erbe in der Stadt präsent, denn in den 1930er Jahren gebauten Kasernen in Stuttgart wurden von der US Army genutzt, das an den Burgholzhof angrenzende Areal zum Tapachtal hin wurde dagegen teils dem Wohnungsbau zugeführt und teils zum Naherholungs- und Gartengebiet umgewidmet.

Nach dem Ende des Kalten Krieges gaben die Amerikaner die ehemalige Flandernkaserne auf, deren Areal einem neuen Wohnviertel zugeführt wurde.
Während die ehemalige Panzerkaserne in Vaihingen noch immer von der US Army genutzt wird, ist die Verbindungsstraße zu ihrer Schwesterkaserne in Böblingen, die Panzerstraße, ebenfalls längst der Zivilbevölkerung übergeben worden und wird seither als Naherholungsangebot stark genutzt.

Aktuelle Diskussionen um Radschnellwege haben die Panzerstraße in den Fokus der Planer gebracht. So könnte sie asphaltiert und dem ausschließlichen Radverkehr zugesprochen werden. Dass dadurch nicht nur eine im Großraum Stuttgart einzigartige historische Anlage getilgt werden würde, sondern auch viele heutige Nutzer der Panzerstraße wie Spaziergänger, Familien, Jogger, Hundebesitzer usw. ein angestammter Platz genommen werden würde zeigt, wie schwierig und wie komplex der Umgang mit historischen Bauwerken sein kann. Die derzeitige Nutzung der Panzerstraße stand einem Fortbestand der historischen Bausubstanz nicht entgegen, so dass ihr Charakter weitgehend erhalten geblieben war. Mit der Umgestaltung zum Radschnellweg würde dieser zerstört.

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01.04. Öffnungstag im Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim


Am Ostersonntag, den 01.04.2018 zeigen wir den ehemaligen Luftschutzstollen in der Gaishalde in Bietigheim-Bissingen.

Vor 5 Jahren befreiten wir den östlichen Teil des Stollens von Schutt, Scherben, Baustoffen, Kacheln und vielem mehr, das dort zum Teil kniehoch lag, und bis dahin eine Begehung unmöglich gemacht hatte.

In einer mehrtägigen Aktion schafften wir 2 Baucontainer voller Material aus dem Stollen und schufen somit die Voraussetzungen, dass erstmals seit der unmittelbaren Nachkriegszeit wieder der gesamte Stollen für die Öffentlichkeit zugänglich wurde.

Nachdem die Stadt Bietigheim-Bissingen Licht in die Räumlichkeiten legen ließ, konnte der Stollen am 07.07.2013 erstmals vollständig einem interessierten Publikum gezeigt werden.

Neben den bis dahin nicht zugänglichen Abschnitten des Stollens können seither vor allem auch die dortigen Schleusendurchgänge besichtigt werden, sowie der nach Süden ausgerichtete ehemalige Haupteingang, der nach dem Krieg vermauert wurde.
Unsere Bilderstrecke zeigt Einblicke in den alten Zustand und Momentaufnahmen von der Freilegung des Ostteils im März 2013.

Der Luftschutzstollen Gaishalde liegt an der Bushaltestelle Auwiesenbrücke unter der katholischen Kirche St. Laurentius im Fels. Er ist am 01.04. von 11 – 17 Uhr geöffnet.

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Lange Nacht der Museen: So kommt Ihr zu uns.

Weg LNDM 2018

An der Einmündung von der Heilbronner Straße in die Straße „Am Hauptbahnhof“ ist eine Haltestelle des Shuttle-Busses eingerichtet. Von hier aus gelangt man z.B. in die SPARDA-Welt und die LBBW – und zu uns!

Zur Shuttle-Bushaltestelle gibt es vom HBF aus 2 Fußwege.

Von den Fernbahnhofgleisen oder von der Klettpassage bzw. HBF Nordausgang führt der Weg zum LBBW Gebäude.

Dort führt ein Weg direkt zur Heilbronner Straße (im Bild: Fußweg A), dann an der Heilbronner Straße entlang bis zur Einmündung der Straße „Am Hauptbahnhof“, dort rechts einbiegen.

Unser Fußweg B führt durch den Innenhof des LBBW-Gebäudes, dort die Rampe hinauf zur Straße „Am Hauptbahnhof“, dann links in Richtung Heilbronner Straße bis zur Treppe nach unten auf der linken Seite.

Diese Treppe an der Shuttle-Bushaltestelle führt in Richtung der Stuttgart 21-Baustelle nach unten. Sie ist am Samstagabend für unsere Besucher geöffnet und führt Euch direkt zu uns.

Fogt der Treppe hinab, dann scharf links durch eine offene Gittertür am Baucontainer vorbei in die unterirdische Wagenladungsstraße (am Bauzaun entlang). Dort sind bereist unsere Markierungen sichtbar, die direkt zum Stolleneingang führen.

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17.03. Lange Nacht der Bunker

 

Mit der Teilnahme an der Langen Nacht der Museen am 17.03. beginnt für die Forschungsgruppe Untertage die diesjährige Saison der Öffnungstage. Wie in den vergangenen beiden Jahren sind wir wieder mit dem Luftschutzstollen unter der Heilbronner Straße dabei. Der Schuttle-Bus hält quasi direkt auf unserem Stollen-Dach und auch vom Hauptbahnhof und der Stadtbibliothek/Milaneo aus sind wir gut zu erreichen. Beginnt Eure Lange Nacht doch einfach mit einem Besuch bei uns. Die genaue Wegskizze zum Eingang werden wir in Kürze online stellen.

Mit insgesamt 4 ehemaligen Bunkern aus der Zeit des 2. Weltkriegs bietet die Lange Nacht der Museen dieses Jahr einen außergewöhnlich umfangreichen Einblick in die Stuttgarter Bunkerwelt.

Neben dem Luftschutzstollen unter der Heilbronner Straße haben geöffnet:

Der ehemalige Luftschutzstollen in der Strümpfelbacher Straße in Untertürkheim

Der ehemalige Luftschutzbunker unter dem Marktplatz (nach dem Krieg Bunkerhotel)

Der ehemalige Luftschutzbunker unter dem Diakonissenplatz (Stgt. West)

Jedes dieser Bauwerke hat seine eigene Geschichte und alle zusammengenommen liefern einen weitreichenden Einblick in die unterirdische Bunkerwelt der Stadt.

Die jeweiligen Angebote sind im Programmheft und auf der Webseite der Langen Nacht der Museen beschrieben.

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Als Schüler gegen Bomber

 

Anfang 1943 wurden mehr als 100.000 Soldaten der Luftwaffe für den Erdkampf herangezogen. Vor allem die Flakwaffe hatte erhebliche Kontingente abzugeben.

Die Batterien waren bereits ab September 1942 mit angelernten Zivilisten versetzt worden, um Soldaten für die Front abziehen zu können. Dieses „Heimatflak“ genannte Programm sah vor, dass auch Zivilpersonen zusammen mit Luftwaffensoldaten an den Fla-Geschützen ihren Dienst tun sollten, die explizit wohnortnah einzusetzen waren, z.B. zum Schutz von Fabriken. Damit mussten diese Hilfssoldaten nicht aus dem Arbeitsumfeld herausgelöst werden, sondern sollten quasi „nebenher“ feindliche Flieger bekämpfen. Bei einem (in der Regel nächtlichen) Alarm hatten sich die Angehörigen der Heimatflak zu ihrer Stellung zu begeben und den Dienst aufzunehmen. Tagsüber gingen sie ihrer Arbeit nach.

Allerdings setzte diese Maßnahme nicht genügend Soldaten frei, so dass der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, am 26. Januar 1943 unter dem Az. 11b Nr. 1/43 (Chef d. Lw./1 Wehr 1 III) die sogenannte „Luftwaffenhelfer-Verordnung“( „Kriegshilfseinsatz der Jugend bei der Luftwaffe“) erließ.

Auf der Basis dieser Verordnung wurden ab dem 15. Februar 1943 zunächst die Oberschüler der Jahrgänge 1926 und 1927 als Luftwaffenhelfer eingezogen. Der Einsatz sollte in Heimatnähe erfolgen und auch weiterhin regelmäßigen Schulunterricht umfassen.

Auch die Flak-Stellungen in Stuttgart wurden auf diese Weise zunehmend mit Jugendlichen besetzt, die ihren Dienst an den leichten und schweren Kanonen und den Scheinwerfern der Flak taten.

Waren die Jugendlichen zunächst überwiegend froh von zuhause weg zu kommen und voller Hoffnung etwas für ihr Land leisten zu können, wich die Begeisterung bald schon Verbitterung und Ernüchterung. Der Dienst in den Batterien war von militärischem Alltag geprägt, bei Luftangriffen stellte sich bald das Gefühl von Ohnmacht ein, angesichts der ständig wachsenden Übermacht der alliierten Bomberverbände. Vor allem von den Schweren Flak-Batterien auf den Höhen um Stuttgart bestand eine weitreichende Sicht auf die brennende Stadt im Juli und September 1944. Der Anblick des Flammenmeers war für die Jugendlichen ein schwerer Schock.

Noch härter traf es die Flakhelfer der leichten Flak, die auf den Hochbauten der Stuttgarter Innenstadt ihren Dienst taten, und damit inmitten des Infernos standen, teils verwundet und sogar getötet wurden.

Ab 1944 waren auch die Schweren Flak-Batterien Luftangriffen ausgesetzt, dabei wurden dort ebenfalls Flakhelfer verwundet und getötet. Der Unterricht der Jungen wurde immer spärlicher, der Alltag immer soldatischer. Im Sommer 1944 wurden mehrere schwere Flak-Batterien mit ihren Flakhelfern nach Auschwitz verlegt. Vom anfangs zugesagten „Einsatz in Heimatnähe“ war längst keine Rede mehr.

Über die Geschichte der Stuttgarter Flakhelfer sind im Wesentlichen zwei Bücher erschienen:

Hermann Queck versammelte Berichte von Flakhelfern aus dem gesamten Südwesten.

Günter Aichele schrieb seine eigene Geschichte als Flakhelfer auf, die ihn von Vaihingen bis nach Auschwitz führte.

Die genaue Anzahl der Jugendlichen, die 1943-45 als Flakhelfer in der Luftwaffe dienten, ist nicht bekannt. Ihre Zahl lag im Bereich von 200.000.

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Konversion


Der Hochbunker Zuckerbergstraße in Steinhaldenfeld soll in ein Wohnhaus umgewandelt werden. Das Vorhaben des Cannstatter Büros PlanQuadrat Projekt GmbH & Co. KG wäre der zweite Hochbunker in Stuttgart, der zum Wohnhaus würde, und nach dem Willen von Stadtkämmerer Föll nicht der letzte. Auch der Hochbunker in der Talstraße in Stuttgart-Ost ist verkauft und soll in ein Wohngebäude umgewandelt werden.

Unsere Bilderstrecke zeigt Eindrücke von verschiedenen Hochbunkerkonversionen, teils in einer Vorher/Nachher-Sicht, teils auch als Zwischenschritte der Baumaßnahmen.

Vergleichbare Projekte gibt es inzwischen auch in vielen anderen Städten.

Das Projekt in Steinhaldenfeld würde den Bunker ebenfalls innen komplett entkernen, jedoch die Außenwand nicht verändern, aus der noch immer die Monniereisen ragen, die einst die geplante Natursteinverkleidung halten sollte. Von dieser Verkleidung ist lediglich die Umrahmung des straßenseitigen Eingangs angebracht worden, bevor die Maßnahme 1942 aus Kostengründen abgebrochen wurde. Diese Eisen sind nur noch bei zwei Stuttgarter Hochbunkern sichtbar: In der Sattelstraße 70 und in der Zuckerberstraße.

Zum Weiterlesen:
„Mind Bunker“ – Der Künstler Georg Mühleck nutzte den Hochbunker Zuckerbergstraße als Lager und Inspiration

„Schlimme Kindheit“ – Eine Punkband probte im Hochbunker Sattelstr. 46

Die Geschichte des Hochbunkers Ungererstr. 158 in München

Die Hochbunker an der Rosenheimer/Anzinger Straße in München

 

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Zeitreise

Der Hochbunker in  der Zuckerbergstraße in Steinhaldenfeld soll in ein Wohnhaus umgebaut werden. Die Projektgesellschaft Planquadrat Stuttgart stellt das Vorhaben auf ihrer Webseite vor.

Zu Zeit birgt der Bunker noch eine einzigartige Dokumentation. Die Hochbunker in Steinhaldenfeld waren bis in die frühen 1960er Jahre als Wohnheim genutzt worden, da in der Stadt Stuttgart trotz rasantem Wiederaufbau noch immer ein eklatanter Wohnraummangel herrschte.

Im Bunker Zuckerbergstraße waren zahlreiche Umbauten vorgenommen worden, um das Gebäude als Wohnheim zu nutzen. So wurden aus den Wänden vieler Zellen Fenster herausgebrochen, die zwar nur in den engen Flur führten, doch sie gaben den Bewohnern der kleinen Zimmer zumindest teilweise das Gefühl, in einem regulären Haus zu wohnen.

Die Tapeten sind an manchen Wänden noch sehr gut erhalten, an anderen hängen sie inzwischen herunter.  In manchen Räumen finden sich noch Bilder von damaligen Stars, mit denen die Bewohner ihre dürftige Behausung schmückten. In einem Raum wurde die Decke der aufkommenden Beat-Kultur entsprechend bunt bemalt, auch die Namen damals angesagter Bands finden sich an einer Wand.

Dadurch, dass große Teile des Bunkers seit über 50 Jahren nicht mehr genutzt wurden, blieb so ein außergewöhnlich authentisches Zeitdokument erhalten. Es wird jedoch mit dem Umbau des Bunkers verschwinden.

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