Die nächsten Termine

Im September 2019 hatten wir den Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim zuletzt der Öffentlichkeit gezeigt. Die geplanten Öffnungstage im Juli/August konnten wir leider wegen einer Untersuchung des Felsens nach einem Steinabbruch gegenüber dem ehemaligen Felsenkeller nicht durchführen. Nach drei Jahren Zwangspause hatten wir den Stollen am 04. September endlich wieder für Besucher öffnen können und erfuhren reges Interesse.

Jetzt ist zunächst wieder Winterpause in der Gaishalde. Am Sonntag, den 02.April 2023 werden wir wieder von 11:00 h – 17:00 h für Euch öffnen. Die Bietigheimer Zeitung hat heute in ihrer Print- und Online-Ausgabe einen ausführlichen Bericht über den Stollen veröffentlicht.

Der Kulturtreff im Bunker unter dem Diakonissenplatz arbeitet an den nächsten Konzerte in seiner Reihe „Rock before Tatort“ (jeweils 17:45 h – 19:45 h, Einlass ab 17:15 h):

09.10.SPLIT74Rock
13.11.Beast of DamnationSatanic Black Metal
11.12.N.N.BrosRock

Auch die Vorbereitungen für die ersten Ausstellungen sind angelaufen. Weitere Infos zu den Veranstaltungen auf der Webseite des Vereins.

Mit dem Weilimdorfer Heimatkreis e.V. laufen die Vorbereitungen für weitere Führungen zur Geschichte Giebels und der einstigen Scheinanlage bei Giebel/Hausen/Gehenbühl voraussichtlich ab November. Sobald die Termine stehen, werden wir diese bekannt geben.

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Wohin im Ernstfall ?

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Zivilschutzkonzepte im Kalten Krieg in Ost und West – Überblick

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die damit verbundenen Drohungen gegen westliche Staaten verstärken auch in Deutschland das Interesse für den Stand des Zivilschutzes im Katastrophenfall.

Wie alle Vereine, die historische Bunkeranlagen und zugehörige Infrastruktur dokumentieren, erhalten auch wir vermehrt Fragen, wo man denn im Ernstfall Schutz finden würde.

Während des Kalten Krieges waren in Deutschland zunächst ehemalige Weltkriegs-Bunker und -Stollen provisorisch modernisiert worden, vor allem nach der Kuba-Krise. Diese Aktivitäten kamen allerdings nur langsam voran.

1971 hatte das Amt für Zivilschutz der Stadt Stuttgart 23 Mitarbeiter, bis 30.06.1974 wurde diese auf 29 erhöht. Ende 1974 berichtete das Amt: „Eine ausführliche ZS-Ortsbeschreibung wurde ausgearbeitet (…). Bisher sind Schutzraumbauten mit etwa 1200 Schutzplätzen nutzbar gemacht“.

Die anhaltenden Kriege in der Welt und die fortgesetzte Konfrontation zwischen Ost und West führten zu massiven baulichen Anstrengungen, die bis zum Ende des Kalten Kriegs fortgesetzt wurden. 1987 konnte die Stadt Stuttgart ihren 556.000 Einwohnern 70.590 Schutzplätze bieten. Mit der Fertigstellung der letzten „Mehrzweckanlage“ im Heslacher Tunnel 1991 erhöhte sich die Zahl um weitere 5.000 Schutzplätze. Dies sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stadt nach wie vor für rund 6/7 ihrer Einwohner keine Schutzplätze hatte.

In zahlreichen Publikationen findet sich die vielsagende Darstellung, der Staat habe den privaten Schutzraumbau gefördert. Der Bau solcher Anlagen war jedoch trotz Förderung teuer und bei der geringen Wohneigentumsquote der Bundesrepublik für die Mehrheit der Bevölkerung schlicht keine Option. In Stuttgart wurde 85 private Schutzräume gebaut, davon waren einige sogenannte Kugelbunker, in denen eine Familie auf engstem Raum mehrere Tage hätte ausharren können. Uns erreichen seit Jahren Berichte von Besitzern solcher Bunker, die inzwischen undicht geworden sind, und in die Wasser eindringt.

Rund 2.000 Zivilschutzanlagen standen auf dem Gebiet Westdeutschlands zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung in der Verwaltung des Bundesamts für den Zivilschutz. Aus Kostengründen wurde das Amt zum 01.01.2001 als Zentralstelle für Zivilschutz (ZfZ) in das Bundesverwaltungsamt eingegliedert. Unter dem Eindruck des 11.09.2001 und des Elbehochwassers 2002 wurde die Zentralstelle 2004 zugunsten der Neugründung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wieder aufgelöst.

Trotz dieser erneuten organisatorischen Stärkung verständigten sich Bund und Länder 2007 auf die Beendigung des bisherigen „flächendeckenden“ Schutzkonzepts. In der Folge zogen sich Bund und Länder aus der Instandhaltung und dem Unterhalt der Bauwerke zurück, die sukzessive alle aus der Zivilschutzbindung fielen.

Seither wurden zahlreiche dieser Bauwerke bereits abgebrochen oder umgebaut. Die anderen wurden nicht mehr gewartet, ihre Technik teilweise entfernt. Neben den Kostengründen und der zunächst zugrunde gelegten veränderten geopolitischen Lage führten weitere Gründe zur Beendigung des Programms. Diese Anlagen schützten vor Chemischen und Biologischen Kampfstoffen und vor Nuklearer Strahlung, nicht aber vor einem direkten atomaren Angriff auf die Stadt. Auch gegen Treffer mit neuen konventionellen Waffen wie modernen Marschflugkörpern würde etliche der Bauwerke heute keinen Schutz mehr bieten. Und für die große Mehrheit der Bevölkerung waren trotz aller Anstrengungen gar keine Schutzplätze verfügbar.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und den weiteren Anschlägen, wie am 07. Juli 2005 in London, entwickelten sich die Zivilschutzdebatten in den westlichen Ländern vor allem dahin, wie das Risiko solcher Anschläge vermindert werden kann. Schutzräume spielten in diesen Diskussionen kaum eine Rolle, denn der Angriff durch Attentäter ist in der Regel nicht vorhersehbar. Ab April 2014 nahmen unter dem Eindruck der Ereignisse in der Ostukraine auch wieder Diskussionen über eine Kriegsgefahr in Europa zu, die in Deutschland zwar zu einer neuerlichen Aufwertung des Zivilschutzes führte, aber bis zum Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 waren keine umfassenden neuen Konzepte aufgelegt worden.

Aktuell stehen in Stuttgart keine Bunker oder Stollenanlagen zur Verfügung, die die Stadt im Notfall schnell aktivieren könnte.

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Gundelsheim – Vertragsbruch, Lazarett und „Endkampf“

Das Bild der Stadt Gundelsheim am Neckar ist vor allem von zwei großen Bauwerken Geprägt, nämlich von Burg Horneck und der von Paul Bonatz errichteten Neckar-Staustufe.

Die Geschichte der Burg reicht bis zurück um 1200. Um 1250 Konrad von Horneck mit seinen beiden Söhnen dem Deutschen Orden bei und übergab diesem die Burg. 1438 wurde Burg Horneck neben der Marienburg und Riga der dritte Hauptsitz des Ordens. Aus diesem Umstand leitet Gundelsheim bis heute den Titel „Deutschordensstadt“ ab.

Die 1935 fertiggestellte Staustufe steht für einen Bruch mit dem Versailler Vertrag. Denn in die Schleuse wurde ein Befestigungswerk eingebaut, obwohl sie 1.000 m westlich innerhalb der Zone lag, in der Deutschland gemäß Vertrag keine Befestigungen hätte bauen dürfen. Zur Verschleierung wurden die Kampfräume als „Luftschutzräume“ deklariert.

Die deutschen Festungsplaner der 1930er Jahre sahen im Raum Gundelsheim einen „Brennpunkt-Abschnitt“, an dem es zu entscheidenden Kampfhandlungen kommen könnte. Entsprechend wurde der Bereich von Gundelsheim erheblich befestigt. In einem 6,5 km breiten Abschnitt zwischen dem Michaelsberg und der Offenauer Höhe wurden zwei Bataillonsabschnitte zusammengefasst, nämlich Gu (Gundelsheim) im Norden und Ba (Bachenau) im Süden. Zusammen wurden in diesem Doppelabschnitt 32 Bauwerke errichtet.

1939 hatte Gundelsheim 3.759 Einwohner, 2020 waren es 7.475. Mit Beginn des 2. Weltkriegs wurde, wie schon im 1. Weltkrieg, ein Lazarett im Schloss eingerichtet. Der Brau-Stollen unter dem Schloss diente als Luftschutzanlage.

Ende November 1944 verlegte Leichte Flak nach Gundelsheim, die unweit der Neckarschleuse in Stellung ging. Sie sollte den Bahntunnel verteidigen. Der Schossturm wurde zum Beobachter. Am 24. März 1945 wurden die Flakhelfer wieder abgezogen.

Ende März 1945 ging die 2. Kompanie des SS-Panzergrenadier-Regiments 38 der 17. SS-Panzergrenadierdivision in Gundelsheim in Stellung. Sie konnten die amerikanischen Truppen vom 30. März bis 01. April aufhalten, setzten sich aber am 02. April ab. Unmittelbar danach besetzten die Amerikaner die Stadt.

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