2. Auflage


Eine erfreulich große Nachfrage führte dazu, dass das Heimatblatt Nr. 43 des Heimatkreises Weilimdorf zur Scheinanlage bei Weilimdorf/Gerlingen bereits binnen eines Monats ausverkauft wurde.

Der Heimatkreis und das Autorenteam sind sehr dankbar für die zahlreichen Rückmeldungen, die zu dem Heft eingingen, und für die guten Gespräche, die sich durch die Publikation ergeben haben. Mit dieser Publikation stieß der Heimatkreis auch über Weilimdorf hinaus auf großes Interesse. Und insbesondere in den ehemaligen Nachbarorten der Scheinanlage, von Korntal, Ditzingen über Leonberg bis Gerlingen konnte das Heimatblatt einen Impuls zum Dialog zwischen den Generationen setzen, der im Idealfall das Verständnis füreinander und das Interesse an der lokalen Geschichte fördern kann.

Die Redaktion hat die Vorbereitungen für eine zweite Auflage des Heimatblatts abgeschlossen, die in leicht überarbeiteter Fassung in Kürze in Druck gehen wird, so dass die anhaltende Nachfrage nach der Publikation zeitnah bedient werden kann.

Genaue Details zur 2. Auflage können direkt beim Heimatkreis erfragt werden.

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Luftschutz und Scheinanlage in Weilimdorf

Titel Heimatblätter Nr 43 fin

In der Nacht vom 19. auf 20. Oktober 1944 erfolgte ein Doppelangriff auf Stuttgart mit 583 Flugzeugen, die in zwei Wellen angriffen (19. Oktober von 20:25 bis 21:10 Uhr und 20. Oktober 1944 von 00:55 bis 01:38 Uhr). Diese Strategie war von den Briten entwickelt worden, um die Schäden und Opferzahlen in den deutschen Städten zu erhöhen. Der zweite Angriff fiel in die Lösch- und Rettungsarbeiten, die nach dem ersten Angriff in Gang gesetzt worden waren, und zerstörte so in der Regel auch Gerätschaften und Schläuche der Rettungskräfte und verhinderte, dass Brände gelöscht werden können.

Die Stadt Stuttgart war bei den Juli-Angriffen und am 12. September 1944 in den Innenstadtbereichen bereits hochgradig zerstört. Der Doppelangriff sollte daher Bad Cannstatt und die Neckarvororte treffen. Die Anzahl der beteiligten Bomber entsprach ungefähr den jeweiligen Angriffen im Juli. Allerdings zeigt die Menge der abgeworfenen Bomben den zunehmenden Anteil moderner schwerer Bomber. Nie zuvor waren bei einem Angriff mengenmäßig so viele Abwurfmittel auf Stuttgart geworfen worden, wie in dieser Nacht. Ca. 4.000 Sprengbomben, 100 Luftminen und über 100.000 Stabbrandbomben töteten 338 Menschen und verwundeten 872. 38 Personen blieben vermisst.

Der Angriff traf die Innenstadt mit den Hanggebieten, den Osten, alle Neckarbezirke von Berg bis Obertürkheim, sowie die nördlichen und nordwestlichen Stadtteile. Diese lagen eigentlich außerhalb des Angriffsschwerpunkts. Doch allein in Weilimdorf starben 16 Menschen.

Auch wenn eine direkte Zuschreibung fehlt, liegt es nahe, dass die Bombenwürfe in und um Weilimdorf auf die Scheinanlage zurückzuführen sind, die auf dem Gebiet der heutigen Stadtteile Giebel, Hausen und Gerlingen-Gehenbühl lag.

Der Heimatkreis Weilimdorf hat sein nun erschienenes Heimatblatt Nr. 43 komplett der Geschichte der Scheinanlage, der zugehörigen Flakstellungen und der Luftschutzmaßnahmen für die Zivilbevölkerung gewidmet.

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Warum gab es Bunkerhotels?

Nach dem Krieg wurden in den Städten zahlreiche Bunker als Hotel genutzt. In Stuttgart waren zeitweise in sechs Bunkern Hotels eingerichtet. Die ehemaligen Stuttgarter Bunkerhotels haben inzwischen sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel.

Dennoch sind für viele Menschen heute die Hintergründe zunächst unklar und so wurde auch am Tag des Offenen Denkmals im Diakonissenplatzbunker die Frage gestellt: Wieso hat man denn in einem Bunker ein Hotel eingerichtet?

Je mehr Zeit zwischen der Nachkriegszeit und der Gegenwart liegt, desto schwieriger wird es, sich diese Zeit und ihre unzähligen Widrigkeiten vorzustellen, die den Alltag der Menschen in den ersten Nachkriegsjahren weitgehend bestimmten.

Mit unserer Arbeit, unseren Veranstaltungen und in Publikationen versuchen wir dazu beizutragen, dass all dies nicht in Vergessenheit gerät und Fragen wie die nach den Bunkerhotels nicht unbeantwortet bleiben müssen.

Und warum kam man nun auf die Idee, ein Hotel im Bunker einzurichten? – Letztlich aus purer Not. Die meisten Hotels in der Innenstadt waren, wie viele andere Gebäude, den Bombenangriffen zum Opfer gefallen. Diejenigen größeren Hotels, die bei Kriegsende noch einigermaßen intakt waren, wurden von den Alliierten für die Unterbringung ihres Personals requiriert. So waren die Bunker, als oft relativ zentral gelegene, unzerstörte Gebäude, die eine gewisse Größe aufwiesen und auch im Innern bereits in kleine Räume gegliedert waren, die naheliegende Notlösung.

Die meisten Bunkerhotels existierten nur bis in die 1950er Jahre, als Neubauten fertiggestellt waren und die Alliierten ihrerseits Bauprogramme wie den Burgholzhof auf den Weg brachten, um ihr Personal nicht mehr in Hotels unterbringen zu müssen. Auch der Tiefbunker unter dem Diakonissenplatz beherbergte zeitweise ein Hotel. Die ganze Geschichte des Bunkers kann nun in einer neuen Broschüre des Vereins Kultdiak Stuttgart e.V. nachgelesen werden.

Kein deutsches Bunkerhotel existierte jedoch länger als das Bunkerhotel unter dem Stuttgarter Marktplatz, das erst 1985 aufgegeben wurde.

In Nürnberg diente der Rathausbunker nach dem Krieg als Hotel.

In München gab es im Hochbunker Hotterstraße ein Hotel.

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15.09. Begehung des Venusbergs bei Aidlingen

Der nördlich von Aidlingen liegende Venusberg erhebt sich mit einer Höhe von 537 m über die Umgebung. Ab Mitte 1944 wurde unter der Leitung der Organisation Todt (OT) hier mit dem Bau einer Funknavigationsanlage begonnen, die zu diesem Zeitpunkt zukunftsweisend war. Das Prinzip dieser Technologie wird bis heute eingesetzt, auch wenn die technischen Einrichtungen dafür längst nicht mehr so spektakulär aussehen.

Der imposanteste Teil der Anlage wurde genau auf dem höchsten Punkt des Berges aufgebaut, wo seine bizarre Überreste noch heute zu sehen sind. Insbesondere der Betonring mit seinen 22,6 m Durchmesser und einer Ruine aus Mauerwerk und Stahl in seinem Mittelpunkt macht viele Wanderer in dem heutigen Naturschutzgebiet ratlos.

Hier befand sich einst eine 28 m hohe und 35 m breite Sendeanlage mit mehreren Antennen, die sich auf dem Betonring um ihre eigene Achse drehen konnte, eine sogenannte Drehfunkfeueranlage. Es war 1944/45 die einzige Anlage dieser Art in Südwestdeutschland.

Ihre Geschichte und Funktion erklären wir bei der Begehung am Sonntag, 15.09. ab 14 Uhr. Treffpunkt ist um 14 Uhr bei der Alten Schule in Lehenweiler (71134 Aidlingen, Lehenweiler Hauptstraße 2).

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08.09. Tag des Offenen Denkmals

Am Tag des Offenen Denkmals haben unter anderem auch der Daimlerturm in Bad Cannstatt, der Bunker unter dem Diakonissenplatz in Stuttgart-West und die KZ-Gedenkstätte im ehemaligen Engelbergtunnel geöffnet.

Der Daimler-Turm wurde 1894 im Auftrag von Gottlieb Daimler im Kurpark unweit seines ehemaligen Wohnhauses und der Werkstatt errichtet. Als Baumaterial wurde Cannstatter Travertin verwendet. Seit 1934 befindet sich der Turm im Eigentum der Stadt Stuttgart.

Im zweiten Weltkrieg wurde auf den Turm noch ein Holzgerüst gesetzt. Gerüchten zufolge soll darauf eine Flak stationiert worden sein. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Turm, wie der Aussichtsturm auf dem Burgholzhof, als militärischer Beobachtungsposten genutzt worden war.

In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich die leichte Flak, die den Cannstatter Viadukt zu verteidigen hatte.

Der Diakonissenplatzbunker ist der größte reguläre Tiefbunker, der in Stuttgart während des 2. Weltkriegs gebaut wurde. Sein u-fömiger Grundriss und seine Gliederung in drei Trakte machen ihn in Stuttgart ebenso einzigartig, wie die Tatsache, dass hier von Anfang an eine Luftschutzrettungsstelle eingeplant und eingebaut wurde. 1980-85 wurde der Bunker für den Kalten Krieg modernisiert.

Der alte Engelbergtunnel war bei seiner Fertigstellung 1938 Deutschlands erster Autobahntunnel. Im März 1944 wurde der Tunnel zu einer unterirdischen Fabrik umgebaut, in der von April 1944 – April 1945 Tragflächen für das Düsenflugzeug Me 262 gefertigt wurden. Auf 11.000 Quadratmeter Fertigungsfläche und in diversen Außenbetrieben arbeiteten mehrere Tausend KZ-Häftlinge, von denen 389 in Leonberg umkamen. Nach dem Krieg wurde der Tunnel wieder für die Autobahn genutzt. Nach Fertigstellung des neuen Engelbergtunnels wurde er verfüllt. Lediglich ein Tunnelmund blieb erhalten. Er beherbergt die KZ-Gedenkstätte.

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01.09. Öffnungstag im ehem. Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim

Am kommenden Sonntag, den  01. September, haben wir noch einmal den ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen geöffnet. Der Luftschutzstollen war von April bis November 1944 von zwei Seiten in den Fels unter der katholischen Kirche St. Laurentius getrieben worden. Die Stadt Bietigheim als Bauherrin konnte für den Bau auf Arbeitskräfte aus dem Zentralen Durchgangslager des Arbeitsamts am Bahnhof zugreifen, über das im Laufe des Krieges ca. 200.000 Menschen geschleust und zur Zwangsarbeit innerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Landesarbeitsamtes Südwestdeutschland weiterverteilt wurden.

Nachdem am 10. September 1944 ein Luftangriff auf die Munitionsniederlage im Brandholz erfolgt war, und am 09. November 1944 erstmals der Bahnhof Bietigheims aus der Luft angegriffen wurde, war ab Anfang Dezember der Gaishalde-Stollen nutzbar. Von nun an konnten die Anwohner aus der Gaishalde, dem Ulrichsbuckel und der unteren Bahnhofstraße bei Fliegeralarm und bei Luftangriffen in diesen Stollen.
Auch während der 12 Tage im April 1945, als die Front durch Bietigheim lief, suchten viele Menschen hier Schutz.

Insgesamt entstanden 1944-45 in Bietigheim sechs und in Bissingen fünf Luftschutzstollen, von denen der Gaishalde-Stollen as einziger noch heute für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Er ist zugleich einer der letzten Bauzeugen der Siedlung Gaishalde, die in den frühen 1970er Jahren fast vollständig dem Ausbau der Bundesstraße geopfert wurde.

Und auch mit der Militärgeschichte der NS-Zeit im Südwesten ist Bietigheim-Bissingen eng verbunden: Ab 1935 wurde an den Ufern von Neckar und Enz die bereits in den 1920er Jahren konzipierte Bunkerlinie – die Neckar-Enz-Stellung – gebaut, die einen französischen Angriff auf den Südwesten hätte abfangen sollen. Im April 1945 war Bietigheim 12 Tage lang Front. Als die Deutschen Bietigheims Oststadt am Morgen des 21. April räumten, sollte bei Brucken, Grabenstetten, Oberlenningen eine neue Verteidigung aufgebaut werden. Die schwachen deutschen Verbände leisteten dort 2 Tage Widerstand, bevor sie sich zurückzogen. Damit brach die letzte deutsche Front am Albaufstieg zusammen, und die Amerikaner konnten ohne weitere nennenswerte Gegenwehr am 24. April in Ulm einrücken.

Die facettenreiche und komplexe Geschichte Bietigheims und Bissingens während des 2. Weltkriegs und ihrer Luftschutzstollen sind Themen unseres Öffnungstages.

Der Stollen ist von 11- 17 Uhr geöffnet.

Der Zugang liegt an der Bushaltestelle Auwiesenbrücke. Parkmöglichkeiten sind auf dem aldi-Parkplatz in der Wobachstraße vorhanden.

Die Geschichte der Neckar-Enz-Stellung präsentiert der Arbeitskreis Bunkerforschung im Museumsbunker Ro1 in Bissingen, der parallel geöffnet ist.

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Behelfs-Viadukt in Bietigheim

Der erste Luftangriff auf die Bahnanlagen in Bietigheim erfolgte am 09. November 1944. Bei dem Angriff auf die Bahnhofsgegend kam bei der Firma SWF ein ausländischer Arbeiter ums Leben.

Das 1941 von Stuttgart-Feuerbach nach Bietigheim umgezogene Unternehmen versuchte noch Ende 1944 / Anfang 1945 die unterirdischen Räume des Felsenkellers für eine Produktionsstätte zu nutzen, das Projekt kam aber über die Planung nicht mehr hinaus.

Ab Anfang 1945 versuchten die Alliierten auch gezielt den Viadukt zu bombardieren, an dessen beiden Enden leichte Flak postiert war, um die Tiefflieger abzuwehren.

Dennoch wurde der Viadukt am 23. März von amerikanischen Marauder-Bombern getroffen und die Gleise durch Bombentreffer unterbrochen.

In den kommenden Tagen konnte die Bahnverbindung repariert und der Viadukt wieder eingleisig befahren werden.

Als jedoch am 07. April absehbar war, dass französische Truppen am kommenden Tag die Weststadt Bietigheims besetzen würden, die nicht verteidigt werden konnte, sprengten deutsche Pioniere am Morgen des 08. April 1945 alle Enzbrücken in den Städten Bietigheim und Bissingen und auch 5 Bögen vom Westteil des Viadukts, um den Franzosen keinen intakten Enzübergang in die Hände fallen zu lassen.

Nachdem die ersten notdürftigen Reparaturen am Viadukt nur eine sehr eingeschränkte Nutzung zuließen, wurde Anfang Dezember 1945 der Bauauftrag für eine 317 m lange eingleisige Behelfsbrücke erteilt, die 15 m nördlich neben den Viadukt gesetzt wurde. Die Bauzeit betrug von März bis November 1946. Am 28. August 1949 war der Bietigheimer Viadukt wieder aufgebaut und konnte in Betrieb genommen werden. Die Behelfsbrücke wurde in den Jahren danach wieder abgebaut.

Das einstige Fundament des Behelfsviadukts in der Wobachstraße unweit des aldi-Parkplatzes ist heute vor allem im Sommer ein beliebter Treffpunkt mit Blick auf die Enz.

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