Ideenwettbewerb für den Rosensteinbunker

Noch am 06.06.2005 wollten in der Anfrage Nr. 174/2005 im Gemeinderat der Stadt Stuttgart 4 Stadträte u.a. wissen, ob der Hochbunker Rosensteinbrücke (Badstraße) noch Bestandteil der Zivilschutzkonzeption ist, ob langfristig eine Instandsetzung und Modernisierung sinnvoll und auch vorgesehen ist, welche technischen Möglichkeiten einer Beseitigung es gibt und welche Kosten dafür anzusetzen wären.

Zum damaligen Zeitpunkt befand ich der Bunker noch in Zivilschutzbindung was die Diskussion um den Bunker im Gemeinderat schnell beendete. In Bad Cannstatt wollte sich freilich bis heute noch nicht jeder mit dem Kriegsrelikt abfinden. 1975 waren die beiden Hochbunker am Wilhelmsplatz abgerissen worden.

Im Mai 2010 fand in der Stadtteilbücherei Bad Cannstatt eine Ausstellung zum Hochbunker Badstraße statt. Neben lebensgroßen Schwarzweiß-Abzügen von Fotos, die Jonnie Doebele Anfang der 1970er Jahre von den Musikern von Spratzel Strull im Bunker machte zeigte die Ausstellung auch Fotos vom Bunker aus der Nachkriegszeit und der Gegenwart. Zur Eröffnung gab es live-Musik von ehemaligen Spratzel-Strull-Musikern und eine historische Einführung von Norbert Prothmann von der Forschungsgruppe Untertage.

Nun habe die Freien Wähler Bad Cannstatt ein Zeichen für eine Neunutzung des Bunkers gesetzt und einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnisse am 26.09. im Kursaal Bad Cannstatt präsentiert werden sollen. Ziel soll nun nicht mehr die Beseitigung des Bunkers sein, sondern seine Integration in das Konzept Stadt am Fluss und eine Öffnung des Bunkers für die Bevölkerung als Aussichtsturm, wenn möglich kombiniert mit einer historischen Ausstellung zur Geschichte des Bunkers.

Innerhalb der nächsten 10 Jahre, so hoffen die Initiatoren, könnte solch ein Konzept umgesetzt werden. Mit Blick auf die Erhaltung des Bunkers und einer möglichen Integration in ein örtliches Gesamtkonzept, das ihn für die Öffentlichkeit zugänglich macht begrüßen wir diese Initiative ausdrücklich. Es bleibt zu wünschen, dass sich die notwendige Unterstützung für ein solches Konzept findet.

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17. und 18.09. Journées Européennes du Patrimoine

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Am kommenden Wochenende (Samstag und Sonntag) findet der Tag des Offenen Denkmals in Frankreich statt. Auch hierfür ist das Programm Online abrufbar.

Unter dem Suchbegriff „Maginot“ finden Sie dort alle Festungsbauten der Maginot-Linie, die an diesem Wochenende geöffnet haben. Nutzen Sie das Wochenende doch z.B. zu einem Besuch bei unseren Freunden im ehemaligen Festungsabschnitt an der Mosel in unmittelbarer Nachbarschaft zu Saarlouis bzw. Dillingen/Saar.

Dort sind an beiden Tagen die Festungsanlage Michelsberg und der Großunterstand Bilmette geöffnet. Das Festungswerk präsentiert die Ausstattung von 1940 mit Originalbewaffnung und vielen Ausrüstungsgegenständen, die den Alltag der dort stationierten Soldaten veranschaulichen und das geplante Verteidigungskonzept der Maginot-Linie generell und bezogen auf die lokalen Besonderheiten illustrieren.

Der Maschinenraum verfügt über einen intakten Dieselgenerator, der bei den Führungen in Betrieb genommen wird. Auch die Küche wird ihren Anteil zum historischen Erlebnis beitragen und den Besuchern warme Speisen vom Festungsherd anbieten.

Die Mitglieder des Festungsvereins vor Ort können Ihnen weitere Tipps zu Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung geben. Auch das Online-Programm des Denkmaltags liefert die Standorte der anderen teilnehmenden Einrichtungen.

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11.09. Tag des Offenen Denkmals

Am Sonntag, den 11.09.2016 ist Tag des Offenen Denkmals. Zahlreiche historische Stätten in der Region haben geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch, so z.B. die KZ-Gedenkstätte im ehemaligen Engelbergtunnel in Leonberg, die Gedenkstätte des KZ Vaihingen/Enz, der Museumsbunker RO1 der Neckar-Enz-Stellung in Bietigheim-Bissingen, der Kommandobunker der Französischen Armee auf der Hornisgrinde, der Westwallbunker in Rastatt, das ehemalige Sonderwaffenwaffenlager Area 1 in Fischbach, das Westwallmuseum in Bad Bergzabern und andere.

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04.09.2016: Öffnungstag im Gaishaldestollen in Bietigheim

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Am Sonntag, den 04.09. zeigen wir noch einmal den ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen. Er wurde 1944 als einer von sechs Luftschutzstollen in Bietigheim als städtische Luftschutzanlage gebaut. Bis dahin hatte man sich auf die schon zu Kriegsbeginn eingerichteten Luftschutzkeller verlassen. Außerdem waren im Stadtgebiet von Bietigheim auch mehrere Militärbunker der Neckar-Enz-Stellung zu zivilen Luftschutzräumen umgerüstet worden. Diese Bauwerke boten allerdings nur in begrenztem Umfang Schutzplätze.

Freilich erlebten Bietigheim und Bissingen bis 1944 keinerlei Luftangriffe, so dass in der Bevölkerung die Hoffnung bestand, dass man den Krieg doch einigermaßen unbeschadet überstehen könne.

Der Ort erlebte sogar den verstärkten Zuzug von Industriebetrieben, die aus Stuttgart in das vermeintlich sichere Umland verlagert wurden. Beispielsweise verlegte die Feuerbacher Firma SWF ihren Firmensitz 1942 komplett nach Bietigheim. Daimler-Benz nutzte große Teile der Kammgarnspinnerei und einige Räumlichkeiten der DLW für Produktionsverlagerungen aus Untertürkheim und auch andere Stuttgarter Firmen verlegten Teile ihrer Betriebe hierher.

Mit der Intensivierung des Bombenkriegs sahen sich aber auch die Kleinstädte an Neckar und Enz veranlasst zusätzliche Schutzplätze für ihre Einwohner zu schaffen. So entstanden in Bietigheim insgesamt sechs Luftschutzstollen, die Stadt Bissingen schuf zur gleichen Zeit fünf Stollenanlagen für ihre Bevölkerung. Damit gab es im Bereich des heutigen Bietigheim-Bissingen zum Jahresende 1944 insgesamt elf Luftschutzstollen.

Mit dem ersten Luftangriff auf das Bietigheimer Bahnhofsareal am 09. November 1944 erreichte der Bombenkrieg die Stadt. Die Stollen waren zu diesem Zeitpunkt gerade weitgehend fertig geworden. Im Gaishaldestollen wurde noch bis Ende Dezember 1944 gearbeitet, vor allem wurden noch Farbmarkierungen und die Sitzplatznummern der Holzbänke angebracht.

Die Holzbänke sind nicht mehr vorhanden, aber baulich ist die Anlage seither praktisch unverändert und vermittelt einen plastischen Einblick in die Situation der Bietigheimer Bevölkerung im letzten halben Jahr des Krieges.

Der ehemalige Luftschutzstollen liegt neben der B27 im Fels unter der katholischen Kirche St. Laurentius (Bushaltestelle Auwiesenbrücke). Der Stollen ist von 11 – 17 Uhr geöffnet.

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Luftschutz am Stuttgarter Hauptbahnhof

Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs war recht schnell klar, dass Angriffe aus der Luft auf Städte eine der großen Herausforderungen künftiger Kriege sein würde. In den meisten Ländern Europas begannen schon in den 1920er Jahren Diskussionen um Konzepte, mit denen man solchen Angriffen begegnen könnte. Zu konkreten Baumaßnahmen kam es aber zunächst nicht.

Die ersten Baumaßnahmen für Luftschutzbunker in Stuttgart gab es im Frühjahr 1939. Es waren vor allem Luftschutzräume für Bahnreisende wie die Winkeltürme in Feuerbach und Untertürkheim oder der Stollen unter der Heilbronner Straße. Es waren aber auch Stollenanlagen für Behörden wie z.B. beim Stuttgarter Rathaus der Handwerkskammer oder der Reichsbahndirektion. Dass diese Maßnahmen nicht ausreichten war bald klar. Als Folge des Führersoforterlasses vom 10. Oktober 1940 begannen am 21. November 1940 in Stuttgart die Beratungen über den Bau von Luftschutzbunkern mit den Beiräten für Luftschutzfragen.

Eine Folge dieser Beratungen war die Entscheidung zum Bau des Wagenburgtunnels. Der Tiefbunker unter dem Bahnhofsvorplatz (Hindenburgplatz) war eine weitere. Die Bahn selbst hatte Luftschutzkeller im Hauptbahnhof eingerichtet.

Im Verlauf des Kalten Krieges wurden neue Bunker gebaut. Sowohl für Beschäftigte der Bahn als auch für einen Teil der Bevölkerung. Der Stollen unter der Heilbronner Straße sollte ebenfalls modernisiert und umgerüstet werden, ein Vorhaben, das im Umbau abgebrochen wurde.

Andere Weltkriegsbunker standen nicht mehr zur Verfügung: Der Wagenburgtunnel war wie vorgesehen nach dem Krieg zur Verkehrsachse ausgebaut worden, der Tiefbunker unter dem Bahnhofsvorplatz musste der Klett-Passage und U-Haltestelle weichen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde auch die Mehrzweckanlage am Hauptbahnhof aufgegeben, die aber weiterhin als Tiefgarage genutzt wird.

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03.07.2016 Öffnungstag Gaishaldestollen in Bietigheim

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Am Sonntag, den 03.07. zeigen wir wieder den ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen. Er wurde 1944 als einer von sechs Luftschutzstollen in Bietigheim als städtische Luftschutzanlage gebaut. Die Stadt Bissingen schuf zur gleichen Zeit fünf Stollenanlagen für ihre Bevölkerung so dass es im Bereich des heutigen Bietigheim-Bissingen elf Luftschutzstollen gab.

Bis Anfang 1944 hatten die beiden Kleinstädte auf die schon zu Kriegsbeginn eingerichteten Luftschutzkeller vertraut. Im Stadtgebiet von Bietigheim waren auch mehrere Militärbunker der Neckar-Enz-Stellung zu zivilen Luftschutzräumen umgerüstet worden. Deren Aufnahmekapazität war freilich begrenzt.

Der späte Baubeginn der Luftschutzstollen ist darin begründet, dass Bietigheim und Bissingen bis 1944 keinerlei Luftangriffe erlitten. Ganz im Gegenteil. Als vermeintlich sicheres Umland der gefährdeten Industriemetropole Stuttgart wurden sie Verlagerungsstandorte, also Orte, in die Unternehmen aus Stuttgart ihre Produktion verlegten, um sie vor Luftangriffen zu schützen. So verlegte die Feuerbacher Firma SWF ihren Firmensitz 1942 komplett nach Bietigheim. Daimler-Benz nutzte große Teile der Kammgarnspinnerei und einige Räumlichkeiten der DLW für Produktionsverlagerungen aus Untertürkheim und auch andere Stuttgarter Firmen verlegten Teile ihrer Betriebe hierher.

Trotz der hektischen Baumaßnahmen an den Luftschutzstollen hatten die Bietigheimer noch bis November 1944 die Hoffnung einigermaßen unbeschadet durch den Krieg zu kommen. Mit dem ersten Luftangriff auf das Bietigheimer Bahnhofsareal am 09. November 1944 zerschlug sich diese Hoffnung. Die Stollen waren zu diesem Zeitpunkt gerade weitgehend fertig geworden. Noch eben rechtzeitig, sozusagen.

Bis Ende Dezember 1944 wurde im Gaishaldestollen noch gearbeitet, vor allem wurden noch Farbmarkierungen und die Sitzplatznummern der Holzbänke angebracht. Dennoch bot die Anlage wenig Annehmlichkeit. Es gab keine Lüftung und praktisch kein elektrisches Licht. Toiletten gab es nur außerhalb des Stollens. 247 Sitzplätze auf Holzbänken waren per Nummer an die Haushalte zugewiesen. Alle anderen Schutzsuchenden mussten stehen.

Die Holzbänke sind nicht mehr vorhanden, aber baulich ist die Anlage seither praktisch unverändert und vermittelt einen plastischen Einblick in die Situation der Bietigheimer Bevölkerung im letzten halben Jahr des Krieges.

Der ehemalige Luftschutzstollen liegt neben der B27 im Fels unter der katholischen Kirche St. Laurentius (Bushaltestelle Auwiesenbrücke). Der Stollen ist von 11 – 17 Uhr geöffnet.

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Tunnelgeschichten auf SWR2

Zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels erzählt SWR2 am 04.06.2016 Tunnelgeschichten aus aller Welt, auch aus Stuttgart.

Vor allem durch Stuttgart 21 haben Tunnel in der Landeshauptstadt massiv an Ansehen verloren. Dabei hat Stuttgart eine ganze Reihe von Tunnelbauten vorzuweisen die auf die eine oder andere Weise zum Zeitpunkt ihres Baus durchaus ungewöhnlich und teilweise spektakulär waren.

Hierzu gehören die Tunnelbauten der Kgl. Württembergischen Eisenbahnen, die am Pragsattel (Pragtunnel) oder unter dem Schloss Rosenstein hindurch, die beide an die Mineure ihre Zeit erhebliche Herausforderungen stellten.

Dazu gehören aber auch Straßentunnel, die sogar international für Aufsehen sorgten. Der zweite innerstädtische Autotunnel Europas war so ein Bauwerk. Er verbindet als Schwabtunnel noch heute den Westen mit Heslach und war zu seiner Eröffnung sogar der breiteste seiner Art.

Bereits in den 1920er Jahren begannen die Planungen für ein zur damaligen Zeit nahezu visionäres Tunnelprojekt: Der Wagenburgtunnel sollte die Innenstadt mit dem Osten verbinden. Für das ehrgeizige Projekt waren jedoch keine Mittel vorhanden so dass die Planungen auf Eis gelegt wurden. Als die Stadt Stuttgart 1940 mit Hochdruck Luftschutzbunker bauen musste, kam auch die Idee auf, diesen Tunnel zu verwirklichen, um ihn zunächst als „Großluftschutzraum“ nutzen und nach dem Krieg seiner eigentlichen Bestimmung als Verkehrsbauwerk zuführen zu können. Im Frühjahr 1941 begannen die Bauarbeiten. In den unterirdischen Räumlichkeiten drängten sich während der Luftangriffe auf Stuttgart 15.000 – 20.000 Menschen.

Nach dem Krieg stand die Stadt vor der Entscheidung die Räume entweder zu verfüllen, oder den Weiterbau zum Straßentunnel einzuleiten. So wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. Wie visionär das Bauwerk für die Zeit seiner Planung in den 1920er Jahren war zeigt der Umstand, dass der Wagenburgtunnel  bei seiner Eröffnung am 17. März 1958 der längste Straßentunnel Deutschlands war. Selbst Zeitungen in den USA berichteten über seine Eröffnung.

Vor dem Hintergrund solcher Ingenieurstradition in Stuttgart ist es verwunderlich, dass die Stadt bis heute kein Konzept entwickelt hat, um diese Bauwerke entsprechend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Besucher der Stadt zu rücken. Im Rahmen der Tunnelgeschichten waren wir im SWR-Studio und sprachen mit dem Journalisten Helmut Frei über den Schwabtunnel und seine kaum bekannte Geschichte. Hören Sie doch mal rein.

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