15 Jahre Forschungsgruppe Untertage

Die Forschungsgruppe Untertage e.V. wurde 2005 als gemeinnütziger, überregionaler Verein mit Vereinssitz in Stuttgart gegründet und im April 2006 im Vereinsregister beim Registergericht Stuttgart eingetragen. Es war der erste Verein in Stuttgart und Umgebung, der sich auf gemeinnütziger und nichtkommerzieller Basis für die Erforschung, Wiederentdeckung, Dokumentation sowie den Erhalt von Luftschutzeinrichtungen, Bunkern und Untertageanlagen aus dem 19. und 20. Jahrhundert in der Region eingesetzt hat.

Die regionale Schwerpunksetzung trug von Anfang an dem Umstand Rechnung, dass die Geschichte von Bauzeugen nur selten auf lokale Ereignisse allein begrenzt werden kann.

Sowohl die Maßnahmen zur Verteidigung der Stadt Stuttgart gegen Luftangriffe als auch die Bestrebungen der Industrie zur Aufrechterhaltung ihrer Produktion sind eng mit dem Umland und der Region verwoben. Und auch die Ereignisse gegen Ende des Krieges können nur unzureichend betrachtet werden, wenn sie aus dem regionalen Zusammenhang herausgerissen werden.

Neben den regionalen Bezügen bestimmten von Beginn an die zeitlichen Zusammenhänge unsere Arbeit. Insbesondere militärische Anlagen, aber auch Produktionsstätten wurden nur für sehr kurze Zeit oder teilweise sogar gar nicht in der geplanten Weise genutzt. Die meisten Luftschutzbunker der Stadt Stuttgart erfüllten ihre eigentliche Aufgabe vier Jahre lang. Dagegen dauert ihre zivile Nachnutzung mitunter bis heute an.

Die Vielfalt der mit diesen Bauzeugen verbundenen Themen und ihre Bezüge innerhalb der Region aufzuzeigen war uns von Beginn an ein Anliegen das in Publikationen, Vorträgen, Ausstellungen und Begehungen einfloss. Einen Überblick über die Vielfalt dieser Thematik bietet diese Website.

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Aussichtstürme

Seit 1956 der Fernsehturm eröffnet und zum Wahrzeichen Stuttgarts wurde, gerieten die Aussichtstürme der Stadt, die sich vor dem 2. Weltkrieg großer Beliebtheit erfreut hatten, immer mehr in Vergessenheit. Das lag auch daran, dass der Hasenbergturm und der Degerlocher Aussichtsturm im Krieg von der SS gesprengt wurden, und somit nicht mehr zur Verfügung standen.

Auf dem aus den Trümmern der zerstörten Innenstadt aufgetürmten Birkenkopf stand außerdem ab 1957 eine exponierte Aussichtsplattform im Westen zur Verfügung, die ebenfalls einen spektakulären Weitblick bietet.

Der Daimler-Turm in Cannstatt war ohnehin fast nie für die Öffentlichkeit zugänglich, und der Bismarckturm blieb nach dem Krieg verschlossen. Das gleiche Schicksal teilte der Burgholzhofturm, der direkt neben den nun von der US Army genutzten Burgholzhof-Kasernen lag. Aus diesem Grund verhinderten auch die Amerikaner jeglichen Versuch, den Turm wieder für die Bevölkerung zu öffnen.

Erst 1986/1987 konnte der Verein Pro-Alt-Cannstatt den Turm sanieren und wieder zugänglich machen. Bis zum Abzug der Amerikaner vom Burgholzhof galt allerdings ein Fotografierverbot. Der Bismarckturm eröffnete erst im September 2002 wieder für die Öffentlichkeit.

Im Jahr zuvor war der ursprünglich schon für die IGA 1993 geplante Killesbergturm eröffnet worden. Er steht an der Stelle des Höhenparks, an der schon für die Reichsgartenschau 1939 ein Aussichtsturm geplant und 1950 ein erster Aussichtsturm errichtet worden war. Dieser war 1974 wegen Baufälligkeit abgerissen worden.

Die Wiedereröffnung des Burgholzhofturms wie auch der neue Killesbergturm und die Wiedereröffnung des Bismarckturms haben in Stuttgart ein neues Interesse an den Aussichtstürmen und ihrer Geschichte geweckt.

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Jahrestag

Oswald-Kirche Weil 2020-01-28

Anlässlich des 75. Jahrestags des schwersten Luftangriffs auf Weilimdorf am 28.01.1945 findet am kommenden Dienstag in der Oswald-Kirche in Weilimdorf eine Gemeinschaftsveranstaltung vom VdK, dem Heimatkreis Weilimdorf und der Forschungsgruppe Untertage statt.

Der Angriff am 28. Januar war nicht der erste auf Weilimdorf. Seit Herbst 1943 befand sich auf dem Gebiet des heutigen Giebel, Gehenbühl und Hausen eine Scheinanlage, in deren unmittelbarer Nähe bis zu 30 Schwere Flugabwehrgeschütze und die zugehörigen Leichten Flak stationiert waren. Diese Anlage sollte Luftangriffe auf Stuttgart auf sich ziehen, und so die Bombenwürfe auf den unbesiedelten Stadtrand lenken. Allerdings fielen dadurch auch immer wieder Bomben auf Weilimdorf.

Die Veranstaltung verbindet das Gedenken an die Opfer dieser Angriffe auf beiden Seiten mit einer kurzen militärgeschichtlichen Einordnung der Anlage und schlägt eine Brücke in die Gegenwart, in der noch immer Kriege Opfer fordern und zu Flucht und Vertreibung führen.

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Hotspot Marienplatz

„Die hässlichste Haltestelle hat den größten Fanclub“ titelten die Stuttgarter Nachrichten am 31.05.2018. Ob die Haltestelle der Zahnradbahn auf dem Marienplatz wirklich die hässlichste ist, lässt sich freilich diskutieren. Tatsache ist: Wenn der Marienplatz im Sommer eine einzige Party ist, bringt die Zahnradbahn ihre Fahrgäste mitten hinein in die Party. Mehr unmittelbare Nähe geht nicht, und sie ist in Stuttgart einzigartig.

Das war nicht immer so. Der 1876 als Park angelegte Platz wurde mehrfach umgestaltet. 1936 wurde der Zahnradbahnhof auf den nun „Platz der SA“ genannten Platz gebaut, doch die größte Fläche blieb zunächst noch Parkanalage.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Platz, wie so viele andere Plätze in Stuttgart, vom Straßenbau zurück- und in die Rolle einer Insel inmitten von viel befahrenen Straßen gedrängt. Betonmauern und eine dichte Begrünung, sowie eine lange, nur mäßig beleuchtete Unterführung unter der Filderstraße isolierten den Platz nach Süden, machten ihn unübersichtlich und zu einem Ort, an dem Obdachlose, Drogensüchtige, in den 1980er Jahren auch Punks und Skinheads ihre Treffpunkte hatten.

Es ist sicher kein Zufall, dass in den nicht wenigen Büchern über Stuttgart aus dieser Zeit der Marienplatz immer nur am Rande erwähnt wird und keine damals aktuellen Fotos publiziert sind. In „Stuttgart zu Fuß“ von 1988 wird der Bereich Tübinger Straße / Marienplatz als „Schwäbische Bronx“ bezeichnet und er fand nicht ohne Grund unter diesem Namen Eingang in die deutsche Rap- und Hiphop-Kultur.

Nach der Jahrtausendwende wurde der Platz komplett neu gestaltet und 2004 wieder radikal nach allen Seiten hin geöffnet. Durch den Heslacher Tunnel war zuvor die Verkehrssituation neu geordnet worden. Trotz erheblicher Kritik an der Leere des Platzes wurde er zunehmend gut angenommen und gilt heute als einer der angesagtesten Plätze der Stadt.

Dass sich unter dem Platz ein Luftschutzbunker aus dem 2. Weltkrieg befindet, ist den zahlreichen Besuchern des Platzes freilich weitgehend unbekannt. Und dass das nahegelegene Portal des Heslacher Tunnels zugleich der Zugang zum letzten öffentlichen Luftschutzbunker ist, der während des Kalten Krieges in Stuttgart fertiggestellt wurde, wissen vermutlich noch weniger Menschen.

Nicht mehr vorhanden sind die Keller der Alten Filderschule, die während des Krieges ebenfalls als Luftschutzräume dienten, und in denen 1994 zwei Bunkerpartys stattfanden.

Am 16. Juli 2011 fand erstmals eine öffentliche Veranstaltung auf dem neu gestalteten Marienplatz statt. Es war ein Open Air Festival, das der Stadtjugendring Stuttgart e.V. und die Forschungsgruppe Untertage mit Bands organisiert hatten, die ihren Proberaum im Bunker unter dem Marienplatz hatten.

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Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr !

SHA 080Wir wünschen allen Besuchern unserer Seite, unseren Freunden, Helfern  Bekannten und Mitgliedern ein geruhsames Weihnachtsfest und ein Frohes Neues Jahr.

Wir werden auch im kommenden Jahr neben unseren regelmäßigen Öffnungstagen im Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim versuchen, weitere interessante Veranstaltungen anzubieten.

Alle bestätigten Termine finden Sie hier.

Das Bild zeigt einen Blick vom Einkorn-Aussichtsturm bei Schwäbisch Hall in das verschneite Land. Der Turm wurde 1940 von der Luftwaffe als Beobachtungsturm requiriert. Die vorgenommenen Einbauten zur Verstärkung der Beobachtungsplattform sind noch heute vorhanden.

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2. Auflage


Eine erfreulich große Nachfrage führte dazu, dass das Heimatblatt Nr. 43 des Heimatkreises Weilimdorf zur Scheinanlage bei Weilimdorf/Gerlingen bereits binnen eines Monats ausverkauft wurde.

Der Heimatkreis und das Autorenteam sind sehr dankbar für die zahlreichen Rückmeldungen, die zu dem Heft eingingen, und für die guten Gespräche, die sich durch die Publikation ergeben haben. Mit dieser Publikation stieß der Heimatkreis auch über Weilimdorf hinaus auf großes Interesse. Und insbesondere in den ehemaligen Nachbarorten der Scheinanlage, von Korntal, Ditzingen über Leonberg bis Gerlingen konnte das Heimatblatt einen Impuls zum Dialog zwischen den Generationen setzen, der im Idealfall das Verständnis füreinander und das Interesse an der lokalen Geschichte fördern kann.

Die Redaktion hat die Vorbereitungen für eine zweite Auflage des Heimatblatts abgeschlossen, die in leicht überarbeiteter Fassung in Kürze in Druck gehen wird, so dass die anhaltende Nachfrage nach der Publikation zeitnah bedient werden kann.

Genaue Details zur 2. Auflage können direkt beim Heimatkreis erfragt werden.

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Luftschutz und Scheinanlage in Weilimdorf

Titel Heimatblätter Nr 43 fin

In der Nacht vom 19. auf 20. Oktober 1944 erfolgte ein Doppelangriff auf Stuttgart mit 583 Flugzeugen, die in zwei Wellen angriffen (19. Oktober von 20:25 bis 21:10 Uhr und 20. Oktober 1944 von 00:55 bis 01:38 Uhr). Diese Strategie war von den Briten entwickelt worden, um die Schäden und Opferzahlen in den deutschen Städten zu erhöhen. Der zweite Angriff fiel in die Lösch- und Rettungsarbeiten, die nach dem ersten Angriff in Gang gesetzt worden waren, und zerstörte so in der Regel auch Gerätschaften und Schläuche der Rettungskräfte und verhinderte, dass Brände gelöscht werden können.

Die Stadt Stuttgart war bei den Juli-Angriffen und am 12. September 1944 in den Innenstadtbereichen bereits hochgradig zerstört. Der Doppelangriff sollte daher Bad Cannstatt und die Neckarvororte treffen. Die Anzahl der beteiligten Bomber entsprach ungefähr den jeweiligen Angriffen im Juli. Allerdings zeigt die Menge der abgeworfenen Bomben den zunehmenden Anteil moderner schwerer Bomber. Nie zuvor waren bei einem Angriff mengenmäßig so viele Abwurfmittel auf Stuttgart geworfen worden, wie in dieser Nacht. Ca. 4.000 Sprengbomben, 100 Luftminen und über 100.000 Stabbrandbomben töteten 338 Menschen und verwundeten 872. 38 Personen blieben vermisst.

Der Angriff traf die Innenstadt mit den Hanggebieten, den Osten, alle Neckarbezirke von Berg bis Obertürkheim, sowie die nördlichen und nordwestlichen Stadtteile. Diese lagen eigentlich außerhalb des Angriffsschwerpunkts. Doch allein in Weilimdorf starben 16 Menschen.

Auch wenn eine direkte Zuschreibung fehlt, liegt es nahe, dass die Bombenwürfe in und um Weilimdorf auf die Scheinanlage zurückzuführen sind, die auf dem Gebiet der heutigen Stadtteile Giebel, Hausen und Gerlingen-Gehenbühl lag.

Der Heimatkreis Weilimdorf hat sein nun erschienenes Heimatblatt Nr. 43 komplett der Geschichte der Scheinanlage, der zugehörigen Flakstellungen und der Luftschutzmaßnahmen für die Zivilbevölkerung gewidmet.

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