04.09.2016: Öffnungstag im Gaishaldestollen in Bietigheim

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Am Sonntag, den 04.09. zeigen wir noch einmal den ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen. Er wurde 1944 als einer von sechs Luftschutzstollen in Bietigheim als städtische Luftschutzanlage gebaut. Bis dahin hatte man sich auf die schon zu Kriegsbeginn eingerichteten Luftschutzkeller verlassen. Außerdem waren im Stadtgebiet von Bietigheim auch mehrere Militärbunker der Neckar-Enz-Stellung zu zivilen Luftschutzräumen umgerüstet worden. Diese Bauwerke boten allerdings nur in begrenztem Umfang Schutzplätze.

Freilich erlebten Bietigheim und Bissingen bis 1944 keinerlei Luftangriffe, so dass in der Bevölkerung die Hoffnung bestand, dass man den Krieg doch einigermaßen unbeschadet überstehen könne.

Der Ort erlebte sogar den verstärkten Zuzug von Industriebetrieben, die aus Stuttgart in das vermeintlich sichere Umland verlagert wurden. Beispielsweise verlegte die Feuerbacher Firma SWF ihren Firmensitz 1942 komplett nach Bietigheim. Daimler-Benz nutzte große Teile der Kammgarnspinnerei und einige Räumlichkeiten der DLW für Produktionsverlagerungen aus Untertürkheim und auch andere Stuttgarter Firmen verlegten Teile ihrer Betriebe hierher.

Mit der Intensivierung des Bombenkriegs sahen sich aber auch die Kleinstädte an Neckar und Enz veranlasst zusätzliche Schutzplätze für ihre Einwohner zu schaffen. So entstanden in Bietigheim insgesamt sechs Luftschutzstollen, die Stadt Bissingen schuf zur gleichen Zeit fünf Stollenanlagen für ihre Bevölkerung. Damit gab es im Bereich des heutigen Bietigheim-Bissingen zum Jahresende 1944 insgesamt elf Luftschutzstollen.

Mit dem ersten Luftangriff auf das Bietigheimer Bahnhofsareal am 09. November 1944 erreichte der Bombenkrieg die Stadt. Die Stollen waren zu diesem Zeitpunkt gerade weitgehend fertig geworden. Im Gaishaldestollen wurde noch bis Ende Dezember 1944 gearbeitet, vor allem wurden noch Farbmarkierungen und die Sitzplatznummern der Holzbänke angebracht.

Die Holzbänke sind nicht mehr vorhanden, aber baulich ist die Anlage seither praktisch unverändert und vermittelt einen plastischen Einblick in die Situation der Bietigheimer Bevölkerung im letzten halben Jahr des Krieges.

Der ehemalige Luftschutzstollen liegt neben der B27 im Fels unter der katholischen Kirche St. Laurentius (Bushaltestelle Auwiesenbrücke). Der Stollen ist von 11 – 17 Uhr geöffnet.

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Luftschutz am Stuttgarter Hauptbahnhof

Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs war recht schnell klar, dass Angriffe aus der Luft auf Städte eine der großen Herausforderungen künftiger Kriege sein würde. In den meisten Ländern Europas begannen schon in den 1920er Jahren Diskussionen um Konzepte, mit denen man solchen Angriffen begegnen könnte. Zu konkreten Baumaßnahmen kam es aber zunächst nicht.

Die ersten Baumaßnahmen für Luftschutzbunker in Stuttgart gab es im Frühjahr 1939. Es waren vor allem Luftschutzräume für Bahnreisende wie die Winkeltürme in Feuerbach und Untertürkheim oder der Stollen unter der Heilbronner Straße. Es waren aber auch Stollenanlagen für Behörden wie z.B. beim Stuttgarter Rathaus der Handwerkskammer oder der Reichsbahndirektion. Dass diese Maßnahmen nicht ausreichten war bald klar. Als Folge des Führersoforterlasses vom 10. Oktober 1940 begannen am 21. November 1940 in Stuttgart die Beratungen über den Bau von Luftschutzbunkern mit den Beiräten für Luftschutzfragen.

Eine Folge dieser Beratungen war die Entscheidung zum Bau des Wagenburgtunnels. Der Tiefbunker unter dem Bahnhofsvorplatz (Hindenburgplatz) war eine weitere. Die Bahn selbst hatte Luftschutzkeller im Hauptbahnhof eingerichtet.

Im Verlauf des Kalten Krieges wurden neue Bunker gebaut. Sowohl für Beschäftigte der Bahn als auch für einen Teil der Bevölkerung. Der Stollen unter der Heilbronner Straße sollte ebenfalls modernisiert und umgerüstet werden, ein Vorhaben, das im Umbau abgebrochen wurde.

Andere Weltkriegsbunker standen nicht mehr zur Verfügung: Der Wagenburgtunnel war wie vorgesehen nach dem Krieg zur Verkehrsachse ausgebaut worden, der Tiefbunker unter dem Bahnhofsvorplatz musste der Klett-Passage und U-Haltestelle weichen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde auch die Mehrzweckanlage am Hauptbahnhof aufgegeben, die aber weiterhin als Tiefgarage genutzt wird.

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03.07.2016 Öffnungstag Gaishaldestollen in Bietigheim

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Am Sonntag, den 03.07. zeigen wir wieder den ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen. Er wurde 1944 als einer von sechs Luftschutzstollen in Bietigheim als städtische Luftschutzanlage gebaut. Die Stadt Bissingen schuf zur gleichen Zeit fünf Stollenanlagen für ihre Bevölkerung so dass es im Bereich des heutigen Bietigheim-Bissingen elf Luftschutzstollen gab.

Bis Anfang 1944 hatten die beiden Kleinstädte auf die schon zu Kriegsbeginn eingerichteten Luftschutzkeller vertraut. Im Stadtgebiet von Bietigheim waren auch mehrere Militärbunker der Neckar-Enz-Stellung zu zivilen Luftschutzräumen umgerüstet worden. Deren Aufnahmekapazität war freilich begrenzt.

Der späte Baubeginn der Luftschutzstollen ist darin begründet, dass Bietigheim und Bissingen bis 1944 keinerlei Luftangriffe erlitten. Ganz im Gegenteil. Als vermeintlich sicheres Umland der gefährdeten Industriemetropole Stuttgart wurden sie Verlagerungsstandorte, also Orte, in die Unternehmen aus Stuttgart ihre Produktion verlegten, um sie vor Luftangriffen zu schützen. So verlegte die Feuerbacher Firma SWF ihren Firmensitz 1942 komplett nach Bietigheim. Daimler-Benz nutzte große Teile der Kammgarnspinnerei und einige Räumlichkeiten der DLW für Produktionsverlagerungen aus Untertürkheim und auch andere Stuttgarter Firmen verlegten Teile ihrer Betriebe hierher.

Trotz der hektischen Baumaßnahmen an den Luftschutzstollen hatten die Bietigheimer noch bis November 1944 die Hoffnung einigermaßen unbeschadet durch den Krieg zu kommen. Mit dem ersten Luftangriff auf das Bietigheimer Bahnhofsareal am 09. November 1944 zerschlug sich diese Hoffnung. Die Stollen waren zu diesem Zeitpunkt gerade weitgehend fertig geworden. Noch eben rechtzeitig, sozusagen.

Bis Ende Dezember 1944 wurde im Gaishaldestollen noch gearbeitet, vor allem wurden noch Farbmarkierungen und die Sitzplatznummern der Holzbänke angebracht. Dennoch bot die Anlage wenig Annehmlichkeit. Es gab keine Lüftung und praktisch kein elektrisches Licht. Toiletten gab es nur außerhalb des Stollens. 247 Sitzplätze auf Holzbänken waren per Nummer an die Haushalte zugewiesen. Alle anderen Schutzsuchenden mussten stehen.

Die Holzbänke sind nicht mehr vorhanden, aber baulich ist die Anlage seither praktisch unverändert und vermittelt einen plastischen Einblick in die Situation der Bietigheimer Bevölkerung im letzten halben Jahr des Krieges.

Der ehemalige Luftschutzstollen liegt neben der B27 im Fels unter der katholischen Kirche St. Laurentius (Bushaltestelle Auwiesenbrücke). Der Stollen ist von 11 – 17 Uhr geöffnet.

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Tunnelgeschichten auf SWR2

Zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels erzählt SWR2 am 04.06.2016 Tunnelgeschichten aus aller Welt, auch aus Stuttgart.

Vor allem durch Stuttgart 21 haben Tunnel in der Landeshauptstadt massiv an Ansehen verloren. Dabei hat Stuttgart eine ganze Reihe von Tunnelbauten vorzuweisen die auf die eine oder andere Weise zum Zeitpunkt ihres Baus durchaus ungewöhnlich und teilweise spektakulär waren.

Hierzu gehören die Tunnelbauten der Kgl. Württembergischen Eisenbahnen, die am Pragsattel (Pragtunnel) oder unter dem Schloss Rosenstein hindurch, die beide an die Mineure ihre Zeit erhebliche Herausforderungen stellten.

Dazu gehören aber auch Straßentunnel, die sogar international für Aufsehen sorgten. Der zweite innerstädtische Autotunnel Europas war so ein Bauwerk. Er verbindet als Schwabtunnel noch heute den Westen mit Heslach und war zu seiner Eröffnung sogar der breiteste seiner Art.

Bereits in den 1920er Jahren begannen die Planungen für ein zur damaligen Zeit nahezu visionäres Tunnelprojekt: Der Wagenburgtunnel sollte die Innenstadt mit dem Osten verbinden. Für das ehrgeizige Projekt waren jedoch keine Mittel vorhanden so dass die Planungen auf Eis gelegt wurden. Als die Stadt Stuttgart 1940 mit Hochdruck Luftschutzbunker bauen musste, kam auch die Idee auf, diesen Tunnel zu verwirklichen, um ihn zunächst als „Großluftschutzraum“ nutzen und nach dem Krieg seiner eigentlichen Bestimmung als Verkehrsbauwerk zuführen zu können. Im Frühjahr 1941 begannen die Bauarbeiten. In den unterirdischen Räumlichkeiten drängten sich während der Luftangriffe auf Stuttgart 15.000 – 20.000 Menschen.

Nach dem Krieg stand die Stadt vor der Entscheidung die Räume entweder zu verfüllen, oder den Weiterbau zum Straßentunnel einzuleiten. So wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. Wie visionär das Bauwerk für die Zeit seiner Planung in den 1920er Jahren war zeigt der Umstand, dass der Wagenburgtunnel  bei seiner Eröffnung am 17. März 1958 der längste Straßentunnel Deutschlands war. Selbst Zeitungen in den USA berichteten über seine Eröffnung.

Vor dem Hintergrund solcher Ingenieurstradition in Stuttgart ist es verwunderlich, dass die Stadt bis heute kein Konzept entwickelt hat, um diese Bauwerke entsprechend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Besucher der Stadt zu rücken. Im Rahmen der Tunnelgeschichten waren wir im SWR-Studio und sprachen mit dem Journalisten Helmut Frei über den Schwabtunnel und seine kaum bekannte Geschichte. Hören Sie doch mal rein.

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Ziviler Luftschutz in Frankreich bis 1940

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Paris, Rue D’Aubervilliers, 25.02.1936. Luftschutzübung im Luftschutzraum Nr. 16, der für 52 Personen ausgelegt war.

Zu den Fragen, die wir immer wieder gestellt bekommen gehört auch die, ob Luftschutzbunker schon vor dem Krieg gebaut wurden oder erst während des Krieges. Die Fragestellung zielt darauf ab, ob der Bau ziviler Luftschutzbunker als eine Kriegsvorbereitung zu sehen ist oder nicht.

Die Antwort auf diese Frage ist mehrteilig und nicht ganz eindeutig. Etwa seit Beginn der 1930er Jahre haben die Industriestaaten Europas Luftkriegskonzepte sehr intensiv diskutiert und durch internationale Manöver auch anschaulich dargelegt. Sowohl Frankreich als auch Italien und England haben große Luftmanöver abgehalten, die in der internationalen Presse behandelt wurden. Diese Manöver zeigten das seit dem 1. Weltkrieg dramatisch gewachsene Zerstörungspotential von größeren Bomberverbänden.

Parallel dazu verstärkten sich die Diskussionen um den Schutz der Zivilbevölkerung, die man als prominentes Opfer massiver Luftangriffe sah. Die Bauwirtschaft präsentierte auf Messen zahlreiche Konzepte für Luftschutzräume und Bunker, die sich teilweise ähnelten, die teilweise aber auch vollkommen länderspezifisch waren.

Beginnend mit der Machtübernahme der NSDAP in Deutschland im Januar 1933 und vor allen nach der Besetzung des Rheinlands durch die deutsche Wehrmacht am 07.03.1936 wuchsen in den Industriestaaten Europas die Befürchtungen, dass ein erneuter Krieg unvermeidlich sei. Damit gingen verstärkte Anstrengungen auch im Bereich des zivilen Luftschutzes einher. Insofern kann der Bau von Luftschutzbunkern vor Kriegsausbruch als eine passive Kriegsvorbereitung gesehen werden. Allerdings wäre es falsch davon auszugehen, dass diese Maßnahmen für die Militärs eine entscheidende Rolle gespielt hätten. Die militärischen Vorbereitungen auf einen eventuellen Krieg waren von den Bauprogrammen für zivile Luftschutzräume abgekoppelt. Es waren also keine direkten Kriegsvorbereitungen. Man muss sie als Maßnahmen einer zunehmend von Kriegsgefahr sich bedroht fühlenden Regierung betrachten, die im Ernstfall einigermaßen vorbereitet sein wollte. Der Umfang der Luftschutzmaßnahmen war dabei in jedem Land sehr unterschiedlich.

In diesem Zusammenhang sind die Diskussionen und Maßnahmen in Frankreich sehr interessant, die leider bis heute nur rudimentär aufgearbeitet und auch sehr lückenhaft dokumentiert sind. Wir haben anhand einiger Beispiele die Situation des zivilen Luftschutzes in Frankreich bis zum Beginn der Deutschen Offensive am 10.05.1940 zusammengetragen und geben auch einen kleinen Einblick in den Alltag des besetzten Frankreich.

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Zeitzeugen im Gelände

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Die Bunker wurden fast ausnahmslos nach dem Krieg gesprengt.

Mit dem Pfingstwochenende und den anschließenden Ferien bietet sich auch die Gelegenheit die Spuren der Neckar-Enz-Stellung zu erkunden. In den Medien war viel über den 100. Jahrestag der deutschen Offensive vor Verdun zu lesen, die in eine der furchtbarsten Schlachten des Ersten Weltkriegs mündete.

Die Neckar-Enz-Stellung, bereits in den 1920er Jahren geplant, trug nicht nur den Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrags Rechnung, sondern war in ihrer Logik auch von den Kämpfen um Verdun und anderen Schlachten des Ersten Weltkriegs geprägt.

Die gesprengten Bunkerruinen sind somit nicht nur Erinnerungsorte an den Nationalsozialismus, unter dessen Regie sie letztlich gebaut wurden, sondern sie zeugen auch von einer militärischen Erwartung eines erneuten kriegerischen Konflikts mit Frankreich, die bereits in den ersten Jahren der Weimarer Republik zu Überlegungen führte, wie man sich mit den verfügbaren Mitteln möglichst effizient verteidigen könnte.

Die Planer der Neckar-Enz-Stellung gingen in ihren Überlegungen davon aus, dass wie im vorherigen Krieg die Zivilbevölkerung evakuiert werden und damit auch die Orte im Bereich der Bunkerlinie uneingeschränkt für Kampfhandlungen zur Verfügung stehen würden. In der Maxime eine Verteidigung an bestimmten geographischen Orten möglichst lange ermöglichen zu können bis eigene Verstärkung den Angriff letztlich zurückschlagen würde ähnelte das Konzept jenen fatalen Überlegungen, die von 1914-18 zum Stellungskrieg führten.

Bis 1945 wurden die Bunker militärisch nicht eingesetzt, manche wurden zu zivilen Luftschutzräumen umgerüstet, die Bewaffnung zuerst an den Westwall, teilweise sogar an den Atlantikwall verlegt. Im April 1945 waren die Bunker oft unbewaffnet, technisch veraltet und auch die ursprünglich geplanten zusätzlichen Maßnahmen wie großflächige Hindernisse im Gelände, rückwärtige Reserven und Artillerie waren nur rudimentär vorhanden. So blieb auch der vorherrschende Eindruck bei der Bevölkerung, dass die Bunker nichts gebracht haben. Schaut man die Geschichte dieser Verteidigungslinie und der militärischen Gesamtsituation im Frühjahr 1945 etwas genauer an wird offensichtlich, dass diese Bunker alleine keine entscheidende Rolle mehr übernehmen können.

Die Sieger verfügten nach dem Krieg die Zerstörung, der nur wenige Bauwerke entgingen, von denen je eines in Bietigheim und Bissingen heute besichtigt werden kann. Die Ruinen im Gelände zeugen noch immer von einem möglichen Schlachtfeld, dessen Planung schon wenige Jahre nach Unterzeichnung des Vertrags von Versailles begann.

Wir haben folgende Abschnitte näher beschrieben:
Stadtgebiet Bietigheim
Bietigheimer Forst
Abschnitt Bissingen
Abschnitt Unterriexingen / Glems
Eine Beschreibung der Kämpfe um Bietigheim im April 1945 gibt es hier.

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Aus Luftschutz wurde Zivilschutz

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Aufkleber des Städtischen Amts für Zivilschutz

Über 2.500 Besucher nutzten die Gelegenheit, den Luftschutzstollen unter der Heilbronner Straße im Rahmen der Langen Nacht der Museen zu besichtigen.

Die Anlage verbindet Räumlichkeiten und Wandbeschriftungen aus dem 2. Weltkrieg mit neu hinzugefügten Eingangsbauwerken, die während des Kalten Krieges errichtet wurden. Allerdings wurden die Umbaumaßnahmen danach abgebrochen und die Modernisierung des Bunkers gestoppt.

So liefert der Stollen Einblicke in die Luft- bzw. Zivilschutz-Konzepte beider Zeitabschnitte und zeigt in baulicher Form die weitgehende Kontinuität der theoretischen Ansätze; denn entgegen weit verbreiteter Vorstellungen waren die Bunker weder im 2. Weltkrieg noch im Kalten Krieg mehrheitlich dafür ausgelegt, große Bevölkerungsteile langfristig zu beherbergen.

Waren die Bunker im 2. Weltkrieg für einen Aufenthalt von wenigen Stunden vorgesehen, nämlich nur für die Dauer eines Flieger-Alarms und eines tatsächlich einsetzenden Angriffs, so waren vor allem die „ertüchtigten“, also modernisierten Bunker im Kalten Krieg ebenfalls nur für eine relativ kurze Verweildauer der Schutzsuchenden ausgelegt. Für einen Angriff mit Gas oder bestimmten Bio-Waffen sowie den Schutz vor einem nuklearen Fallout wäre dies ausreichend gewesen.

Bei anhaltender nuklearer oder biologischer Verseuchung der Umgebung hätte eine Evakuierung in unverseuchtes Gebiet erfolgen müssen.

Auf dem damaligen Gebiet der Bundesrepublik wurden während des Kalten Krieges rund 2000 Zivilschutzanlagen neu gebaut und zahlreiche Bunker aus dem 2. Weltkrieg also modernisiert, auch in Stuttgart entstanden neue Anlagen wie etwa die MZA Hauptbahnhof während parallel bestehende Bunker „ertüchtigt“ wurden.

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