Schlotwiese

Die Schlotwiese ist heute vor allem als Sportpark für Zuffenhausen bekannt. Ihre Geschichte reicht jedoch bis in die Zeit vor der Industrialisierung zurück. Hier stand Zuffenhausens erste Fabrik. Ab 1942 beherbergte sie das größte Zwangsarbeiterlager auf Stuttgarter Gemarkung. Die Häftlinge waren in der Flugmotorenfertigung bei Hirth eingesetzt. Auch Daimler-Benz, Mahle und einigen anderen Firmen im Großraum Stuttgart produzierten für die Luftfahrt. Erst nach dem Ende des Krieges fokussierten sie sich nahezu vollständig auf den Fahrzeugbau und schufen so die Dominanz der Automobilindustrie in der Region. So steht die Schlotwiese auch für ein Stück Industriegeschichte, das heute weitgehend vergessen ist.

Städtebaulich wurde das Lager Schlotwiese nach dem Krieg zum ideellen Grundstein von Stuttgart-Rot. Von Bewohnern dieses Lagers ging die Initiative für die Gründung der Genossenschaft Neues Heim aus. Der Baubeginn von Stuttgart-Rot 1950 sollte auch dazu führen, den Menschen auf der Schlotwiese eine neue Wohnung bereitstellen zu können.

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Vor 75 Jahren: Die Front vor Stuttgart

Im April 1945 erreichten die Alliierten den Neckar. Zahlreiche Gemeinden in der Region hätten in den Aprilwochenenden dem Kriegsende vor 75 Jahren in ihrem Ort gedacht, was durch die Corona-Pandemie so nicht möglich ist.

Das Gedenken gibt es dennoch. Denn die geschlagene deutsche Wehrmacht und einzelne SS-Verbände setzten sich an den Flussufern, inmitten Heilbronns, in den Weinbergen, Teilen der Neckar-Enz-Stellung und zuletzt am Albaufstieg fest um hinhaltenden Widerstand zu leisten.

Sie waren nicht mehr in der Lage, die Initiative an sich zu reißen, oder dem Krieg eine Wende zu verleihen. Im Südwesten ging es in diesen Wochen nur um hinhaltenden Widerstand, also darum, den Gegner möglichst lange aufzuhalten, um Rückzugsbewegungen zu decken.

Die sich zurückziehenden deutschen Truppenteile erhielten fast täglich neue Informationen, wo eine neue Riegelstellung zur Frontkonsolidierung entstehen sollte. Die meisten dieser Stellungen erwiesen sich als Phantom. Das per Propaganda versprochene kriegsentscheidende Wunder aus der Alpenfestung stellte sich nicht ein.

Am 21. April 1945 trafen sich amerikanische und französische Verbände in Stuttgart. Bei Reichenbach, Hochdorf und Wernau hatten noch Teile der zum Erdkampf abkommandierten Schweren Flak aus Stuttgart Artilleriegefechte mit den Amerikanern ausgefochten und die Schließung eines dort entstehenden Kessels verzögert, was den Abzug von deutschen Truppen aus dem Neckartal begünstigte.

Am Tag darauf brach bei Unterlennigen und Grabenstetten nach letzten Schießereien die deutsche Front zusammen. Mindestens einmal griff eine sogenannte Panzerfauststaffel der deutschen Luftwaffe in die Kämpfe ein (bei Uhingen), jedoch ohne dem Gegner Verluste zufügen zu können. Die US Army konnte danach über Blaubeuren ohne weiteren Widerstand nach Ulm vorstoßen.

Die Orte, in denen die Wehrmacht hinhaltenden Widerstand leistete, hatten mitunter einen hohen Preis zu zahlen.

Von 02. – 12. April verwickelte die Wehrmacht die US Army in Heilbronn in erbitterte Straßen- und Häuserkämpfe, denen mindestens 323 Menschen zum Opfer fielen, darunter 51 Zivilisten.

Am 04. April erreichte die Front Lauffen am Neckar. Den am Ostufer des Neckars verschanzten Deutschen gelang es, die französischen Verbände dort bis 19. April aufzuhalten, vor allem, weil sie über mehrere Tage immer wieder mit Artillerie in die Stadt hineinschossen und so eine Neckarüberquerung der Franzosen verhinderten.

Bei Eibensbach und Cleebronn hielten sich deutsche Verteidiger vom 06. April bis in die Nacht auf den 08. April. 12 französische und 9 deutsche Soldaten sowie 6 Zivilisten starben. Beide Orte hatten massiven Beschuß mit Granatwerfern und Artillerie zu ertragen.

In Nußdorf rückten am 06. April SS-Polizei und Wehrmacht (Teile des Gren.Rgt. 225) ein. Sie verwickelten die französischen Verbände bis 19. April in zähe und erbitterte Kämpfe, denen 20 Zivilisten zum Opfer fielen. 309 der 447 Haupt- und Nebengebäude im Ort wurden total zerstört.

Im Bietigheim lief die Front vom 08. bis zum 20. April entlang der Enz mitten durch die Stadt. Die Artillerie beider Seiten schoß auch auf die Zivilisten, die vor Lebensmittelläden und Brunnen Schlange standen. 70 Zivilisten starben in diesen Apriltagen.

Eine Situation wie in Heilbronn oder Bietigheim blieb den Stuttgartern erspart. Doch die allgemein so genannte kampflose Übergabe der Stadt am 21. April darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine Schlacht um Stuttgart gegeben hat. Sie fand im Zabergäu, an Neckar und Enz, und zuletzt noch am Albaufstieg statt.

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Entgiftung

Im Gebiet der Stadt Stuttgart wurden während des 2. Weltkriegs vier Entgiftungsparks geschaffen. Die Initiative zum Bau der Parks erfolgte bereits im Frühjahr 1939, als das Reichsluftfahrtministerium die Stadt um ein geeignetes Gelände für einen Entgiftungspark bat.

Die Stadt Stuttgart stellte ein Gelände am Westbahnhof zur Verfügung, auf dem bis 1941 der Entgiftungspark errichtet wurde. Die Entgiftungsparks waren als Einsatzzentrale der Entgiftungstrupps geplant, die nach Luftangriffen feststellen sollten, ob Giftgas zum Einsatz gekommen war und dann ggf. die betroffenen Teile der Stadt entgiften. Dazu standen spezielle Fahrzeuge, Gerätschaften, Schutzanzüge und Atemschutzmasken zur Verfügung.

Da es zu keinen Giftgaseinsätzen bei Luftangriffen kam, bestand die Aufgabe der Gasspürtrupps zunehmend darin, Brandgase und bei Bombentreffern auf Fabriken und Werkstätten entwichene giftige Gase aufzuspüren.

In den Entgiftungsparks standen Vorrichtungen und Becken zur Verfügung um die eingesetzten Geräte, Fahrzeuge und Schutzanzüge zu entgiften und für den nächsten Einsatz bereit zu machen. Die Entgiftungsparks waren Einrichtungen des Sicherheits- und Hilfsdienstes.

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