Vom Aussichtsturm zum Warnamt

Der erste Luftangriff, bei dem ein Flugzeug Bomben auf gegnerische Truppen warf, fand am  1. November 1911 statt, als ein italienisches Flugzeug eine von türkischen Truppen besetzte Oase in Libyen attackierte.

Unmittelbar danach begannen die Industrienationen Europas über Maßnahmen nachzudenken, wie man der neuen Gefahr begegnen konnte. Als wesentlich wurde erachtet, dass man feindliche Flugzeuge möglichst frühzeitig entdecken konnte, um die Abwehr organisieren zu können. In Deutschland entstanden die Flugwachkommandos, die während des ersten Weltkriegs eine immer größere Verantwortung  zugewiesen bekamen. 1916 existierte bereits ein Ring von Flugwachen um die Stadt Stuttgart, der 1917 um einen zweiten Ring ergänzt wurde.

Diese Flugwachen wurden an exponierten Plätzen eingerichtet, die eine weite Sicht ins Land aufwiesen, also auf Bergen und auch auf Aussichtstürmen. Im ersten Weltkrieg wurden die Beobachtungen per Telefon an die nachgeordneten Dienststellen gegeben.

In den 1920er und 1930er Jahren wurden diese Posten durch eine Reihe weiterer Einrichtungen, wie z.B. die Stellungen von Horchgeräten, ersetzt. Die Kommunikationswege wurden vernetzt, so dass Meldungen über herannahende gegnerische Flugzeuge schneller, besser und effizienter weitergegeben werden konnten. In den großen Städten sammelten spezielle Zentralen die eingehenden Meldungen und gaben sie an die Stadtverwaltung, den SHD, den Rundfunk und andere Stellen weiter. Die Meldungen kamen nun zunehmend von den sich rasant entwickelnden Funkmess-, Ortungs- und Radargeräten. Die Zentrale der Flugwachkommandos in Stuttgart war zunächst in der Fürstenstraße untergebracht. Nachdem sie durch einen Bombentreffer vollständig zerstört worden war, wurde sie zunächst im Neuen Schloss untergebracht und dann im Wagenburgtunnel und schließlich ganz aus Stuttgart heraus verlegt.

Im Kalten Krieg wurde das Prinzip weiterentwickelt und sogenannte Warnämter geschaffen, die nun nicht mehr nur noch Meldungen über Bedrohungen aus der Luft, sondern alle Meldungen über Bedrohungen sammeln sollten, um so eine umfassende Datenbasis für Abwehr- und Schutzmaßnahmen liefern zu können. Für den Großraum Stuttgart war das Warnamt in Rottenburg zuständig. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurden die Warnämter in den frühen 1990er Jahren aufgelöst.

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01.07. Öffnungstag Stollen Gaishalde und Übergabe des Mahnmals am ehemaligen Durchgangslager in Bietigheim

Am Sonntag, den 1. Juli 2018, findet um 11 Uhr auf dem Bahnhofsplatz in Bietigheim-Bissingen die Übergabe des Mahnmals zur Erinnerung an die Zwangsarbeit in Bietigheim während des Zweiten Weltkriegs statt.

Das Durchgangslager im Laiernwald wurde am 15. März 1942 in Betrieb genommen. Auf einem Gelände von 4,7 Hektar standen 50 Baracken, von dort aus wurden ca. 200.000 Menschen, vor allem aus Osteuropa, als Arbeitssklaven in ganz Südwestdeutschland verteilt. Bietigheim war außerdem der zentrale Ort für Zwangsabtreibungen, mindestens 1000 Zwangsabtreibungen wurden hier vorgenommen.

Zur Mahnmalübergabe erscheint in der Schriftenreihe des Archivs der Stadt BietigheimBissingen die wissenschaftliche Untersuchung von
Christine Sämann „Das Durchgangslager in Bietigheim. Zwangsarbeit im Nationalsozialismus – Bedeutung und Funktionen des Durchgangslagers für ‚ausländische Arbeitskräfte‘ in Bietigheim mit seinen Krankensammellagern in Pleidelsheim und Großsachsenheim“.

Das Buch mit 285 Seiten ist zum Preis von € 25,80 in der Stadtinformation, im Stadtarchiv, im Stadtmuseum Hornmoldhaus und im Buchhandel erhältlich.

Wir haben den ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde parallel ab 11 Uhr geöffnet. Egal, ob Sie gleich zu uns kommen oder nach der Übergabe des Denkmals, wir freuen uns auf Ihren Besuch.

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Diskussion um den Diakonissenplatzbunker

Der Diakonissenplatzbunker war zuletzt mehrfach in der Zeitung und auch ein Publikumsmagnet bei der Langen Nacht der Museen am 17.03.2018. Das lag nicht nur daran, dass der Bunker üblicherweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Mit dem Beschluss der Stadt Stuttgart den Verkehrserziehungsplatz auf dem Diakonissenplatz zu verlegen und den Platz danach neu zu gestalten, entspann sich auch eine Diskussion um eine mögliche Nutzung des unter dem Platz befindlichen Tiefbunkers aus dem 2. Weltkrieg.

War das Stadtplanungsamt zunächst davon ausgegangen, dass der Bunker vom Liegenschaftsamt faktisch aufgegeben würde und man vier der fünf Zugänge des Bauwerks verschließen könne, meldeten sich unterschiedliche Interessengruppe zu Wort, die sich für eine Neunutzung des Bunkers stark machten. Wenn der Diakonissenplatz wieder ein Platz für die Öffentlichkeit und die Anwohner werden solle, so argumentierten sie, dann sollte der darunter befindliche Bunker in die Neugestaltung mit einbezogen werden.

Aus einer Initiative für ein stadtteilbezogenes Kulturzentrum im Diakonissenplatzbunker ist inzwischen ein gemeinnütziger Verein geworden. Und in einer Sitzung des Bezirkbeirats Stuttgart-West sprachen sich fast alle Bezirksbeirätinnen und –räte für die Unterstützung des Kulturzentrum-Konzepts aus. Zusätzlich regte der Bezirksbeirat eine Prüfung an, ob Räume im Bunker auch als Proberäume an Musiker vermietet werden können, da in Stuttgart seit Jahrzehnten ein anhaltender Mangel an geeigneten und bezahlbaren Proberäumen gerade für junge und unbekannte Bands besteht. Diese Nutzung hatte es in den frühen 1970er Jahren immerhin schon einmal gegeben.

Der Diakonissenplatzbunker wird in der kommenden Zeit mit Sicherheit weiterhin immer wieder in der Zeitung stehen.

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Schwieriges Erbe

Stadtgeschichte ist in Stuttgart „in“. Eine ganze Reihe von Büchern erschien in letzter Zeit zum Thema und das Stadtpalais im Wilhelmspalais wurde eröffnet.

Anders als in Ludwigsburg hat jedoch die rasante Entwicklung der Stadt im 20. und 21. Jahrhundert dafür gesorgt, dass kaum noch vorstellbar ist, wie sehr auch hier das Bild der Stadt vom Militär geprägt war.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Rotebühlkaserne noch als Kaserne in Betrieb. Am heutigen Europaviertel befand sich eine Kavalleriekaserne und die Stadt Cannstatt verfügte über einen Exerzierplatz auf dem heutigen Wasen.

Mit dem Bau des heutigen Hauptbahnhofs wurde die Kavalleriekaserne abgerissen und das Areal mit dem Gleisfeld überbaut. Der seit dem Bau des 1. Stuttgarter Bahnhofs bereits dort befindliche Güterbahnhof wurde komplett neu errichtet und um 90 Grad gedreht.

Der Exerzierplatz auf dem Cannstatter Wasen wurde nach dem Zusammenschluss Stuttgarts und Cannstatts aufgegeben und in Richtung Zuffenhausen verlegt. Das neue Areal erstreckte sich zwischen Burgholzhof und Tapachtal.

Die militärischen Veränderungen waren nur teilweise auf die Veränderungen der Stadt Stuttgart zurückzuführen, denn Zuffenhausen wurde erst 1931 nach Stuttgart eingemeindet. 1934 wurde auf dem Burgholzhof die Flandernkaserne errichtet.

In den Städten Böblingen und Vaihingen a.d.F. (1942 nach Stuttgart eingemeindet) errichtete das Militär 1937-38 Panzerkasernen, in der Stadt Möhringen a.d.F. (ebenfalls 1942 nach Stuttgart eingemeindet) wurde 1938 die Hellenen-Kaserne gebaut.

Bis zum Ende des Kalten Krieges war dieses militärische Erbe in der Stadt präsent, denn in den 1930er Jahren gebauten Kasernen in Stuttgart wurden von der US Army genutzt, das an den Burgholzhof angrenzende Areal zum Tapachtal hin wurde dagegen teils dem Wohnungsbau zugeführt und teils zum Naherholungs- und Gartengebiet umgewidmet.

Nach dem Ende des Kalten Krieges gaben die Amerikaner die ehemalige Flandernkaserne auf, deren Areal einem neuen Wohnviertel zugeführt wurde.
Während die ehemalige Panzerkaserne in Vaihingen noch immer von der US Army genutzt wird, ist die Verbindungsstraße zu ihrer Schwesterkaserne in Böblingen, die Panzerstraße, ebenfalls längst der Zivilbevölkerung übergeben worden und wird seither als Naherholungsangebot stark genutzt.

Aktuelle Diskussionen um Radschnellwege haben die Panzerstraße in den Fokus der Planer gebracht. So könnte sie asphaltiert und dem ausschließlichen Radverkehr zugesprochen werden. Dass dadurch nicht nur eine im Großraum Stuttgart einzigartige historische Anlage getilgt werden würde, sondern auch viele heutige Nutzer der Panzerstraße wie Spaziergänger, Familien, Jogger, Hundebesitzer usw. ein angestammter Platz genommen werden würde zeigt, wie schwierig und wie komplex der Umgang mit historischen Bauwerken sein kann. Die derzeitige Nutzung der Panzerstraße stand einem Fortbestand der historischen Bausubstanz nicht entgegen, so dass ihr Charakter weitgehend erhalten geblieben war. Mit der Umgestaltung zum Radschnellweg würde dieser zerstört.

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01.04. Öffnungstag im Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim


Am Ostersonntag, den 01.04.2018 zeigen wir den ehemaligen Luftschutzstollen in der Gaishalde in Bietigheim-Bissingen.

Vor 5 Jahren befreiten wir den östlichen Teil des Stollens von Schutt, Scherben, Baustoffen, Kacheln und vielem mehr, das dort zum Teil kniehoch lag, und bis dahin eine Begehung unmöglich gemacht hatte.

In einer mehrtägigen Aktion schafften wir 2 Baucontainer voller Material aus dem Stollen und schufen somit die Voraussetzungen, dass erstmals seit der unmittelbaren Nachkriegszeit wieder der gesamte Stollen für die Öffentlichkeit zugänglich wurde.

Nachdem die Stadt Bietigheim-Bissingen Licht in die Räumlichkeiten legen ließ, konnte der Stollen am 07.07.2013 erstmals vollständig einem interessierten Publikum gezeigt werden.

Neben den bis dahin nicht zugänglichen Abschnitten des Stollens können seither vor allem auch die dortigen Schleusendurchgänge besichtigt werden, sowie der nach Süden ausgerichtete ehemalige Haupteingang, der nach dem Krieg vermauert wurde.
Unsere Bilderstrecke zeigt Einblicke in den alten Zustand und Momentaufnahmen von der Freilegung des Ostteils im März 2013.

Der Luftschutzstollen Gaishalde liegt an der Bushaltestelle Auwiesenbrücke unter der katholischen Kirche St. Laurentius im Fels. Er ist am 01.04. von 11 – 17 Uhr geöffnet.

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Lange Nacht der Museen: So kommt Ihr zu uns.

Weg LNDM 2018

An der Einmündung von der Heilbronner Straße in die Straße „Am Hauptbahnhof“ ist eine Haltestelle des Shuttle-Busses eingerichtet. Von hier aus gelangt man z.B. in die SPARDA-Welt und die LBBW – und zu uns!

Zur Shuttle-Bushaltestelle gibt es vom HBF aus 2 Fußwege.

Von den Fernbahnhofgleisen oder von der Klettpassage bzw. HBF Nordausgang führt der Weg zum LBBW Gebäude.

Dort führt ein Weg direkt zur Heilbronner Straße (im Bild: Fußweg A), dann an der Heilbronner Straße entlang bis zur Einmündung der Straße „Am Hauptbahnhof“, dort rechts einbiegen.

Unser Fußweg B führt durch den Innenhof des LBBW-Gebäudes, dort die Rampe hinauf zur Straße „Am Hauptbahnhof“, dann links in Richtung Heilbronner Straße bis zur Treppe nach unten auf der linken Seite.

Diese Treppe an der Shuttle-Bushaltestelle führt in Richtung der Stuttgart 21-Baustelle nach unten. Sie ist am Samstagabend für unsere Besucher geöffnet und führt Euch direkt zu uns.

Fogt der Treppe hinab, dann scharf links durch eine offene Gittertür am Baucontainer vorbei in die unterirdische Wagenladungsstraße (am Bauzaun entlang). Dort sind bereist unsere Markierungen sichtbar, die direkt zum Stolleneingang führen.

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17.03. Lange Nacht der Bunker

 

Mit der Teilnahme an der Langen Nacht der Museen am 17.03. beginnt für die Forschungsgruppe Untertage die diesjährige Saison der Öffnungstage. Wie in den vergangenen beiden Jahren sind wir wieder mit dem Luftschutzstollen unter der Heilbronner Straße dabei. Der Schuttle-Bus hält quasi direkt auf unserem Stollen-Dach und auch vom Hauptbahnhof und der Stadtbibliothek/Milaneo aus sind wir gut zu erreichen. Beginnt Eure Lange Nacht doch einfach mit einem Besuch bei uns. Die genaue Wegskizze zum Eingang werden wir in Kürze online stellen.

Mit insgesamt 4 ehemaligen Bunkern aus der Zeit des 2. Weltkriegs bietet die Lange Nacht der Museen dieses Jahr einen außergewöhnlich umfangreichen Einblick in die Stuttgarter Bunkerwelt.

Neben dem Luftschutzstollen unter der Heilbronner Straße haben geöffnet:

Der ehemalige Luftschutzstollen in der Strümpfelbacher Straße in Untertürkheim

Der ehemalige Luftschutzbunker unter dem Marktplatz (nach dem Krieg Bunkerhotel)

Der ehemalige Luftschutzbunker unter dem Diakonissenplatz (Stgt. West)

Jedes dieser Bauwerke hat seine eigene Geschichte und alle zusammengenommen liefern einen weitreichenden Einblick in die unterirdische Bunkerwelt der Stadt.

Die jeweiligen Angebote sind im Programmheft und auf der Webseite der Langen Nacht der Museen beschrieben.

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