Hotspot Marienplatz

„Die hässlichste Haltestelle hat den größten Fanclub“ titelten die Stuttgarter Nachrichten am 31.05.2018. Ob die Haltestelle der Zahnradbahn auf dem Marienplatz wirklich die hässlichste ist, lässt sich freilich diskutieren. Tatsache ist: Wenn der Marienplatz im Sommer eine einzige Party ist, bringt die Zahnradbahn ihre Fahrgäste mitten hinein in die Party. Mehr unmittelbare Nähe geht nicht, und sie ist in Stuttgart einzigartig.

Das war nicht immer so. Der 1876 als Park angelegte Platz wurde mehrfach umgestaltet. 1936 wurde der Zahnradbahnhof auf den nun „Platz der SA“ genannten Platz gebaut, doch die größte Fläche blieb zunächst noch Parkanalage.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Platz, wie so viele andere Plätze in Stuttgart, vom Straßenbau zurück- und in die Rolle einer Insel inmitten von viel befahrenen Straßen gedrängt. Betonmauern und eine dichte Begrünung, sowie eine lange, nur mäßig beleuchtete Unterführung unter der Filderstraße isolierten den Platz nach Süden, machten ihn unübersichtlich und zu einem Ort, an dem Obdachlose, Drogensüchtige, in den 1980er Jahren auch Punks und Skinheads ihre Treffpunkte hatten.

Es ist sicher kein Zufall, dass in den nicht wenigen Büchern über Stuttgart aus dieser Zeit der Marienplatz immer nur am Rande erwähnt wird und keine damals aktuellen Fotos publiziert sind. In „Stuttgart zu Fuß“ von 1988 wird der Bereich Tübinger Straße / Marienplatz als „Schwäbische Bronx“ bezeichnet und er fand nicht ohne Grund unter diesem Namen Eingang in die deutsche Rap- und Hiphop-Kultur.

Nach der Jahrtausendwende wurde der Platz komplett neu gestaltet und 2004 wieder radikal nach allen Seiten hin geöffnet. Durch den Heslacher Tunnel war zuvor die Verkehrssituation neu geordnet worden. Trotz erheblicher Kritik an der Leere des Platzes wurde er zunehmend gut angenommen und gilt heute als einer der angesagtesten Plätze der Stadt.

Dass sich unter dem Platz ein Luftschutzbunker aus dem 2. Weltkrieg befindet, ist den zahlreichen Besuchern des Platzes freilich weitgehend unbekannt. Und dass das nahegelegene Portal des Heslacher Tunnels zugleich der Zugang zum letzten öffentlichen Luftschutzbunker ist, der während des Kalten Krieges in Stuttgart fertiggestellt wurde, wissen vermutlich noch weniger Menschen.

Nicht mehr vorhanden sind die Keller der Alten Filderschule, die während des Krieges ebenfalls als Luftschutzräume dienten, und in denen 1994 zwei Bunkerpartys stattfanden.

Am 16. Juli 2011 fand erstmals eine öffentliche Veranstaltung auf dem neu gestalteten Marienplatz statt. Es war ein Open Air Festival, das der Stadtjugendring Stuttgart e.V. und die Forschungsgruppe Untertage mit Bands organisiert hatten, die ihren Proberaum im Bunker unter dem Marienplatz hatten.

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Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr !

SHA 080Wir wünschen allen Besuchern unserer Seite, unseren Freunden, Helfern  Bekannten und Mitgliedern ein geruhsames Weihnachtsfest und ein Frohes Neues Jahr.

Wir werden auch im kommenden Jahr neben unseren regelmäßigen Öffnungstagen im Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim versuchen, weitere interessante Veranstaltungen anzubieten.

Alle bestätigten Termine finden Sie hier.

Das Bild zeigt einen Blick vom Einkorn-Aussichtsturm bei Schwäbisch Hall in das verschneite Land. Der Turm wurde 1940 von der Luftwaffe als Beobachtungsturm requiriert. Die vorgenommenen Einbauten zur Verstärkung der Beobachtungsplattform sind noch heute vorhanden.

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2. Auflage


Eine erfreulich große Nachfrage führte dazu, dass das Heimatblatt Nr. 43 des Heimatkreises Weilimdorf zur Scheinanlage bei Weilimdorf/Gerlingen bereits binnen eines Monats ausverkauft wurde.

Der Heimatkreis und das Autorenteam sind sehr dankbar für die zahlreichen Rückmeldungen, die zu dem Heft eingingen, und für die guten Gespräche, die sich durch die Publikation ergeben haben. Mit dieser Publikation stieß der Heimatkreis auch über Weilimdorf hinaus auf großes Interesse. Und insbesondere in den ehemaligen Nachbarorten der Scheinanlage, von Korntal, Ditzingen über Leonberg bis Gerlingen konnte das Heimatblatt einen Impuls zum Dialog zwischen den Generationen setzen, der im Idealfall das Verständnis füreinander und das Interesse an der lokalen Geschichte fördern kann.

Die Redaktion hat die Vorbereitungen für eine zweite Auflage des Heimatblatts abgeschlossen, die in leicht überarbeiteter Fassung in Kürze in Druck gehen wird, so dass die anhaltende Nachfrage nach der Publikation zeitnah bedient werden kann.

Genaue Details zur 2. Auflage können direkt beim Heimatkreis erfragt werden.

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Luftschutz und Scheinanlage in Weilimdorf

Titel Heimatblätter Nr 43 fin

In der Nacht vom 19. auf 20. Oktober 1944 erfolgte ein Doppelangriff auf Stuttgart mit 583 Flugzeugen, die in zwei Wellen angriffen (19. Oktober von 20:25 bis 21:10 Uhr und 20. Oktober 1944 von 00:55 bis 01:38 Uhr). Diese Strategie war von den Briten entwickelt worden, um die Schäden und Opferzahlen in den deutschen Städten zu erhöhen. Der zweite Angriff fiel in die Lösch- und Rettungsarbeiten, die nach dem ersten Angriff in Gang gesetzt worden waren, und zerstörte so in der Regel auch Gerätschaften und Schläuche der Rettungskräfte und verhinderte, dass Brände gelöscht werden können.

Die Stadt Stuttgart war bei den Juli-Angriffen und am 12. September 1944 in den Innenstadtbereichen bereits hochgradig zerstört. Der Doppelangriff sollte daher Bad Cannstatt und die Neckarvororte treffen. Die Anzahl der beteiligten Bomber entsprach ungefähr den jeweiligen Angriffen im Juli. Allerdings zeigt die Menge der abgeworfenen Bomben den zunehmenden Anteil moderner schwerer Bomber. Nie zuvor waren bei einem Angriff mengenmäßig so viele Abwurfmittel auf Stuttgart geworfen worden, wie in dieser Nacht. Ca. 4.000 Sprengbomben, 100 Luftminen und über 100.000 Stabbrandbomben töteten 338 Menschen und verwundeten 872. 38 Personen blieben vermisst.

Der Angriff traf die Innenstadt mit den Hanggebieten, den Osten, alle Neckarbezirke von Berg bis Obertürkheim, sowie die nördlichen und nordwestlichen Stadtteile. Diese lagen eigentlich außerhalb des Angriffsschwerpunkts. Doch allein in Weilimdorf starben 16 Menschen.

Auch wenn eine direkte Zuschreibung fehlt, liegt es nahe, dass die Bombenwürfe in und um Weilimdorf auf die Scheinanlage zurückzuführen sind, die auf dem Gebiet der heutigen Stadtteile Giebel, Hausen und Gerlingen-Gehenbühl lag.

Der Heimatkreis Weilimdorf hat sein nun erschienenes Heimatblatt Nr. 43 komplett der Geschichte der Scheinanlage, der zugehörigen Flakstellungen und der Luftschutzmaßnahmen für die Zivilbevölkerung gewidmet.

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Warum gab es Bunkerhotels?

Nach dem Krieg wurden in den Städten zahlreiche Bunker als Hotel genutzt. In Stuttgart waren zeitweise in sechs Bunkern Hotels eingerichtet. Die ehemaligen Stuttgarter Bunkerhotels haben inzwischen sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel.

Dennoch sind für viele Menschen heute die Hintergründe zunächst unklar und so wurde auch am Tag des Offenen Denkmals im Diakonissenplatzbunker die Frage gestellt: Wieso hat man denn in einem Bunker ein Hotel eingerichtet?

Je mehr Zeit zwischen der Nachkriegszeit und der Gegenwart liegt, desto schwieriger wird es, sich diese Zeit und ihre unzähligen Widrigkeiten vorzustellen, die den Alltag der Menschen in den ersten Nachkriegsjahren weitgehend bestimmten.

Mit unserer Arbeit, unseren Veranstaltungen und in Publikationen versuchen wir dazu beizutragen, dass all dies nicht in Vergessenheit gerät und Fragen wie die nach den Bunkerhotels nicht unbeantwortet bleiben müssen.

Und warum kam man nun auf die Idee, ein Hotel im Bunker einzurichten? – Letztlich aus purer Not. Die meisten Hotels in der Innenstadt waren, wie viele andere Gebäude, den Bombenangriffen zum Opfer gefallen. Diejenigen größeren Hotels, die bei Kriegsende noch einigermaßen intakt waren, wurden von den Alliierten für die Unterbringung ihres Personals requiriert. So waren die Bunker, als oft relativ zentral gelegene, unzerstörte Gebäude, die eine gewisse Größe aufwiesen und auch im Innern bereits in kleine Räume gegliedert waren, die naheliegende Notlösung.

Die meisten Bunkerhotels existierten nur bis in die 1950er Jahre, als Neubauten fertiggestellt waren und die Alliierten ihrerseits Bauprogramme wie den Burgholzhof auf den Weg brachten, um ihr Personal nicht mehr in Hotels unterbringen zu müssen. Auch der Tiefbunker unter dem Diakonissenplatz beherbergte zeitweise ein Hotel. Die ganze Geschichte des Bunkers kann nun in einer neuen Broschüre des Vereins Kultdiak Stuttgart e.V. nachgelesen werden.

Kein deutsches Bunkerhotel existierte jedoch länger als das Bunkerhotel unter dem Stuttgarter Marktplatz, das erst 1985 aufgegeben wurde.

In Nürnberg diente der Rathausbunker nach dem Krieg als Hotel.

In München gab es im Hochbunker Hotterstraße ein Hotel.

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15.09. Begehung des Venusbergs bei Aidlingen

Der nördlich von Aidlingen liegende Venusberg erhebt sich mit einer Höhe von 537 m über die Umgebung. Ab Mitte 1944 wurde unter der Leitung der Organisation Todt (OT) hier mit dem Bau einer Funknavigationsanlage begonnen, die zu diesem Zeitpunkt zukunftsweisend war. Das Prinzip dieser Technologie wird bis heute eingesetzt, auch wenn die technischen Einrichtungen dafür längst nicht mehr so spektakulär aussehen.

Der imposanteste Teil der Anlage wurde genau auf dem höchsten Punkt des Berges aufgebaut, wo seine bizarre Überreste noch heute zu sehen sind. Insbesondere der Betonring mit seinen 22,6 m Durchmesser und einer Ruine aus Mauerwerk und Stahl in seinem Mittelpunkt macht viele Wanderer in dem heutigen Naturschutzgebiet ratlos.

Hier befand sich einst eine 28 m hohe und 35 m breite Sendeanlage mit mehreren Antennen, die sich auf dem Betonring um ihre eigene Achse drehen konnte, eine sogenannte Drehfunkfeueranlage. Es war 1944/45 die einzige Anlage dieser Art in Südwestdeutschland.

Ihre Geschichte und Funktion erklären wir bei der Begehung am Sonntag, 15.09. ab 14 Uhr. Treffpunkt ist um 14 Uhr bei der Alten Schule in Lehenweiler (71134 Aidlingen, Lehenweiler Hauptstraße 2).

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08.09. Tag des Offenen Denkmals

Am Tag des Offenen Denkmals haben unter anderem auch der Daimlerturm in Bad Cannstatt, der Bunker unter dem Diakonissenplatz in Stuttgart-West und die KZ-Gedenkstätte im ehemaligen Engelbergtunnel geöffnet.

Der Daimler-Turm wurde 1894 im Auftrag von Gottlieb Daimler im Kurpark unweit seines ehemaligen Wohnhauses und der Werkstatt errichtet. Als Baumaterial wurde Cannstatter Travertin verwendet. Seit 1934 befindet sich der Turm im Eigentum der Stadt Stuttgart.

Im zweiten Weltkrieg wurde auf den Turm noch ein Holzgerüst gesetzt. Gerüchten zufolge soll darauf eine Flak stationiert worden sein. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Turm, wie der Aussichtsturm auf dem Burgholzhof, als militärischer Beobachtungsposten genutzt worden war.

In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich die leichte Flak, die den Cannstatter Viadukt zu verteidigen hatte.

Der Diakonissenplatzbunker ist der größte reguläre Tiefbunker, der in Stuttgart während des 2. Weltkriegs gebaut wurde. Sein u-fömiger Grundriss und seine Gliederung in drei Trakte machen ihn in Stuttgart ebenso einzigartig, wie die Tatsache, dass hier von Anfang an eine Luftschutzrettungsstelle eingeplant und eingebaut wurde. 1980-85 wurde der Bunker für den Kalten Krieg modernisiert.

Der alte Engelbergtunnel war bei seiner Fertigstellung 1938 Deutschlands erster Autobahntunnel. Im März 1944 wurde der Tunnel zu einer unterirdischen Fabrik umgebaut, in der von April 1944 – April 1945 Tragflächen für das Düsenflugzeug Me 262 gefertigt wurden. Auf 11.000 Quadratmeter Fertigungsfläche und in diversen Außenbetrieben arbeiteten mehrere Tausend KZ-Häftlinge, von denen 389 in Leonberg umkamen. Nach dem Krieg wurde der Tunnel wieder für die Autobahn genutzt. Nach Fertigstellung des neuen Engelbergtunnels wurde er verfüllt. Lediglich ein Tunnelmund blieb erhalten. Er beherbergt die KZ-Gedenkstätte.

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