Bunker in Bietigheim-Bissingen –Öffnungstag am 06. Juli


DSC_3850Vor 70 Jahren waren Bietigheim und Bissingen Schauplätze einer hektischen und verzweifelten Bautätigkeit, die freilich das ganze deutsche Reichsgebiet erfasst hatte. Mit größter Eile wurden Luftschutzstollen in die Felsmassive beidseitig der Enz getrieben. Am Sonntag, den 06. Juli zeigen wir wieder eine dieser Anlagen: Den Gaishalde-Stollen.

Bedingt durch den Ausgang des 1. Weltkriegs, den Auflagen des Versailler Vertrags und den darauf aufbauenden Plänen der Reichswehr für eine mögliche Verteidigung Süddeutschlands gegen einen Angriff aus Frankreich waren die Städte und Gemeinden an den Ufern von Enz und Neckar zwischen Enzweihingen und Eberbach bereits in den 1920er Jahren als ein mögliches „Schlachtfeld der Zukunft“ identifiziert worden.

Die Planungen einer Verteidigungslinie in diesem Verlauf gehen bis in das Jahr 1925 zurück. Die wechselvolle politische Situation in Deutschland verhinderte aber die Freigabe von Geldern für das Projekt. Dies änderte sich nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten. Ab Januar 1935 begannen die Baumaßnahmen an der Neckar-Enz-Stellung.

Die Verteidigungslinie führte am Bissingen vorbei und durch Bietigheim hindurch. Innerhalb Bissingens gab es zwei Unterstände für Panzerabwehrkanonen, die im Ernstfall in Erdstellungen gebracht werden sollten. Eine ähnliche Kampfsituation war für Unterriexingen vorgesehen. Zwar erwartete man nicht eine Wiederholung der jahrelangen Grabenkämpfe des 1. Weltkriegs, doch die Verteidigungskonzeption sah vor, den Feind möglichst lange aufzuhalten. Die Enzgemeinden hätten somit durchaus für längere Zeit zum Schlachtfeld werden können.

Bis Anfang 1938 wurde an der Neckar-Enz-Stellung gebaut. Kämpfe gab es hier zunächst keine. Allerdings gab es während der Sudentenkrise einen Alarmzustand, da nicht auszuschließen war, dass Frankreich militärisch intervenieren könnte.

Zu Beginn des 2. Weltkriegs lagen die deutschen Westverbände bereits am Rheinufer. Nach der Kapitulation Frankreichs war die Neckar-Enz-Stellung endgültig für nicht mehr notwendig erachtet worden. Im Januar 1941 wurden mehrere Bunker der Neckar-Enz-Stellung im Bietigheimer Stadtgebiet zu zivilen Luftschutzbunker umgerüstet, so auch das Bauwerk UB7 in der Wobachstraße, an dessen einstigem Standort heute das Wohn- und Geschäftshaus mit dem „aldi“-Markt steht.

Unter dem Eindruck der Flächenbombardements ab 1943 entschlossen sich auch die Bürgermeister von Bissingen (Silcher) und Bietigheim (Holzwarth) zum Bau von Luftschutzstollen. Die Baumaßnahmen begannen ab ca. April 1944. Bis in den März 1945 wurde teilweise noch an Stollen gebaut. Noch im Dezember 1944 liefen Planungen der Firma SWF Teile ihrer Fertigung am Bietigheimer Bahnhof in die unterirdischen Räumlichkeiten des „Felsenkellers“ gegenüber der katholischen Kirche zu verlegen.

Bereits 1943 hatte die Firma Daimler Benz als Nutzerin der Kammgarnspinnerei dort einen umfangreichen Luftschutzstollen errichtet. Er wurde ins Erdreich gegraben und mit Holz ausgeschalt. Von der Anlage ist heute nichts mehr erhalten.

Wir zeigen den Gaishalde-Stollen im Fels unter der katholischen Kirche von 11- 17 Uhr. Der Eingang liegt an der Stuttgarter Straße (B27) gegenüber der Enzbrücke und dem aldi-Markt. Bei uns erfahren Sie auch, wie die Bietigheimer die 12 Tage als Frontstadt im April 1945 und das Ende des Krieges erlebten.

Parallel hat in der Bissinger Brandhalde der Museumsbunker Ro1 der Neckar-Enz-Stellung geöffnet. Der Bunker veranschaulicht die Ausstattung von 1938 und bietet weiterführende Informationen zur Neckar-Enz-Stellung.

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