Die Region Stuttgart und die Me 262


Wer nach den Spuren der Me 262-Produktion sucht findet schnell eine große Zahl an Verweisen in Richtung Thüringen, Regensburg, den Waldlagern und jenen Großprojekten, die bei Mühldorf am Inn und Landsberg am Lech / Kaufering angestoßen wurden und dort hunderte Menschenleben kosteten.

Die Produktionsstätten und Projekte in der Region Stuttgart sind hingegen weniger bekannt, obgleich zwei Konzentrationslager und mehrere weitere Standorte mit insgesamt mehreren Tausend KZ-Häftlingen in der Region eingerichtet wurden.

In Leonberg wurde der erst 1938 eröffnete erste Autobahntunnel Deutschlands 1944 in eine U-Fabrik zur Fertigung von Tragflächen für das Düsenflugzeug umgewandelt. Unter katastrophalen Bedingungen schufteten hier bis zu 3.200 Häftlinge, von denen 389 starben.

In Korntal-Münchingen war in einem Großzelt ein Zulieferbetrieb für die Tunnelfabrik eingerichtet, der das Hauptfahrwerk produzierte. Über den genauen Standort und die Anzahl der Beschäftigten ist nichts bekannt.

In Vaihingen/Enz begann ab April 1944 der Bau eines Fabrikbunkers im Steinbruch der Firma Baresel. Auf ca. 25.000 qm Fläche sollten 6 Etagen entstehen, die mit einer 3,5 m dicken Stahlbetondecke bombensicher überdeckt werden sollten. In diesem Bunker war die Fertigung weiterer Komponenten der Me 262 (Flugzeugzellen und Triebwerke) geplant. Mindestens eine Firma in Vaihingen fungierte ebenfalls als Zulieferer von Komponenten für das Flugzeug.

Die Endmontage erfolgte unter anderem in einem Waldlager in der Nähe des Flugplatzes Schwäbisch Hall-Hessental wo mehrere hundert KZ-Häftlinge unter primitiven Bedingungen das Hi-Tech-Flugzeug zusammenbauten. Die Flugzeuge wurden zum Flugplatz geschleppt und flogen von dort zu ihren Einsatzflugplätzen. Zu einem solchen Einsatzflugplatz sollte auch der Flugplatz Großsachsenheim ausgebaut werden.

Von knapp 1.500 ausgelieferten Me 262 waren 460 in Schwäbisch Hall endmontiert worden. Und auch die allermeisten anderen Exemplare wurden in Waldlagern gefertigt, vor allem in Burgau und Leipheim, wo die Amerikaner im Frühjahr 1945 etliche einsatzfähige Exemplare vorfanden. Die monumentalen Riesenbunker, die der Jägerstab 1944 beauftragte wurden ihrerseits sämtlich nicht mehr fertig und produzierten kein eimziges Flugzeug mehr. An die KZs in Vaihingen/Enz und Leonberg erinnern inzwischen Gedenkstätten, ihre Geschichte ist in lesenswerten Veröffentlichungen (Leonberg / Vaihingen) publiziert.

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