Zeitzeugen im Gelände


Forst 012

Die Bunker wurden fast ausnahmslos nach dem Krieg gesprengt.

Mit dem Pfingstwochenende und den anschließenden Ferien bietet sich auch die Gelegenheit die Spuren der Neckar-Enz-Stellung zu erkunden. In den Medien war viel über den 100. Jahrestag der deutschen Offensive vor Verdun zu lesen, die in eine der furchtbarsten Schlachten des Ersten Weltkriegs mündete.

Die Neckar-Enz-Stellung, bereits in den 1920er Jahren geplant, trug nicht nur den Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrags Rechnung, sondern war in ihrer Logik auch von den Kämpfen um Verdun und anderen Schlachten des Ersten Weltkriegs geprägt.

Die gesprengten Bunkerruinen sind somit nicht nur Erinnerungsorte an den Nationalsozialismus, unter dessen Regie sie letztlich gebaut wurden, sondern sie zeugen auch von einer militärischen Erwartung eines erneuten kriegerischen Konflikts mit Frankreich, die bereits in den ersten Jahren der Weimarer Republik zu Überlegungen führte, wie man sich mit den verfügbaren Mitteln möglichst effizient verteidigen könnte.

Die Planer der Neckar-Enz-Stellung gingen in ihren Überlegungen davon aus, dass wie im vorherigen Krieg die Zivilbevölkerung evakuiert werden und damit auch die Orte im Bereich der Bunkerlinie uneingeschränkt für Kampfhandlungen zur Verfügung stehen würden. In der Maxime eine Verteidigung an bestimmten geographischen Orten möglichst lange ermöglichen zu können bis eigene Verstärkung den Angriff letztlich zurückschlagen würde ähnelte das Konzept jenen fatalen Überlegungen, die von 1914-18 zum Stellungskrieg führten.

Bis 1945 wurden die Bunker militärisch nicht eingesetzt, manche wurden zu zivilen Luftschutzräumen umgerüstet, die Bewaffnung zuerst an den Westwall, teilweise sogar an den Atlantikwall verlegt. Im April 1945 waren die Bunker oft unbewaffnet, technisch veraltet und auch die ursprünglich geplanten zusätzlichen Maßnahmen wie großflächige Hindernisse im Gelände, rückwärtige Reserven und Artillerie waren nur rudimentär vorhanden. So blieb auch der vorherrschende Eindruck bei der Bevölkerung, dass die Bunker nichts gebracht haben. Schaut man die Geschichte dieser Verteidigungslinie und der militärischen Gesamtsituation im Frühjahr 1945 etwas genauer an wird offensichtlich, dass diese Bunker alleine keine entscheidende Rolle mehr übernehmen können.

Die Sieger verfügten nach dem Krieg die Zerstörung, der nur wenige Bauwerke entgingen, von denen je eines in Bietigheim und Bissingen heute besichtigt werden kann. Die Ruinen im Gelände zeugen noch immer von einem möglichen Schlachtfeld, dessen Planung schon wenige Jahre nach Unterzeichnung des Vertrags von Versailles begann.

Wir haben folgende Abschnitte näher beschrieben:
Stadtgebiet Bietigheim
Bietigheimer Forst
Abschnitt Bissingen
Abschnitt Unterriexingen / Glems
Eine Beschreibung der Kämpfe um Bietigheim im April 1945 gibt es hier.

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