Ziviler Luftschutz in Frankreich bis 1940


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Paris, Rue D’Aubervilliers, 25.02.1936. Luftschutzübung im Luftschutzraum Nr. 16, der für 52 Personen ausgelegt war.

Zu den Fragen, die wir immer wieder gestellt bekommen gehört auch die, ob Luftschutzbunker schon vor dem Krieg gebaut wurden oder erst während des Krieges. Die Fragestellung zielt darauf ab, ob der Bau ziviler Luftschutzbunker als eine Kriegsvorbereitung zu sehen ist oder nicht.

Die Antwort auf diese Frage ist mehrteilig und nicht ganz eindeutig. Etwa seit Beginn der 1930er Jahre haben die Industriestaaten Europas Luftkriegskonzepte sehr intensiv diskutiert und durch internationale Manöver auch anschaulich dargelegt. Sowohl Frankreich als auch Italien und England haben große Luftmanöver abgehalten, die in der internationalen Presse behandelt wurden. Diese Manöver zeigten das seit dem 1. Weltkrieg dramatisch gewachsene Zerstörungspotential von größeren Bomberverbänden.

Parallel dazu verstärkten sich die Diskussionen um den Schutz der Zivilbevölkerung, die man als prominentes Opfer massiver Luftangriffe sah. Die Bauwirtschaft präsentierte auf Messen zahlreiche Konzepte für Luftschutzräume und Bunker, die sich teilweise ähnelten, die teilweise aber auch vollkommen länderspezifisch waren.

Beginnend mit der Machtübernahme der NSDAP in Deutschland im Januar 1933 und vor allen nach der Besetzung des Rheinlands durch die deutsche Wehrmacht am 07.03.1936 wuchsen in den Industriestaaten Europas die Befürchtungen, dass ein erneuter Krieg unvermeidlich sei. Damit gingen verstärkte Anstrengungen auch im Bereich des zivilen Luftschutzes einher. Insofern kann der Bau von Luftschutzbunkern vor Kriegsausbruch als eine passive Kriegsvorbereitung gesehen werden. Allerdings wäre es falsch davon auszugehen, dass diese Maßnahmen für die Militärs eine entscheidende Rolle gespielt hätten. Die militärischen Vorbereitungen auf einen eventuellen Krieg waren von den Bauprogrammen für zivile Luftschutzräume abgekoppelt. Es waren also keine direkten Kriegsvorbereitungen. Man muss sie als Maßnahmen einer zunehmend von Kriegsgefahr sich bedroht fühlenden Regierung betrachten, die im Ernstfall einigermaßen vorbereitet sein wollte. Der Umfang der Luftschutzmaßnahmen war dabei in jedem Land sehr unterschiedlich.

In diesem Zusammenhang sind die Diskussionen und Maßnahmen in Frankreich sehr interessant, die leider bis heute nur rudimentär aufgearbeitet und auch sehr lückenhaft dokumentiert sind. Wir haben anhand einiger Beispiele die Situation des zivilen Luftschutzes in Frankreich bis zum Beginn der Deutschen Offensive am 10.05.1940 zusammengetragen und geben auch einen kleinen Einblick in den Alltag des besetzten Frankreich.

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