03.07.2016 Öffnungstag Gaishaldestollen in Bietigheim


Gaishalde 001

Am Sonntag, den 03.07. zeigen wir wieder den ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen. Er wurde 1944 als einer von sechs Luftschutzstollen in Bietigheim als städtische Luftschutzanlage gebaut. Die Stadt Bissingen schuf zur gleichen Zeit fünf Stollenanlagen für ihre Bevölkerung so dass es im Bereich des heutigen Bietigheim-Bissingen elf Luftschutzstollen gab.

Bis Anfang 1944 hatten die beiden Kleinstädte auf die schon zu Kriegsbeginn eingerichteten Luftschutzkeller vertraut. Im Stadtgebiet von Bietigheim waren auch mehrere Militärbunker der Neckar-Enz-Stellung zu zivilen Luftschutzräumen umgerüstet worden. Deren Aufnahmekapazität war freilich begrenzt.

Der späte Baubeginn der Luftschutzstollen ist darin begründet, dass Bietigheim und Bissingen bis 1944 keinerlei Luftangriffe erlitten. Ganz im Gegenteil. Als vermeintlich sicheres Umland der gefährdeten Industriemetropole Stuttgart wurden sie Verlagerungsstandorte, also Orte, in die Unternehmen aus Stuttgart ihre Produktion verlegten, um sie vor Luftangriffen zu schützen. So verlegte die Feuerbacher Firma SWF ihren Firmensitz 1942 komplett nach Bietigheim. Daimler-Benz nutzte große Teile der Kammgarnspinnerei und einige Räumlichkeiten der DLW für Produktionsverlagerungen aus Untertürkheim und auch andere Stuttgarter Firmen verlegten Teile ihrer Betriebe hierher.

Trotz der hektischen Baumaßnahmen an den Luftschutzstollen hatten die Bietigheimer noch bis November 1944 die Hoffnung einigermaßen unbeschadet durch den Krieg zu kommen. Mit dem ersten Luftangriff auf das Bietigheimer Bahnhofsareal am 09. November 1944 zerschlug sich diese Hoffnung. Die Stollen waren zu diesem Zeitpunkt gerade weitgehend fertig geworden. Noch eben rechtzeitig, sozusagen.

Bis Ende Dezember 1944 wurde im Gaishaldestollen noch gearbeitet, vor allem wurden noch Farbmarkierungen und die Sitzplatznummern der Holzbänke angebracht. Dennoch bot die Anlage wenig Annehmlichkeit. Es gab keine Lüftung und praktisch kein elektrisches Licht. Toiletten gab es nur außerhalb des Stollens. 247 Sitzplätze auf Holzbänken waren per Nummer an die Haushalte zugewiesen. Alle anderen Schutzsuchenden mussten stehen.

Die Holzbänke sind nicht mehr vorhanden, aber baulich ist die Anlage seither praktisch unverändert und vermittelt einen plastischen Einblick in die Situation der Bietigheimer Bevölkerung im letzten halben Jahr des Krieges.

Der ehemalige Luftschutzstollen liegt neben der B27 im Fels unter der katholischen Kirche St. Laurentius (Bushaltestelle Auwiesenbrücke). Der Stollen ist von 11 – 17 Uhr geöffnet.

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