Schwerter zu Pflugscharen


Das Schnapsmuseum im Steinhaus in Bönnigheim zeigt ab 07. Mai eine bemerkenswerte Ausstellung mit Gegenständen, die aus ehemaligen Militärgegenständen hergestellt wurden.

Die Situation für die Bevölkerung nach Kriegsende ist für viele Menschen trotz einer umfangreichen Thematisierung in Literatur, Film und Medien oft nur bruchstückhaft vorstellbar. Filme thematisieren häufig familiäre Dramen, Wohnungsnot, Armut, Hunger und Vertreibung.

Der Mangel an alltäglichen Gebrauchsgegenständen tritt demgegenüber als banales Detail häufig in den Hintergrund. Dabei ist die Geschichte der Konversionsgüter auch ein Stück frühe Industriegeschichte der Bundesrepublik. Die bis heute international anerkannte Hannover-Messe war eine Maßnahme der britischen Besatzungszonenverwaltung, um die sich nur langsam wieder entwickelnde Wirtschaft ihrer Zone zu unterstützen. Mit einer Leistungsschau sollten die Betriebe der britischen Besatzungszone die Möglichkeit haben ihre Produkte in einem für damalige Verhältnisse großen und professionellen Rahmen zu präsentieren und Aufträge zu generieren. Eine Erfolgsstory, die bis heute für den Wiederaufbau in der Bundesrepublik steht.

Ein Vielzahl kleiner und mittelständischer Betriebe aus der Holz und Metallverarbeitung, die bis 1945 in die Kriegsproduktion eingebunden waren mussten praktisch von heute auf morgen auf zivile Produkte umstellen. Neben zerstörten Fertigungsstätten unbrauchbaren oder der Demontage anheim gefallenen Maschinen war der Mangel an Rohstoffen ein eklatantes Problem dieser Betriebe.

Andererseits war die Armut vieler vor allem ausgebombter städtischer Familien eklatant. So nahm das bereits vom NS-Regime in großem Stil eingeführte Wertstoff-Recycling eine elementare Rolle ein. Viele Kinder verbrachten ihre Freizeit mit dem Sammeln von Hülsen, Kartuschen, Splittern, Metall und Holz aller Art und verkauften ihre Funde an die Wertstoffhändler.

Je vollständiger ein Gegenstand war desto wertvoller war er für die Fertigungsindustrie. So wurden aus Stahlhelmen Nudelsiebe, Nachttöpfe oder Jaucheschöpfer. Aus Geschoßhülsen wurden Kannen, Becher, Tassen, Pfännchen oder Aschenbecher. Die Holzstiele von Stilhandgranaten wurden zu Kartoffel- und Rübenstampfern, die Blechkörper von Eierhandgranaten wurden Kinderrasseln, Kreisel oder sogar Verpackung für Scheuermittel.

Die Verwendung von Stoffen, Kleidungsgegenständen sowie Kisten und Kästen jeder Art kannte praktisch keine Grenzen und war allgegenwärtig.

Die Ausstellung ist vom 07.05. – 04.06. jeden Sonntag von 14 – 17 Uhr im Museum im Steinhaus Bönnigheim zu sehen. Adresse: Meiereihof 5+7, 74357 Bönnigheim.

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