Vor 75 Jahren: Beginn des Stollenbaus in Bietigheim


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Mit einem knappen Fünfzeiler informierte Bürgermeister Gotthilf Holzwarth die Kirchengemeinde über den Beschluss zum Stollenbau. Die von den Baumaßnahmen betroffenen Anwohner der Gaishalde erhielten ein gleichlautendes Schreiben.

Unmittelbar nach den Gomorrha-Angriffen auf Hamburg vom 24.07. bis 03.08.1943 gaben der Polizeipräsident als örtlicher Luftschutzleiter der Stadt Stuttgart und Oberbürgermeister Dr. Strölin eine Erklärung ab, in der es hieß: „Es ist empfehlenswert, Schutzräume in Form von sogenannten Pionierstollen in den Berg hineinzubauen“.

Dieser „Startschuß“ führte zum Bau von mehreren hundert Luftschutzstollen in Stuttgart, von denen manche zum Teil noch bis Frühjahr 1945 gebaut wurden.

Die Erfahrungen der Städte, die – wie Köln, Hamburg und andere Metropolen – schwere Luftangriffe erlebt hatten, wurden in den politischen Foren wie dem Städtetag intensiv diskutiert. So führte eine Analyse der Hamburger Feuerwehr z.B. zu einer Reorganisation der Feuerwehr in Nürnberg, die dezentraler aufgestellt wurde, und dadurch bei den Luftangriffen bis Kriegsende eine verbesserte Handlungsfähigkeit erreichen konnte und weniger eigene Todesopfer bei den Einsätzen beklagen musste.

Auch die Initiative zum flächendeckenden Bau von Luftschutzstollen war mit eine Folge des regen Austauschs der Bürgermeister und Oberbürgermeister.

Während die Großstädte umgehend eine enorme Dynamik entwickelten, zeigten sich zahlreiche Kleinstädte noch zögerlich. Städte wie Bietigheim und Bissingen an der Enz vertrauten zunächst noch auf die bereits zu Kriegsbeginn eingerichteten Luftschutzräume in Gewölbekellern und auf die eigene geringe Bedeutung für die alliierten Bomber, also in gewissem Maße auch darauf, dass man schon allein deshalb verschont bleiben würde, weil die Stadt zu klein war und keine strategische Bedeutung hatte.

Im Laufe des Jahres 1943 setzte sich jedoch auch hier die Erkenntnis durch, dass man mehr für den Schutz der eigenen Bevölkerung tun müsse, als bislang umgesetzt worden war.

Anfang 1944 intensivierten sich die Gespräche zwischen der Stadt Bietigheim und den größten Unternehmen vor Ort, und im März 1944 war ein Maßnahmenpaket verabschiedet: In Bietigheim wurden im Stadtgebiet 5 Stollen in die Muschelkalkfelsen gebaut, sowie ein Erdstollen bei der Kammgarnspinnerei.

In Bissingen begannen zeitgleich die Arbeiten an den ersten von insgesamt 5 Stollen.
Somit wurden auf dem heutigen Stadtgebiet von Bietigheim-Bissingen 11 Luftschutzstollen geschaffen. Einer dieser Stollen, der ehemalige Gaishalde-Stollen unter der katholischen Kirche St. Laurentius an der Auwiesenbrücke, kann noch heute besichtigt werden. Er ist am 07. April von 11 – 17 Uhr geöffnet. In der Dokumentation vor Ort werden wir auch auf die Geschichte des Stollenbaus in Bietigheim und Bissingen eingehen, der vor 75 Jahren begann.

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