01.09. Öffnungstag im ehem. Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim


Am kommenden Sonntag, den  01. September, haben wir noch einmal den ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen geöffnet. Der Luftschutzstollen war von April bis November 1944 von zwei Seiten in den Fels unter der katholischen Kirche St. Laurentius getrieben worden. Die Stadt Bietigheim als Bauherrin konnte für den Bau auf Arbeitskräfte aus dem Zentralen Durchgangslager des Arbeitsamts am Bahnhof zugreifen, über das im Laufe des Krieges ca. 200.000 Menschen geschleust und zur Zwangsarbeit innerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Landesarbeitsamtes Südwestdeutschland weiterverteilt wurden.

Nachdem am 10. September 1944 ein Luftangriff auf die Munitionsniederlage im Brandholz erfolgt war, und am 09. November 1944 erstmals der Bahnhof Bietigheims aus der Luft angegriffen wurde, war ab Anfang Dezember der Gaishalde-Stollen nutzbar. Von nun an konnten die Anwohner aus der Gaishalde, dem Ulrichsbuckel und der unteren Bahnhofstraße bei Fliegeralarm und bei Luftangriffen in diesen Stollen.
Auch während der 12 Tage im April 1945, als die Front durch Bietigheim lief, suchten viele Menschen hier Schutz.

Insgesamt entstanden 1944-45 in Bietigheim sechs und in Bissingen fünf Luftschutzstollen, von denen der Gaishalde-Stollen as einziger noch heute für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Er ist zugleich einer der letzten Bauzeugen der Siedlung Gaishalde, die in den frühen 1970er Jahren fast vollständig dem Ausbau der Bundesstraße geopfert wurde.

Und auch mit der Militärgeschichte der NS-Zeit im Südwesten ist Bietigheim-Bissingen eng verbunden: Ab 1935 wurde an den Ufern von Neckar und Enz die bereits in den 1920er Jahren konzipierte Bunkerlinie – die Neckar-Enz-Stellung – gebaut, die einen französischen Angriff auf den Südwesten hätte abfangen sollen. Im April 1945 war Bietigheim 12 Tage lang Front. Als die Deutschen Bietigheims Oststadt am Morgen des 21. April räumten, sollte bei Brucken, Grabenstetten, Oberlenningen eine neue Verteidigung aufgebaut werden. Die schwachen deutschen Verbände leisteten dort 2 Tage Widerstand, bevor sie sich zurückzogen. Damit brach die letzte deutsche Front am Albaufstieg zusammen, und die Amerikaner konnten ohne weitere nennenswerte Gegenwehr am 24. April in Ulm einrücken.

Die facettenreiche und komplexe Geschichte Bietigheims und Bissingens während des 2. Weltkriegs und ihrer Luftschutzstollen sind Themen unseres Öffnungstages.

Der Stollen ist von 11- 17 Uhr geöffnet.

Der Zugang liegt an der Bushaltestelle Auwiesenbrücke. Parkmöglichkeiten sind auf dem aldi-Parkplatz in der Wobachstraße vorhanden.

Die Geschichte der Neckar-Enz-Stellung präsentiert der Arbeitskreis Bunkerforschung im Museumsbunker Ro1 in Bissingen, der parallel geöffnet ist.

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