Herbst 1940: Führersoforterlass und Bunkerbauprogramm


Am 10. Oktober 1940 erteilte Adolf Hitler den sogenannten „Führersoforterlass“, auf dessen Grundlage eines der größten Bauprogramme der Geschichte begann: Der flächendeckende Bau ziviler Luftschutzbunker in den Städten.

In den Großstädten Deutschlands waren bereits ab Anfang 1939 öffentliche Luftschutzräume und vereinzelte Bunker und Luftschutzstollen errichtet worden, z.B. Winkeltürme, Luftschutzstollen für die Stadtverwaltungen und Schutzräume und Bunker an wichtigen Bahnhöfen.

In Stuttgart waren das vor allem der Luftschutzstollen vor dem Neuen Schloss, die Luftschutzanlage des Rathauses unter dem Pierre-Pflimlin-Platz, die Stollen der Handwerkskammer und des Güterbahnhofs (unter der Heilbronner Straße), die Rettungsstelle des 16. Luftschutzreviers in der Martinskirche am Pragfriedhof (Eckartstraße) und der Winkelturm am Bahnhof Feuerbach.

Im Führersoforterlass heisst es u.a.:

„I. Zur sofortigen Durchführung auf dem Gebiete des Luftschutzbauwesens ordne ich an:
1.Für Wohngebiete (städtische Gebiete, Siedlungen, Laubenkolonien), in denen keine oder unzureichende Luftschutzräume vorhanden sind, sind behelfsmäßige Schutzmaßnahmen zu treffen.


2.Vorhandene oder neu zu bauende Verkehrsstraßen oder Verkehrsanlagen (z. B. Untergrundbahnen und Tunnelbauten) sind für den Bau unterirdischer, bombensicherer Luftschutzräume auszunutzen.


3.Die in Luftschutzräumen vorhandenen Öffnungen in den Außenwänden des Gebäudes sind zu beseitigen unter gleichzeitiger beschleunigter Durchführung der gesetzlich angeordneten Brandmauerdurchbrüche.


4.Neu zu errichtende öffentliche Luftschutzräume sind bombensicher zu bauen, die vorhandenen öffentlichen Luftschutzräume sind – so weit möglich – auf Bombensicherheit zu verstärken.“

Aus I.4. geht klar hervor, dass es zu diesem Zeitpunkt offenkundig eine große Zahl öffentlicher Luftschutzräume gab, die nicht bombensicher waren, und von denen auch nicht alle bombensicher ausbaubar waren.

Der Führersoforterlass delegierte die Bestimmung der Städte, die umgehend Bunker zu errichten hatten an das Reichsluftfahrtministerium. Eine finale Liste wurde indessen nie verabschiedet. Der ersten Bauwelle folgten weitere Bauprogramme. Insgesamt wurden in Deutschland rund 6.000 bombensichere Bunker gebaut, zuzüglich tausender Stollenanlagen und einer unbekannten Zahl nicht-bombensicherer Schutzräume, wie z.B. LS-Deckungsgräben.

Die meisten Großstädte begannen unmittelbar nach dem Führersoforterlass mit Beratungen und Planungen zur Umsetzung der Anordnungen. In Stuttgart begannen die Beratungen am 21. November 1940. Die meisten der noch heute in der Stadt existierenden Hoch- und Tiefbunker gingen aus der dort besprochenen ersten Bauwelle hervor, auch der „Großluftschutzraum Wagenburgtunnel“.

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