Bunker-Rock

Das Projekt „Bunker-Rock – wenn Kultur den Bunker rockt“ war eine gemeinschaftliche Veranstaltungsreihe des Stadtjugendrings Stuttgart und der Forschungsgruppe Untertage.

In unterschiedlichen Veranstaltungen mit unterschiedlichen Formaten beleuchteten wir die wechselvolle Geschichte der Stuttgarter Bunker, von denen viele im Projekt-Jahr 2011 70 Jahre alt wurden.

Aus dem Projekt wurde eine kontinuierliche Arbeit, die sich der Bedeutung der ehemaligen Luftschutzbunker für die Kultur der Stadt Stuttgart widmet und den inzwischen über 40-jährigen Beitrag dieser Bauwerke zur Zivilgesellschaft anhand von Geschichten, Anekdoten und Bandbiografien veranschaulicht. Einen Einblick in diesen Bereich der lokalen Kulturgeschichte gab die Ausstellung „Musik im Bunker“ im November 2016 im Kunstraum Oberwelt e.V..

Projektidee

In Stuttgart wurden vor und während des zweiten Weltkriegs 16 reguläre Hochbunker mit individuellem Zuschnitt und vier normierte Luftschutztürme (sog. Winkeltürme) errichtet. Die meisten dieser Bauwerke sind noch heute erhalten. Abgerissen wurden die Winkeltürme am Wilhelmsplatz Bad Cannstatt, sowie am Karl-Benz-Platz und Martin-Schrenk-Weg in Untertürkheim, außerdem der Hochbunker in der Wilhelmstraße in Bad Cannstatt. Von den 13 öffentlich zugänglichen Tiefbunkern wurde lediglich der Bunker unter dem Hindenburgplatz entfernt. Er musste der Klett-Passage und der Stadtbahn weichen.

Mehrere Bunker können heute zu bestimmten Zeiten besichtigt werden, wie der Winkelturm und der Tiefbunker in Feuerbach, der Hochbunker in der Kolpingstrasse in Steinhaldenfeld, oder der Tiefbunker unter dem Marktplatz (zur langen Nacht der Museen).

Manche Bunker werden von Musikern als Proberäume genutzt. Dieser Umstand gab dem Projekt Bunker-Rock seinen Namen. Neben Stadtteilrundgängen und Führungen sind auch Musiker in das Projekt einbezogen, die in Bunkern proben und ihnen eine Bühne geben. Das erste Konzert dieser Art fand am 16.07.2011 auf dem Marienplatz statt.

Projektgeschichte

Das Projekt startete am 16. April mit einem Rundgang durch Feuerbach auf den Spuren der Luftangriffe. Die Bunker am Feuerbacher Bahnhof, ehemalige Stollen und private Maßnahmen sowie beispielhafte Orte, die den Luftangriffen zum Opfer fielen (Fa. Gescho, Fa. Roser, kath. Kirche, Bachschule) waren Stationen des Spaziergangs.

Im Juni führten wir zwei Stadtrundfahrten zu exemplarischen Bunkern in Stuttgart durch, anhand derer das Hochbunker-Konzept für Stuttgart und das Bunker-Bauprogramm von 1940/41 erklärt wurde. In Raitelsberg erläuterten wir die Konzeption für einen bestimmten Stadtteil und führten durch den Bunker in der Talstrasse.

Am 22.Juli fand in der Stuttgarter Innenstadt die Aktion „Lichter der Flucht“ statt, die verschiedene Aspekte der Bombenangriffe auf Stuttgart dokumentiert und an die Juliangriffe 1944 erinnert, bei denen die Innenstadt weitgehend zerstört wurde.

Mit einem zweitätigen Abschlusskonzert am 14. und 15. Dezember 2011 in der Röhre endete das Projektjahr. Bei den Planungen für diese Auftritte hatten wir uns nur von dem Gedanken leiten lassen, dass der Wagenburgtunnel selbst während des Krieges als Luftschutzbunker genutzt worden war, auch die Räume, in denen später die Röhre untergebracht war. Dass der Club nur wenig später schließen musste verlieh unserem Abschlussfestival noch eine zusätzliche historische Dimension.

Das Projekt Bunker-Rock wurde mit dem Förderpreises der Region Stuttgart ausgezeichnet. Zum Projekt ist eine Dokumentation erschienen. Auch eine mobile Ausstellung wurde erarbeitet, die vom Stadtjugendring entliehen werden kann.

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