Das Geheimnis der Grundschule Gaisburg

Recherchen unserer Mitglieder hatten ergeben, dass sich im 2. Weltkrieg unter der Grundschule Gaisburg der Zugang zu einer Luftschutzanlage befunden hatte. In Zusammenarbeit mit MUSE-O, dem Museumsverein Stuttgart-Ost e.V. intensivierten wir die Nachforschungen. Wir fanden auch eine Zeitzeugin, die berichtete, während der Luftangriffe auf Stuttgart-Ost in der Anlage gewesen zu sein. Ein alter Stollenplan und eine Maurerrechnung über Arbeiten am Eingang in der Gaisburger Schule stützten diese Aussage. Mit diesem Kenntnisstand nahmen wir 2008 Kontakt zur Schulleitung auf.

Dort zeigte man sich betroffen, denn genau über der Luftschutzanlage war ein Erweiterungsbau vorgesehen, die Arbeiten sollten in wenigen Wochen beginnen. Von unterirdischen Räumlichkeiten aus der Kriegszeit war jedoch weder der Schulleitung noch der Hausmeisterin etwas bekannt. So wurde eine Vereinbarung getroffen, dass wir das Schulhaus nach Indizien auf die Anlage untersuchen.

Zunächst entdeckten wir einen Kanalschacht, unter dem sich ein kleiner Raum befand. Er führte jedoch nicht weiter. Das Hauptaugenmerk legten wir auf die Mauern im Kellerbereich, wo sich laut Plan und Zeugenaussage ein Zugang hätte befunden haben müssen. Sie wiesen zwar Anomalien auf, aber die Suche nach einem vermauerten Zugang zum Bunker blieb ergebnislos.

In einem Raum jedoch entdeckten wir im Boden eine Stelle, die sich auf ca. 2,5 x 1,5 Metern vom übrigen Boden unterschied. Da im gesamten Geschoss ein neuer Boden eingezogen werden sollte, erhielten wir die Erlaubnis, eine ca. 25 x30 cm große Beschädigung aufzustemmen. Nach Untersuchungen mit der Digitalkamera zeigte sich darunter ein Hohlraum. Wir verbreiterten nun die Öffnung, um einem unserer Mitglieder den Einstieg zu ermöglichen.

An einem Seil ließen wir den Kollegen in die Unterwelt. 12 Meter arbeitete er sich im 45-Grad-Winkel voran, bis er auf einen geraden Boden stieß, der mit ausgetrocknetem Matsch und Schlamm bedeckt war. Wir hatten die Anlage gefunden.

Die Luft in den seit Jahrzehnten verschlossenen Räumlichkeiten hatte einen sehr unangenehmen Geruch und erschwerte das Atmen. Der Menge getrockneten Schlamms zufolge war der Stollen mindestens einmal mit erheblichen Mengen Wassers vollgelaufen. Die Anlage befand sich im Rohausbau. Durch die Umstände bedingt konnten in der Anlage selbst keine Fotos gemacht werden.

Wir besprachen die Ergebnisse mit der Schulleitung. Es war nun klar, dass hier vor den geplanten Bauarbeiten zunächst vorbereitenden Maßnahmen zu ergreifen waren, die mit der Stadt Stuttgart abzustimmen waren.

So wurde die Anlage zunächst verfüllt und zusätzliche Fundamentierungsarbeiten durchgeführt, bevor die geplanten Baumaßnahmen begonnen werden konnten. Diese Maßnahmen waren mit zusätzlichen Kosten verbunden, doch sie führten zu einer abschließenden Klärung im Bereich der Schule. Hätte man die Bauarbeiten wie geplant durchgeführt, hätte die Gefahr bestanden, dass die Anlage unter der Last eines Baggers oder Krans einbricht. Oder es hätten sich im Laufe der Zeit durch unterirdische Einstürze Schäden am Neubau entwickelt.

Heute ist vom ehemaligen Stollenzugang nichts mehr übrig, und es gibt auch keine sichtbaren Hinweise mehr, wo dieser einst war. Unsere Bilder zeigen eine Momentaufnahme, zu der die Vergangenheit plötzlich und auf unvorhersehbare Weise noch einmal in die Gegenwart hineinreicht, bevor ein Teilkapitel der jüngeren Geschichte Gaisburgs endgültig geschlossen wurde.

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