Bietigheim-Bissingen Uhlandstrasse

Am 25. November 1980 entschied der Gemeinderat Bietigheim-Bissingens über die Empfehlungen des Krankhausausschusses zum Abschluss einer Vereinbarung mit der Oberfinanzdirektion. Damit wurde der Ausbau der neu zu erstellende Tiefgarage beim Krankenhaus als Luftschutzraum für etwa 1.500 Schutzplätze beschlossen.

Die veranschlagten zusätzlichen Kosten von 1,4 Mio. DM sollte der Bund übernehmen. Die geplanten Gesamtbaukosten der Mehrzweckanlage stiegen damit auf 4,5 Mio. DM. Der Baubeginn erfolgte am 10. Februar 1981. Stand 27. August des Jahres lagen die Baukosten mit 4,7 Mio. DM ca. 200.000 DM über dem Plan. Vermutlich blieb es dabei.

Die Zufahrt der Tiefgarage erhielt ein Rolltor, dessen Stahlgehäuse mit Beton verfüllt ist. Die Lüftungsfenster im Erdgeschoss verfügen über entsprechende Schutzraumtüren, die mit Riegeln verschlossen werden können. Im Ernstfall wären die Parkflächen zu einer großen ABC-Schutzanlage umfunktioniert worden, in der entsprechende Liegeplätze aufgebaut worden wären.

Wie alle solche Mehrzweckanlagen war auch dieses Parkhaus nicht als Schutz gegen einen nuklearen Volltreffer ausgelegt, sondern als Schutzraum gegen Strahlung, Gase, belasteten Staub und biologische Kampfstoffe. Dafür wurde eine entsprechende Lüftungs- und Filteranlage eingebaut. 1593 Schutzplätze waren letztlich vorgesehen.

Zum Zeitpunkt des Gemeinderatsbeschlusses über den Bau der Anlage – gut ein Jahr nach dem NATO Doppelbeschluss – begannen auch erste Politiker an der Konzeption solcher „Atombunker“ zu zweifeln. Sie waren jedoch noch eine kleine Minderheit und wurden von den etablierten Parteien nicht selten entweder als Moskau-gesteuert oder als Spinner abgetan. Dennoch hatte Stadtrat Jung von der Alternativen Liste gegen die Einrichtung votiert. Seine Argumentation ist ihrerseits typisch für die stark polarisierte Diskussion dieser Zeit. „Eine Art passive Kriegführung“ seien solche Anlagen und eine Irreführung der Bevölkerung, da sie bei einem Nuklearkrieg ihrer Schutzfunktion nicht gerecht werden könne.

Es waren letztlich weitgehend identische Begründungen, mit denen sich der Bund nach der Wiedervereinigung ab Ende des 20. Jahrhunderts aus dem Betrieb dieser Zivilschutzanlagen zurückzog. Das Konzept galt als überholt die Schutzfunktion als fraglich. Zuletzt wurde die Bereithaltung solcher Schutzplätze nur noch im Rahmen des Katastrophenschutzes vorgesehen. Nach 32 Jahren Betrieb als Parkhaus wurde die Anlage am 09. Oktober 2013 geschlossen.

Die Bietigheimer Zeitung berichtete zwei Tage später: „Bei den von der obersten Baubehörde Baden-Württemberg vorgegebenen regelmäßigen Überprüfungen der Standsicherheit sei festgestellt worden, dass sich durch die fortschreitende Korrosion der bauliche Zustand zunehmend verschlechtert habe. Die statischen Vorgaben an die Standsicherheit der Tiefgarage seien nicht mehr erfüllt. Die schnelle Schließung war nötig, um Nutzer der Tiefgarage keinem Risiko auszusetzen, heißt es.“

Als Alternative verständigten sich Stadt und Klinik auf ein Parkhaus südlich der Uhlandstraße, dessen Baubeginn noch für 2014 angestrebt ist.

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