MZA Heslacher Tunnel

Der Heslacher Tunnel war zwischen 1981 und 1991 in drei Abschnitten gebaut worden. Als erster Bauabschnitt wurde das Segment zwischen Karl-Kloß-Straße und Südheimer Platz fertiggestellt, danach der Abschnitt zwischen Marienplatz und Karl-Kloß-Straße, zuletzt der Anschluß nach Vaihingen.

Die Überlegungen zum Bau eines Tunnels gegen bis in die frühen 1960er Jahre zurück. Damals zeichnete sich bereits ab, dass die Führung der Bundesstraße 14 mitten durch den Kern von Stuttgart-Heslach das steigende Verkehrsaufkommen nicht mehr bewältigen können würde. Die damit einhergehende Belastung für die Anwohner hatte als Argument zum damaligen Zeitpunkt noch nicht das spätere Gewicht. Im Generalverkehrsplan von 1962 war für diese Trasse erstmals eine Umgehungsstraße vorgesehen. Der Beschluss für einen Tunnel wurde jedoch erst 1980 gefasst. Gebaut werden sollte ein Tunnel mit zwei Röhren, von denen aber nur eine realisiert wurde. Im folgenden Jahr begannen die Bauarbeiten.

Der erste Bauabschnitt wurde zwischen Südheimer Platz und Karl-Kloß-Straße in bergmännischer Bauweise errichtet. Für das Projekt wurden die Schießstände des Schützenvereins zwischen Burgstall und Dornhalde abgerissen und später auf der Aufschüttung neu angelegt. Die Tunnelanschlussstelle bei der Karl-Kloß-Straße entstand in offener Bauweise. Parallel zur Tunnelröhre liegen die Fluchtstollen. Die Innenschale des Tunnels variiert zwischen 40 und 70 cm.

1985 wurde mit dem Bau der Anschlussstelle Karl-Kloß-Straße begonnen. Für diese Maßnahme wurden 71 Lauben des Gartenvereins 55 abgerissen, so dass auf dem Areal der Gartenkolonie in offener Bauweise gearbeitet werden konnte. Nach Fertigstellung des Tunneldeckels entstanden dort 46 neue Gartenhäuser und ein neues Vereinsheim. Die Portale an dieser Stelle führen die B14 und die Karl-Kloß-Straße kreuzungsfrei zusammen. Seitlich neben der Karl-Kloß-Straße wurde die unterirdische Betriebszentrale eingerichtet. Auch das zentrale Zuluftbauwerk liegt über diesem Tunnelabschnitt. 1988 konnten Theaterbesucher Teile des Tunnels am Südheimer Platz besichtigen, als das Irrlicht-Theater dort Heiner Müllers „Hamlet-Maschine“ aufführte.

Am 15. Juni 1989 ging der Tunnelabschnitt vom Südheimer Platz bis zur Karl-Kloß-Straße in Betrieb.

Für die Weiterführung zum Marienplatz musste die dortige ehemalige Hauptverwaltung und Wagenhalle der Stuttgarter Straßenbahnen abgerissen werden, die 1893 errichtet und 1925 erweitert worden war. In diesem Abschnitt weist die Innenschale eine Dicke zwischen 60 bis 100 cm auf. Dieses Tunnelsegment wurde als Mehrzweckanlage (MZA) ausgeführt. Im Krisen- oder Kriegsfall sollte die Röhre 5.000 Personen aufnehmen können. Auf der Fahrbahn wären die Stockbetten aufgestellt worden, massive Rolltore können den Tunnel am Portal Marienplatz und im Berg vor der Anschlussstelle Karl-Kloß-Straße hermetisch abschließen.

Die MZA Heslacher Tunnel ist nicht nur der letzte ABC-Bunker, der in Stuttgart gebaut wurde, sondern gemessen an der Aufnahmekapazität an Personen auch der größte, gefolgt von der MZA Hauptbahnhof (4.500 Personen) und MZA Stadtmitte (4.500 Personen). Die Technik- und Lagerräume, sowie ein paralleler Fluchtstollen liegen neben der Fahrbahnröhre im Berg.

Mit einer Gesamtlänge von 2.300 Metern ist der Heslacher Tunnel der größte Straßentunnel Stuttgarts. Die höchste Überdeckung beträgt 80 Meter. Er wurde in voller Länge am 7. Mai 1991 eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt war der Kalte Krieg schon Geschichte. Die bereits beim Bau geführte Diskussion um die Realisierung der eigentlich vorgesehenen zweiten Röhre hält bis heute an.

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