MZA Weilimdorf

Eine für den Kalten Krieg typische Mehrzweckanlage (MZA) ist die Anlage in der Ditzinger Str. 2-4 in Stuttgart Weilimdorf. Die MZA wurde so konzipiert, dass sie von den Anwohnern als Tiefgarage genutzt werden kann.

Im Krisenfall hätte sie geräumt werden müssen und der Katastrophenschutz hätte die Sitz-/Liegekombinationen angeliefert und aufgebaut. Die Zufahrt war durch ein schweres Rolltor aus Eisen mit Betonkern ABC-dicht verschließbar. Auch der Treppenabgang und alle anderen Öffnungen konnten entsprechend verschlossen werden.

Die Anlage ist mit Elektrik und Wasseranschluss für die Toiletten/Waschbecken ausgestattet und verfügt über eine Lüftungsanlage, die elektrisch bzw. notfalls per Hand betrieben werden kann.Im Krisenfall sollten hier 299 Personen Schutz finden und mehrere Tage ausharren können. Anlagen dieser Größenordnung und Ausstattung wurden in zahlreichen Städten und Orten in Deutschland gebaut. Sie verfügten in der Regel nicht über eine Küche, d.h. im Katastrophenfall hätten auch Notrationen eingelagert und dann eine Versorgung von speziellen Versorgungstrupps übernommen werden müssen.

Für einen Daueraufenthalt waren diese Anlagen ebenfalls nicht vorgesehen. Die Menschen hätten nach spätestens 10-14 Tagen aus der Anlage entweder wieder nach draußen können oder, falls dies durch zu hohe ABC-Belastung nicht möglich gewesen wäre, in unbelastetes Gebiet evakuiert werden müssen.

Die zahlreichen Unwägbarkeiten dieser Konzeption führten letztlich dazu, das gesamte Zivilschutzkonzept in den beiden Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung einzustellen. Die Anlagen wurden entwidmet. Die Mehrzweckanlage dient daher heute nur noch – wie seit ihrem Bau – als Tiefgarage.