Stöckach TWS/ENBW

1895 begannen die Stuttgarter Elektrizitätswerke mit dem Bau einer Umspannstation zwischen Stuttgart und Berg, an der heutigen Hackstraße. Hier wurde der im Wasserkraft Marbach erzeugte Drehstrom in Gleichstrom umgewandelt und an die Verbraucher in Stuttgart weitergeleitet.

1902 wurde eine 1.000 PS-Dampfmaschine zur Stromerzeugung installiert und aus der Umspannstation die Elektrische Zentrale Stöckach.

Mit der fortschreitenden Industrialisierung wandelte sich auch der Stöckach. War die Umspannstation noch in ein ländliches Umfeld gebaut worden, so entstand in den folgenden zwei Jahrzehnten hier ein pulsierendes Industrieareal. Gleichzeitig begann auch die Aufsiedlung mit mehrgeschossigen Wohngebäuden, von denen etliche bis heute erhalten sind.

1941/42 wurde auf dem heutigen ENBW-Gelände am Stöckach ein Tiefbunker für 480 Personen imRahmen des Werksluftschutzes gebaut. Der Bunker hatte eine Grundfläche von 622 Quadratmetern und war damit genauso groß wie der Tiefbunker am Mühlgrün. Bereits beim Bau ihres neuen Verwaltungsgebäudes in der Lautenschlagerstraße 1934-36 hatte die TWS umfangreiche Schutzräume im Keller errichten lassen.

1970 wurden an der Hackstraße der Erweiterungsbau der TWS und die zugehörige Tiefgarage errichtet. Seit den 1970er Jahren waren in Deutschland die Bauaktivitäten für ABC-Schutzräume intensiviert worden. Neben der Modernisierung von erhaltenen Weltkriegsbunkern wurden auch vermehrt neue Mehrzweckanlagen geschaffen, die im Krisenfall als Bunker genutzt werden können.

In einem Teil der Tiefgarage des Erweiterungsbaus wurde 1984 ein ABC-Bunker eingebaut, der 1.188 Menschen aufnehmen konnte. Sie sollten sich hier mindestens 14 Tage aufhalten können. Die Anlage verfügte über eine entsprechendes Filter- und Belüftungssystem. Stadtwasseranschluss, Toiletten und ein Notstromaggregat. Außerdem waren Lebensmittelvorräte eingelagert.

Parallel dazu wurde ein weiterer Bunker geschaffen, in dem eine Leitzentrale der TWS eingerichtet wurde. Sie hätte im Krisenfall aktiviert werden und von der Haupt-Leitzentrale übernehmen können.

Der ABC-Bunker in der Tiefgarage wurde am 16.06.2015 entwidmet. Nachdem die ENBW das Areal aufgegeben hatten wurde in Abstimmung mit der Stadt Stuttgart 2019 der Realisierungswettbewerb für den „neuen Stöckach“ durchgeführt. In zwei Phasen wurden aus insgesamt über 80 Entwürfen 13 Wettbewerbsbeiträge für die zweite Phase ausgewählt, und in dieser in Dezember 2019 derSiegerentwurf ermittelt.

Mit der Baugenehmigung und dem Beginn der Abbrucharbeiten des ENBW-Areals wird für 2022 gerechnet. In diesem Zusammenhang werden auch alle drei Bunker auf dem Gelände entfernt werden. Das neu entstehende Wohnquartier soll Bestandteil der Internationalen Bauausstellung Stuttgart 2027 (IBA ‘27) werden.