Zivilschutzkonzepte im Überblick

Während US-Präsident Truman in der Iran-Krise 1946 der Sowjetunion mit dem Einsatz von Atomwaffen drohte, hatte Deutschland gerade mit dem Wiederaufbau begonnen. Noch immer wurden in Deutschland Luftschutzbunker auf Grund des „Entfestigungsbeschlusses“ der Siegermächte gesprengt.

Als ein Umdenken einsetzte, besann man sich der Erfahrungen aus den beiden Weltkriegen, und versuchte, diese an die neuen Gegebenheiten anzupassen:

  • Es wurde keine vollkommen neue Zivilschutz-Strategie entwickelt.
  • Viele Maßnahmen wurden nur minimal modernisiert oder einfach übernommen.
  • Die Frage des Überlebens nach dem Ernstfall wurde ausgeblendet.
  • Man würde „tun was man konnte“, und hätte im Notfall „zumindest alles versucht“, man rechnete aber damit, dass es eben Opfer geben würde, und manche Maßnahmen möglicherweise nicht ausreichen würden.
  • Der Zivilschutz war nie darauf ausgerichtet große Menschenmassen langfristig zu versorgen.

Die umfangreichsten Erfahrungen im Zivilschutz im Zweiten Weltkrieg hatte Deutschland gemacht. Hier setzte man die Konzepte oft einfach fort. Andere europäische Staaten orientierten sich daran.

Schweden errichtete unterirdische Großbunker in Felsmassiven, darunter den größten zivilen Bunker der Welt für 20.000 Menschen bei Stockholm.

Die Schweiz gilt als das Land mit dem komplettesten Zivilschutzkonzept. Bis ins 21 Jahrhundert hinein waren Bauherren verpflichtet entweder Schutzräume für die Bewohner eines Neubaus mit zu errichten, oder entsprechende Schutzplätze in einer naheliegenden öffentlichen Schutzanlage zu kaufen, falls dies möglich war.

Frankreich setzte komplett auf Evakuierungen statt auf Bunker. Wie schon im 2. Weltkrieg ging man im Wesentlichen davon aus, dass nur die grossen Zentren angegriffen werden würden und Kampfhandlungen an der Grenze (Rhein) stattfänden. Man hätte die gefährdete Bevölkerung in entsprechend dünn besiedelte ländliche Regionen im Westen und Südwesten evakuiert.

Großbritannien: Umsiedlungen im Ernstfall, vor allem in Richtung Norden aber auch in Richtung Wales. Die landgestützte militärische Infrastruktur war an der Nordseeküste und der Kanalregion konzentriert. Diese Regionen wurden als gefährdet betrachtet. Wales, Nordengland und Schottland galten als Hinterland. Dennoch wurde der Bau privater Luftschutzräume propagiert. Die Finanzierung wurde jedoch als Sache des Bauherren betrachtet. In London sollten erneut die U-Bahntunnel herangezogen werden.

Niederlande: Seit 1955 Bau öffentlicher Schutzbauten in den Städten.

USA: Bau von öffentlichen Schutzräumen in Schulen, Krankenhäusern, öffentlichen Gebäuden. Die geplanten Programme blieben aus Kostengründen oft unvollständig. Privaten Hausbesitzern wurde der Ausbau von Kellern empfohlen. Von staatlicher Seite gab es hierzu Anleitungen zum Selbstschutz. Es enstand ein unübersichtlicher Markt für private Kleinbunker.

UdSSR: Ausbau der U-Bahnen in Großstädten für den Zivilschutz, zahlreiche Einzelmaßnahmen vor allem in Bereich des Werkluftschutzes. Ausbau von Kellern in Wohnblocks.

„Ostblockstaaten“: Viele Maßnahmen von der UdSSR abgeleitet.

Zwischen den beiden Systemen (West / Ost) gab es einen grundlegenden Unterschied im Zivilschutz-Verständnis :

Im Westen meinte Zivilschutz den Schutz der Bevölkerung, die von Kampfhandlungen irgendwie betroffen ist: Durch Gas, biologische Kampfstoffe oder Strahlung. Somit wurden auch viele Bunker-Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg herangezogen, die oft in Wohngebieten standen.

Im Osten galt der „Arbeiter“ als Lebensgrundlage der Gesellschaft.  Zivilschutz war daher Schutz der Arbeiter und möglichst minimaler Produktionsausfall, um den Krieg weiterführen zu können. Somit wurden viele Anlagen in Betrieben errichtet.

Advertisements

Eine Antwort zu Zivilschutzkonzepte im Überblick

  1. Pingback: Aus Luftschutz wurde Zivilschutz | Forschungsgruppe Untertage e.V.

Kommentare sind geschlossen.