Warnamt Rottenburg

1957/58 wurden in Deutschland die Warnämter gegründet. Sie waren eine direkte Folge der wachsenden Bedrohung für die Zivilbevölkerung im Kalten Krieg. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und bis zur Gründung der Warnämter lag die Zuständigkeit beim aus dem Reichsluftschutzbund hervorgegangenen Bundesluftschutzverband bzw. beim Warn- und Alarmdienst des Luftschutzhilfsdienstes.

Die Warnämter unterstanden dem Bundesamt für Zivilschutz und fielen wie der gesamte Zivilschutz in den Geschäftsbereich des Bundesministers des Innern. Sie waren untere Bundesbehörden. Die Warnämter bildeten den Fachdienst „Warndienst“ im erweiterten Katastrophenschutz. Beim Warndienst konnte man sich als freiwilliger Helfer verpflichten.

Bis zu ihrer Auflösung in den frühen 1990er Jahren waren Warnämter in der Bundesrepublik Deutschland mit der Alarmierung der Bevölkerung vor Gefahren im Frieden und im Verteidigungsfall betraut.

Als „Gefahren“ waren zunächst nur militärische Gefahren wie Luftangriffe, Fernwaffenbeschuss (Artillerie) und alsbald auch Angriffe mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen (ABC-Waffen) definiert.

Im Laufe der Zeit wurde der Gefahren-Begriff weiter gefasst. Der Warndienst sollte von nun an auch vor zivilen Gefahren (wie beispielsweise Schadstoffaustritten und anderem) warnen; ferner konnte zentral für mehrere Orte Feuer- beziehungsweise Katastrophenalarm ausgelöst werden. Dazu wurden neue Sirenensignale geschaffen.

Die Wartung, der Bau und der Unterhalt von Sirenen und Leitungen war der Deutschen Bundespost übertragen, die auch für die Anmietung von Aufstellflächen für Warnanlagen zuständig war. Neben den Sirenen unterhielten die Warnämter das sogenannte Warnnetz.

Dabei handelte es sich um eine Art Telefonanlage mit Rundspruchstellen, über die die Warnämter an alle angeschlossenen sogenannten „Warnstellen“ Durchsagen übertragen konnten. An das Warnnetz waren neben den Hauptverwaltungsbeamten und den Leitstellen auch bestimmte Betriebe angeschlossen, die durch Rechtsverordnung hierzu verpflichtet wurden.

In der Bundesrepublik Deutschland waren zehn Warnämter eingerichtet worden:

I. Hohenwestedt
II. Bassum
III. Rodenberg
IV. Meinerzhagen
V. Welz (Linnich)
VI. Butzbach-Bodenrod
VII. Bad Kreuznach
VIII. Rottenburg/Neckar
IX. Ansbach-Claffheim
X. Pähl

Die Warnämter bestanden jeweils aus einem eingezäunten Gelände in abgelegener Lage mit Verwaltungsgebäude, Unterkunftsgebäude und dem Warnamtbunker. Die stark geschützten Bunker waren alle gleichartig aufgebaut und ermöglichten der Warnamtbelegschaft einen Aufenthalt von 30 Tagen ohne Kontakt zur Außenwelt.

Heute sind diese Liegenschaften in Privatbesitz oder werden zum Beispiel von der Bundespolizei oder dem THW genutzt. Die Anlagen des Warndienstes waren als Zivilschutzeinrichtungen völkerrechtlich besonders geschützt.

Nach der Auflösung der Warnämter in den frühen 1990er Jahren wurde das hauptamtliche Personal in das Bundesamt für Zivilschutz überführt. Zu diesem Zeitpunkt hielt man Einrichtungen für die Warnung der Bevölkerung größtenteils für verzichtbar. Allerdings wurden ab dem Jahr 2000 diverse Projekte zu Forschungszwecken eingerichtet, die sich zum Beispiel mit der Warnung mittels besonderer Funkuhren und ähnlicher Methoden befassen. Eine einheitliche Organisation zur Warnung gibt es jedoch nicht mehr.

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