Karlsruhe Alter Flugplatz

Am 22. Juni 1916 griffen französische Flugzeuge das ehemalige Gelände des 1913 verlegten Hauptbahnhofs an der Kriegsstraße an. Dort stand zu diesem Zeitpunkt das Zelt des Zirkus Hagenbeck. Die Bomben fielen aus großer Höhe. 120 Menschen, darunter 71 Kinder, starben, 169 Personen wurden verletzt. Gemessen an der Zahl der Opfer war dies der schwerste Luftangriff auf eine deutsche Stadt im 1. Weltkrieg.

Obwohl die deutsche Luftwaffe ihrerseits u.a. Städte in Frankreich und England angriff, und sich im Laufe des Krieges abzeichnete, dass alle großen Kriegführenden Staaten Luftangriffe auf gegnerische Städte als Mittel zur Bindung feindlicher Kräfte im Hinterland, zur Störung der Kriegsproduktion und zur Demoralisierung der Arbeiter in der Rüstungsindustrie ansahen, führte dies noch nicht zu einem systematischen Schutz bedrohter Städte durch Jagdflieger, wie dies etwa in Freiburg versucht wurde.

Zwar gab es in Karlsruhe seit 1910 einen Luftfahrtverein, der den Forchheimer Exerzierplatz nutzte und sich bereits 1913 für den Ausbau des Platzes zu einem Flugplatz eingesetzt hatte, aber diese Initiative war erfolglos geblieben.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde Karlsruhe Hauptstadt der Republik Baden. Die Stadt zeigte rasch Interesse an einem Anschluss an den sich entwickelnden zivilen Luftverkehr, dem aber der Versaiiler Vertrag entgegen stand. Erst 1925 konnte mit der Einrichtung eines kleinen zivilen Flughafens begonnen werden, der jedoch nicht auf dem Forchheimer Exerzierplatz entstand, sondern an der Erzberger Straße, die damals noch am östlichen Rand des Hardtwalds lag, auf dem Gelände des ehemaligen „Großen Exercierplatzes“, der um 1820 angelegt worden war.

1926 nahm der Flugplatz als Flughafen II. Ordnung und Zollflughafen seinen Betrieb auf, gleichwohl in eingeschränktem Umfang. Auch als 1933 ein Ausbau erfolgte, führte dies noch nicht zu einer uneingeschränkten Nutzung. Bis 1938 wurde der Flughafen schließlich erweitert mit einem neuen Verwaltungs- und Gaststättengebäude, neuen Flugzeughallen und Betriebsstoffanlagen, sowie einer Werft. Inzwischen war die Deutsche Lufthansa genauso auf dem Platz angesiedelt wie die Luftwaffe, eine Reichsschule für Motorflugsport und die NSFK-Gruppe 16. Vom 01. April 1938 bis 31. Januar 1939 soll auch die Flugzeugführerschule E A/B Nellingen auf dem Platz präsent gewesen sein. Im Süden verfügte der Flugplatz jetzt auch über einen Feldbahnanschluss.

Zwar wurde der Zivilflughafen im Herbst 1939 von der Luftwaffe beschlagnahmt und als „Einsatzhafen“ geführt, er spielte allerdings zunächst weder für die Jagdwaffe eine wesentliche Rolle, noch für den Angriff auf Frankreich. Erst ab 17. Juni verlegte die II./Jagdgeschwader 52 von Luxemburg-Sandweiler für 10 Tage nach Karlsruhe. Ende Juni traf dann die 7.(F)/LG 2 von Gilze-Rijen ein, die in Karlsruhe von Do 17 P auf Messerschmitt Bf 110 umgerüstet wurde und am 10. August 1940 nach Brüssel verlegte.

Vom 09. Bis 15. Februar 1941 hielt sich die Ergänzungsstaffel/ Jagdgeschwader 52 von Krefeld kommend auf dem Flugplatz auf und verlegte dann nach Cognac und der Stab II./Jagdgeschwader 54 nutzte den Flughafen vom 31.03. auf 01.04. 1941 als Zwischenstopp während seiner Verlegung von Le Mans nach Wien-Aspern.

Obwohl Karlsruhe 1942 mehrere Schwere Luftangriffe erlebte, blieb der Flughafen bis 1944 ungenutzt. Erst am 29. April 1944 wurden die 1./Luftlandegeschwader (LLG) 2 und die 2./LLG 2 auf dem Flugplatz stationiert, die aber keine Jagdverbände waren. Nur vom 03. Bis 17. Dezember 1944 lagen noch einmal Jagdflieger auf dem Flughafen Karlruhe, nämlich die 10./Jagdgeschwader 53 ‚Pik As‘, die anschließend nach Kirrlach verlegte.

Da der Flughafen keinen kontinuierlichen Betrieb aufwies, war auch nur bedingt Flakschutz eingerichtet worden. Durch seine innerstädtische Lage waren aber die benachbarten Flakstellungen in Knielingen (ca. 4 km nordwestlich), bei der DWM (ca. 3 km südlich) und am Rheinhafen (ca. 2 km west-südwestlich) nicht weit entfernt. Auf dem Flugplatz selbst wurde am 03.09.1942 ein Zug und am 04.09. ein zweiter Zug leichte Flak der 2./l.721 am Nord- und am Westrand stationiert, die aber wahrscheinlich hauptsächlich verhindern sollten, dass der Flugplatz zum Anflug von Tieffliegerangriffen genutzt wurde. Um den Flughafen herum befanden sich diverse Stellungen der Leichten Flak, die im Stadtgebiet oder bei den Schweren Flakbatterien stationiert waren.

Trotz der nur sehr geringfügigen Nutzung des Flughafens während des Krieges entstand auf dem Areal mindestens ein Luftschutz-Deckungsgaben, der in den 1980er Jahren existierte, inzwischen allerdings beseitigt ist.

Nach der Besetzung Karlsruhes durch die französische Armee am 04. April 1945 fiel der Flughafen in französische Hände, wurde aber erst nach Übergabe an die Amerikaner im Juli 1945 wieder genutzt, die ihn und die naheliegenden Kasernen bis 1993 nutzten.

Seither wurden Teile des Flugplatzes überbaut, der zentrale Teil ist aber heute ein wichtiges innerstädtisches Biotop, das als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.