Flakbatterie Gerlinger Höhe

Zu den Batterien der Schweren Flak um Stuttgart, die schon unmittelbar nach Kriegsbeginn eingerichtet wurden, gehörte die Batterie auf der Gerlinger Höhe, wo Gerlingen, Ditzingen und Stuttgart aneinander grenzen. Das Batteriegelände befand sich auf Ditzinger Gemarkung nördlich der Autobahn.

Die Batterie deckte die nordwestliche Flanke Stuttgarts gegen Einflüge von Norden (aus England) und Westen (aus Frankreich). Zum diesem Zeitpunkt erfolgten Luftangriffe auf deutsches Gebiet in der Regel im Direktflug ohne Umwege, da die zur Verfügung stehenden Bomber nur eine begrenzte Reichweite hatten. Von den zehn bis Ende 1940 eingerichteten Batterien der Schweren Flak zum Schutz Stuttgarts waren fünf nach Norden ausgerichtet. Neben der Gerlinger Höhe waren dies die Batterien Stammheim, Kornwestheim, Mühlbachhof und Burgholzhof. Sie waren der Flakuntergruppe NORD (ReserveFlakabteilung 502) zugeordnet.

Im Archiv der Stadt Gerlingen befindet sich ein Foto, das die Mündungsfeuer der Batterie Gerlinger Höhe beim nächtlichen Schießen zeigt. Es ist handschriftlich auf den 08.09.1940 datiert und wurde von der Oberen Hauptstraße in Gerlingen aus aufgenommen.

Laut Kriegstagebuch des Luftgaukommandos VII war die Batterie mit der 2./Res.502 belegt, die bis November 1941 dort blieb. Am 07.03.1941 vermerkte das Flakregiment 35, dass die 2./Res. 502 an diesem Standort zum orstfesten Einbau vorgesehen ist. In der Übersicht des Flakregiments 75 zum Ende 1942 ist die Stellung nicht enthalten. Die Belegung der Batterie über die Reorganisationen während des Krieges hinweg ist noch Gegenstand von Forschung.

Das Batteriegelände lag ca. 4 km vom östlichen Tunnelmund des Engelbergtunnels entfernt, und damit in großer räumlicher Nähe zur dort 1944 eingerichteten KZ-Fabrik für Flugzeug-Tragflächen. Allerdings war die Batterie dem KZ Leonberg nie zugeordnet. Der Autobahntunnel galt als bombensicher, die Portale waren baulich gegen Luftangriffe geschützt worden und zum Schutz gegen Tiefflieger war Leichte Flak auf dem Engelberg stationiert worden.

Es ist aber davon auszugehen, dass die Batterie der 1943 errichteten Scheinanlage Weilimdorf zugeordnet war. Auch wenn Fritz Rose in seinem Artikel im Weilimdorfer Anzeiger von 1952 die „schwere Autobahnflak“ in der Steinröhre (Batterie Weilimdorf) und am Lotterberg (Batterie Korntal) verortete, und eine bestätigte Zuordnung einer Einheit zur Batterie für diese Zeit fehlt, ist davon auszugehen, dass die Stellung während des Betriebs der Scheinanlage durchgehend belegt war.

Der letzte Verband, der für die Stellung nachweisbar ist, war die Anfang 1945 dort liegende Luftschutz-Abteilung z.b.V. V Gerlingen. Die Anwesenheit dieses Verbandes kann als klares Indiz dafür gedeutet werden, dass die Batterie zu diesem Zeitpunkt der Scheinanlage zugeordnet war.

Im Ditzinger Stadtarchiv sind zu der Stellung keine Unterlagen vorhanden. Einer Mitteilung des Bürgermeisteramts Ditzingen an das Landratsamt Leonberg vom 24.09.1947 befanden sich auf Gemarkung der Gemeinde Ditzingen keine „früheren militärischen Baulichkeiten u. Wehrmachtsanlagen“. Diese Mitteilung legt nahe, dass die Batterie Anfang 1945 aufgelöst wurde und die Grundstücke von der Wehrmacht an die Eigentümer zurückgegeben worden waren. Rückbau und Wiederherstellung der Flächen sah die Luftwaffe üblicherweise nicht in ihrer Zuständigkeit. Es ist aber davon auszugehen, dass die Bauern schon im Frühjahr 1945 damit begonnen hatten, die Grundstücke wieder landwirtschaftlich zu nutzen.

Dem 1949 erstellten Bericht über das „Kriegsgeschehen 1939 – 1945 in Gerlingen“ von Konrektor Braunmüller zufolge lag auch eine Schwere Flakstellung mit vier 8,8 cm-Kanonen im April 1945 im Gehenbühl, „links dem Laichle“. Diese Stellung war bereits in der ersten Kriegshälfte erkundet, aber nicht belegt worden.

Die Stellung auf der Gerlinger Höhe wird von Braunmüller nicht erwähnt. Sie lag allerdings auch nicht auf Gerlinger Gemarkung sondern auf Ditzinger. Es ist vorstellbar, dass die Kanonen von der Gerlinger Höhe im April 1945 in Richtung Gehenbühl verlegt worden waren, hinter die auf Gerlinger Markung errichteten Straßensperren und Infanteriestellungen, die im Bericht von Braunmüller recht detailliert beschrieben sind. In den Erdkampf gegen die am Morgen des 21. April 1945 aus Ditzingen vorrückenden Franzosen griff diese Batterie nicht ein. Lediglich die Batterien Hausen/Weilimdorf und Stammheim verschossen an diesem Morgen ihre Munitionsbestände, bevor die Geschütze gesprengt und die Batterien aufgegeben wurden.

Im Sommer 2012 wurde auf dem ehemaligen Stellungsgelände die deutsche Zentrale der Firma Thales errichtet. Im Vorfeld hatte man alliierte Luftbilder ausgewertet und Zeitzeugen befragt, um Hinweise auf Bombenwürfe und möglicherweise noch im Boden befindliche Blindgänger zu finden. Die Luftbilder zeigten etliche Krater von Bombenwürfen und auch die einstigen Standorte der Geschütze.

Das Thales-Areal bedeckt heute das gesamte ehemalige Batteriegelände.