Flakbatterie Mühlbachhof

Die ersten ortsfesten Kanonen zur Ballon- und Fliegerabwehr wurden in Stuttgart im Oktober 1915 stationiert. Es waren erbeutete russische 7,62 cm- Kanonen, die am Gähkopf unweit des Bismarckturms und am Pragsattel in Stellung gebracht wurden.

Zum 01. September 1916 stand am Pragsattel (Stellung C) die Flak Batterie Nr. 10 mit vier 9 cm-Kanonen, die 1917 auf zwei reduziert wurden. Der O Flak Zug 55 war mit zwei 7,62-cm-Kanonen in Stellung A am Mühlbachhof stationiert. 1917 wurde er auf vier Geschütze verstärkt.

Beim Bau von Stellungen für die Schwere Flak in Stuttgart ab 1939 orientierte sich die Luftwaffe teilweise an Standorten, die bereits im 1. Weltkrieg genutzt worden waren. So wurde auch am Mühlbachhof erneut eine Stellung der Schweren Flak eingerichtet und ab Kriegsbeginn belegt. Auf dem Bismarckturm wurde für die Batterie ein Beobachtungsposten eingerichtet.

Die Stellung taucht im Kriegstagebuch des LG VII auch unter dem Namen Kochenhof und in anderen Quellen als Doggenburg auf. Die Geschütze wurden feldmässig in Stellung gebracht. Einen längeren Krieg erwartete zunächst niemand.

Dies änderte sich erst mit der Verschiebung der Invasionspläne zur Eroberung Großbritanniens im Frühjahr 1941. So notiert das Luftgaukommando VII am 04. März 1941: „Auf Befehl des Lfl.Kdos. 3 sollen im Bereich des Luftgaues VII 12 Batterien ortsfest eingebaut werden. In einem Vortrag Hauptmann i. Genst. Petzolt und Oberstltn. Leiber beim Chef des Stabes wurde hierzu folgendes festgelegt:

Ausbau von je 6 Stellungen um Stuttgart und München. In Aussicht genommen sind:
a) in Stuttgart die Stellungen Stammheim, Kornwestheim, Gerlingen, Vaihingen, Luginsland und Kochenhof.“

Im Mai wurde die Liste der in Frage kommenden Stellungen abgeändert und statt der Batterie Kochenhof die Batterie Heumaden aufgenommen. Nicht erwähnt wird hier die Stellung Burgholzhof, die zu diesem Zeitpunkt bereits ausgebaut und mit der 4./Res. 353 belegt war.

Am 29.09.1941 wird auf einer Sitzung der Beiräte für Luftschutzfragen bekannt gegeben, “ daß in Stuttgart derzeit 79 Flakgeschütze aufgestellt sind, darunter 24 vom Kaliber 8,8 cm.“ Die Verteilung war nach Norden und Nordwesten ausgerichtet, sowie nach Südosten im Neckartal. Diese Anordnung lässt darauf schließen, dass die Luftwaffe Angriffe aus Norden bzw. Nordwesten erwartete.

Es ist davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt am Mühlbachhof keine Schwere Flak mehr stationiert war.

Ab 26.11.1941 gehörte die Flak in Stuttgart zum Flakregiment 75 – Flakgruppe Stuttgart, gegliedert in

– Flakuntergruppe Kornwestheim (Reserveflakabt. 365)
– Flakuntergruppe Neckartal (Reserveflakabt. 234)
– Flakuntergruppe Doggenburg (Reserveflakabt. 542).

Einer Aufstellung des Flakregiments 75 zum Ende 1942 zufolge lagen am Mühlbachhof drei Leichte 3,7 cm Flak in Stellung. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Flakgruppe Stuttgart über 9 schwere und 6 mittlere/leichte Batterien.

Nach einer erneuten Reorganisation der schweren Flak in Stuttgart zum 01.11.1943 wurde die Stellung Mühlbachhof offenbar wieder mit einer Batterie der schw. Flakabteilung 436 belegt, die bis 1945 dort blieb. Anfang April kam die flämische Flakabteilung 590 nach Stuttgart, wo sie neu mit Waffen ausgerüstet wurde und einige Tage später abrückte. Während ihrer Zeit in Stuttgart stand sie am Mühlbachhof. Es ist möglich, dass mit ihrem Abzug aus Stuttgart die Stellung Mühlbachhof geräumt wurde.

Der Killesbergstollen hatte einen Abzweig am Saumweg, der für verschiedene Spekulationen sorgt. So soll er eine Verbindung zur Villa Wolf gewesen sein, in der zeitweise der Stab der Flakgruppe Stuttgart untergebracht war. Anderen Gerüchten zufolge sollte er zur Flakstellung führen. Diese Darstellungen sind letztlich alle nicht belegt. Ein Zugang von der Flakstellung in den Stollen hätte freilich keinerlei militärischen Nutzen gehabt.