Burgholzhof

Durch einen Geländetausch wurde 1927 der Reichswehr das Burgholz und das angrenzende Gebiet bis zum Feuerbach im Norden und zur Bahnlinie Münster-Kornwestheim im Osten als Ersatz für den bisherigen Infanterie-Exerzierplatz auf dem Cannstatter Wasen zur Verfügung gestellt.

Das landwirtschaftliche Gut auf dem Wolfersberg am Burgholz wurde 1934 abgebrochen, das zugehörige Ausflugslokal zum Offizierskasino umgewidmet. Auf dem Hochplateau entstanden Kasernenbauten für die Flandernkaserne, wo das 119. Infanterie Regiment stationert wurde. Am Haldenrain, an der Grenze zu Zuffenhausen entstand die Grenadierkaserne.

Während des Zweiten Weltkriegs spielten die Kasernen am Burgholzhof keine besondere Rolle. Die schwere Flakbatterie und der von ihr als Beobachtungsturm genutzte Aussichtsturm am Burgholzhof waren in die Luftverteidigung der Stadt eingebunden.
Nach Kriegsende brachte die US-Militärverwaltung in den Kasernen zunächst Displaced Persons unter, bevor das Areal ab 1948 in Eigennutzung überging und unter dem Namen Robinson Barracks zu einem Militärstandort des VII. Corps wurde. Ab 1949 begann die US Army das Areal für ihre Zwecke auszubauen.

Zwischen den beiden Kasernen entstand ein umfangreicher offener Wohncampus mit weitgehend normierten Gebäuden. Hinzu kam ein Schulgebäude und ein PX Einkaufszentrum, das für geraume Zeit die größte PX-Filiale in Europa war. Militärisch diente der Campus vor allem als logistische Drehscheibe für die insgesamt 13 Standorte der US Army im Raum Stuttgart mit seinen 32.000 Soldaten und Zivilbeschäftigten. 4.000 von ihnen arbeiteten in den Robinson Barracks. In dem Areal lebten mehr als 675 Familien.

Eine der Hauptverkehrsachsen des Logistikstandorts Burgholzhof führte damals über die Schozacher Straße – Rotweg  – Ludwigsburger Straße – B27 bis Pattonville. LKW der US Army machten in den 1970er Jahren den größten Teil des Schwerlastverkehrs auf der Schozacher Straße aus.

In den 1960er/70er Jahren existierten an der Einmündung der Schozacher Straße in den Rotweg mehrere amerikanische Dienstleistungsgeschäfte, die zum Umfeld der Stuttgart Community gehörten. Im Gebäude Schozacher Straße 4 befand sich eine Niederlassung des amerikanischen Reisebüros Davis Agency und das Verkaufsbüro der Miller Cars International Co. Im Gebäude Rotweg 44 hatte eine Agentin der Fortune Car Insurance ihr Verkaufsbüro. Die Miller Cars International Co. wechselte später über die Straße ins Gebäude Rotweg 50, wo noch heute ein Autohändler angesiedelt ist. Bedingt durch ihres weiteres Wachstum orientiere sich Miller nach Stuttgart-Vaihingen, wo unmittelbar neben den Patch Barracks ausreichend Fläche für den Geschäftsbetrieb verfügbar war. Das Unternehmen existiert dort noch heute.

In der Haldenrainstraße in Stuttgart-Rot eröffnete in den 1970er Jahren Kentucky Fried Chicken die erste Filiale in Stuttgart. Das Lokal lebte größtenteils von der amerikanischen Kundschaft. Deutsche verirrten sich nur selten in das für sie eher exotisch anmutende Restaurant. Es existierte bis mindestens Mitte der 1980er Jahre.

1953-1955 war die Stuttgart American High School auf dem Burgholzhof untergebracht, bevor sie in ein Gebäude in Pattonville umzog.

Der amerikanische Soldatensender AFN sendete 1959-1993 von den Robinson Barracks. Er war zunächst in der obersten Etage des Hotels Graf Zeppelin untergebracht, und danach im Mittnacht-Bau, bevor er 1959 in das Obergeschoß des Schulgebäudes der Robinson Barracks zog. 1993 verlegte AFN von Stuttgart weg. Nach der Rückgabe der Standorte in Mannheim und Heidelberg wurde der Sender zunächst in den Patch Barracks in Vaihingen untergebracht. Seit 2013 sendet er wieder vom Burgholzhof.

1993 gaben die USA den südlichen Teil des Geländes auf, wodurch sich für die Stadt Stuttgart die Möglichkeit ergab das Areal der Flandernkaserne und den angrenzenden Exerzierplatz, sowie das PX-Areal für den Neubau von Wohnungen zu erschließen. Von 1996 bis 2006 entstand in diesem Bereich der neue Stadtteil Burgholzhof mit rund 3000 Einwohnern.

Die Grenadierkaserne wurde im Jahre 2000 weitgehend abgerissen. Von ihr existiert nur noch ein Gebäude, in dem heute die Stuttgarter Dienststelle des Prüfungsamts des Bundes untergebracht ist.

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