Flakbatterie Kornwestheim

Im Bereich nördlich der heutigen Theodor-Heuss-Straße zwischen der Stauffenbergstraße und dem Viesenhäuser Hof lag das Batteriegelände der Schweren Flakbatterie Kornwestheim. Der Flakhelfer Gerhard Würth verortet sie „auf der Mühlhäuser Höhe zwischen Ludendorff-Kaserne und Viesenhäuser Hof“. Sie lag damit in nördlicher Richtung ungefähr in gleicher Höhe wie ihre Nachbarbatterie „Stammheim“, die auf Möglinger Gemarkung etwa 1.500 m westlich Kornwestheims errichtet worden war. Es waren die beiden nördlichsten Batterien der Schweren Flak um Stuttgart.

Zugleich flankierten sie die Stadt Kornwestheim im Osten und Westen. Gegen Ende des Krieges war südlich Kornwestheims im Bereich des Gleisdreiecks noch eine Batterie Schwerer Eisenbahnflak hinzugekommen, deren 10,5 cm-Kanonen auf Eisenbahnwaggons montiert waren, und somit im Bereich der Gleisanlagen flexibel eingesetzt werden konnten. Die Batterie Kornwestheim besetzte die Brücke zwischen den Stuttgarter Norden und dem Neckartal, wo als östliche Nachbarbatterie die Schwere Flakbatterie auf dem Schmidener Feld lag.

Nördliche Sperre

Die Batterie Kornwestheim war schon relativ kurz nach Kriegsbeginn errichtet worden. Einer Gliederung des Flakregiments 35 zufolge, das am 20. Februar den Flakschutz der Stadt Stuttgart vom Flakregiment 18 übernommen hatte, gehörte die Batterie zur Flakuntergruppe NORD (ReserveFlakabteilung 502) und war mit der 3. Res. 502 besetzt. Die Stellungen waren wohl zunächst feldmäßig.

Am 04. März 1941 erging der Beschluss in München und Stuttgart je 6 schwere Batterien ortsfest einzubauen, „in Stuttgart die Stellungen Stammheim, Kornwestheim, Gerlingen, Vaihingen, Luginsland und Kochenhof“.

Nach einer erneuten Umgruppierung im November 1941 und Bildung der Flakgruppe Stuttgart im Flak-Regiment 75 am 26.11.1941 war die Flakuntergruppe Kornwestheim (Reserveflakabt. 365) für die nördliche Sperre des Stuttgarter Luftraums zuständig.

Luftwaffenhelfer

Am 01.11.1943 bezog die 4/s.241 Stellung in Kornwestheim. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurden die Batterien der Schweren Flak mit 6 statt bislang 4 Geschützen belegt. Die 4/s.241 verfügte über moderne 10,5 cm-Geschütze. Diese Kanonen waren zum Schutz von großen Städten ab 1942 In  größerer Stückzahl im Einsatz (ca. 500 Geschütze), Bis Dezember 1944 standen 1.911 dieses Modells bereit.

Seit 15. Februar 1943 waren der Batterie auch Luftwaffenhelfer des Jahrgangs 1926 aus der Mörike-Oberschule in Ludwigsburg zugeteilt. Dem Luftwaffenhelfer Gerhard Würth zufolge bestand die Batteriemannschaft ab diesem Tag aus „35 Soldaten, 65 Luftwaffenhelfern und 20 russischen Kriegsgefangenen, die als Munitionskanoniere eingesetzt waren“.

Die Baracken waren teils ebenerdig aufgestellt, teils eingegraben. Beim Luftangriff auf Stuttgart am 15. April 1943 fielen eine Sprengbombe und mehrere Brandbomben auf die Stellung. Das benachbarte Stuttgart-Mühlhausen wurde schwer getroffen. Es war zugleich der erste Kampfeinsatz der Luftwaffenhelfer dieser Batterie.

Im Juli 1943 kamen erneut Flakhelfer in die Batterie. Es waren Schüler des Jahrgangs 1927, diesmal aus Oberschulen in Bietigheim und Vaihingen/Enz. Die Ludwigsburger blieben zunächst als ältere Flakhelfer in der Batterie und wurden am 10. Februar 1944 zum RAD eingezogen. Die Juli-Zugänge wurden nun erneut durch Schüler der Mörike-Oberschule ergänzt, die dem Jahrgang 1928 angehörten. Diese blieben bis zur Auflösung der Batterie am 21. April 1945.

Beim Angriff der RAF am 21. Februar 1944 wurde die Batterie von mehreren Spreng- und Brandbomben getroffen, mehrere Baracken brannten völlig ab, drei Flakhelfer wurden getötet.

Am 13. April 1945 explodierte eine Granate beim Geschütz Anton und tötete fünf Soldaten. Die Granate war mit angerostetem Luftzielzünder geliefert worden. Beim Versuch diesen gegen einen Aufschlagzünder für den bevorstehenden Erdkampf auszutauschen löste sich der Sicherungsstift des Fliehkraftreglers wodurch die Detonation ausgelöst wurde.

Erdkampf

Die Batterie feuerte auf eine französische Artilleriestellung bei Pleidelsheim. Am 20. April wurde die Enzstellung geräumt und am folgenden Morgen gegen 9 Uhr griffen die Franzosen bei Weilimdorf an. Die Kornwestheimer Batterie legte Sperrfeuer vor die dortige Flakbatterie und verschoss auf diese Weise ihre Munitionsbestände. Dann wurden die Geschütze gesprengt und die Stellung verlassen. Die Mannschaft versuchte, sich nach Süden durchzuschlagen, geriet aber am 22. April bei Waiblingen in französische Gefangenschaft.