Flakbatterie S-Degerloch

Die Stellung der Schweren Flakbatterie in Degerloch lag im Bereich des heutigen Industriegebiets Tränke östlich der Sigmaringer Straße. Das ehemalige Batteriegelände erstreckte sich über weite Teile der heutigen Gewerbebebauung. Zur Zeit des Krieges war hier Ackerland.

Die meisten Belege für diese Stellung sind erst für die Zeit ab November 1943 bekannt. Ab dem 01.11. des Jahres war die 5. Batterie der Schweren Flakabteilung 436 (5/s. 436) mit sechs 8,8 cm-Geschützen in Degerloch stationiert. Die Stellung verfügte außerdem über eine Batterie mittlere Flak mit Bofors-Kanonen vom Kaliber 4,0 cm aus Beutebeständen, sowie leichte Flak mit 2 cm-Kanonen.

Die 8,8 cm-Geschütze waren in feldmäßigen Bettungen in einem Kreis aufgestellt. Die Zufahrt zur Batterie von der Sigmaringer Straße aus lag ca. 130 m südlich des heutigen Bruno-Jacoby-Wegs, knapp südlich der Stelle an der heute die B27 die Sigmaringer Straße überquert. Im Bereich der heutigen Tränkestraße waren das Funkmessgerät und das Kommandogerät, sowie leichte Flak ebenfalls in feldmäßigen Stellungen postiert.

Luftangriffe auf die Fildergemeinden und Degerloch

Am 22. November 1942 erlebten die Filderorte den ersten schweren Luftangriff. Aus Richtung Freiburg und Straßburg kommend hatten um 21:30 Uhr 191 von ursprünglich 222 Bombern die südlichen Ränder Stuttgarts erreicht. Das Stadtzentrum lag jedoch unter künstlichem Nebel. Die Pfadfinderflugzeuge unterschätzten offenbar auch die örtliche Windgeschwindigkeit. So wurden die abgeworfenen Zielmarkierungen nach Südwesten verweht und gingen im Bereich zwischen Möhringen, Vaihingen, Rohr, Musberg, Steinenbronn, Leinfelden, Unteraichen nieder.

Die folgenden Bomber warfen ihre Last auf das markierte Gebiet. Auch Degerloch wurde getroffen. In den Filderorten starben 33 Menschen. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört oder beschädigt.

Sowohl am 11. März als auch am 08. Oktober 1943 wurde Degerloch von Bomben getroffen. Der Großangriff am 11. März mit 279 Flugzeiten traf vor allem Vaihingen, Kaltental  und den Süden Stuttgarts. Auch hier profitierte die Innenstadt von schlechter Sicht und starken Winden. Nach diesem Angriff wurden die Aussichtstürme in Degerloch und auf dem Hasenberg von der SS gesprengt. Am 08. Oktober griffen 342 britische Bomber vor allem den Westen an. Aber auch der Tiefbunker unter dem Hindenburgplatz wurde getroffen.

Nur drei Wochen später ging die 5/s. 436 in Degerloch in Stellung. Von Anfang an, waren in dieser Batterie Luftwaffenhelfer. Ihren Berichten ist es zu verdanken, dass die Ereignisse der kommenden Monate sehr gut dokumentiert ist. Hatte man nach dem Großangriff auf Stuttgart am 02. März 1944 noch bei der 100-Mann-Baracke eine Abschusstafel aus dem Propeller eines abgeschossenen Lancaster-Bombers errichtet, so erhielt die Batterie am 25. Juli, dem Beginn der verheerenden Juli-Angriffe, einen Treffer auf Geschütz Cäsar, bei dem es einen Toten und mehrere Verletzte gab.

Zerstörung der Batterie Degerloch

Beim letzten der vier Juli-Angriffe am 29. Juli 1944 flog ein Bomber die Batterie im Tiefflug direkt an und warf eine Luftmine. Sie schlug zwischen Funkmessgerät und Kommandogerät ein und riss einen 5 m tiefen Krater ins Feld. 10 Soldaten und 8 Luftwaffenhelfer wurden getötet, 6 Soldaten, 6 Luftwaffenhelfer, ein Angehöriger des RAD und ein Russischer „Hilfswilliger“ wurden verwundet. Sowohl das Kommandogerät als auch das Funkmessgerät wurden zerstört, dazu 3 der Bofors-Geschütze und eine 2 cm-Flak. Zwei 2 cm-Kanonen wurden beschädigt. Die meisten Baracken fielen Bomben zum Opfer. Unter den Gefallenen war auch Batteriechef Oberleutnant Bauer, der im Sterben noch den Befehl gab, Sperrfeuer zu schießen. So feuerte die Batterie bis zum Ende des Angriffs weiter.

Die Ereignisse hatten aber klare Konsequenzen für die Batterie. Die Stellung Degerloch wurde aufgegeben.  Die Batterie wurde nach Heumaden verlegt, in die Stellung der 5 /s. 460, die am 14. Juli 1944 zusammen mit drei weiteren Batterien aus Stuttgart nach Auschwitz verlegt wurde.