Flakbatterie Wangener Höhe

1941 wurde auf der Wangener Höhe eine Stellung für eine Schwere Flakbatterie eingerichtet. Die Fertigstellung meldete das Luftgaukommando VII am 10. September des Jahres.

Die Batterie wurde mit vier 8,8 cm-Kanonen der Reserveflakabt. 234 belegt, die ab 26.11.1941 die Flakuntergruppe Neckartal bildete. Laut einer Sitzung der Beiräte für Luftschutzfragen der Stadt Stuttgart am 29.09.1941 waren zu diesem Zeitpunkt 79 Flakgeschütze in Stuttgart aufgestellt, darunter 24 vom Kaliber 8,8 cm.

Über die Aktivitäten der Batterie zwischen ihrer Fertigstellung und Ende 1943 ist wenig bekannt. Sie wird am 05. Mai 1942 erstmals in die Abwehr eines Luftangriffs auf Stuttgart eingegriffen haben, als 34 britische Bomber Zuffenhausen und Cannstatt angriffen.

Zwar trafen die Luftangriffe am 22. November 1942 und 11. März 1943 vor allem die Fildergemeinden, wo die Batterien Vaihingen, Heumaden und Degerloch die Hauptlast der Abwehr trugen. Die exponierte Lage der Batterie Wangener Höhe unweit des Frauenkopfs wird aber zum Einsatz der Batterie auch bei diesen Angriffen geführt haben.

Zum 01.11.1943 erfolgte eine Reorganisation der Stuttgarter Flak-Einheiten. Auf der Wangener Höhe ging nun die 1./s. 241 in Stellung, die über vier moderne 10,5 cm-Kanonen verfügte. Sie kamen schon kurz darauf, beim ersten schweren Angriff auf Untertürkheim und die Daimler-Werke am 26. November 1943 zum Einsatz. Auch ein Funkmessgerät Typ Würzburg wurde auf der Wangener Höhe aufgebaut, um die gegnerischen Flugzeuge orten zu können. Unter dem Dach des Gasthauses Friedrichsruh wurde eine Telefonzentrale eingerichtet.

Luftwaffenhelfer auf der Wangener Höhe

Zum 10. Januar 1944 wurden Schüler des Jahrgangs 1928 der Zeppelin-Oberschule und der Schloß-Oberschule als Luftwaffenhelfer eingezogen. Sie ersetzten einen Teil der bisherigen Flakmannschaften, die dadurch für den Fronteinsatz „freigemacht“ werden konnte.

Den ersten Luftangriff auf Stuttgart erlebten diese Luftwaffenhelfer in der Batterie am 21. Februar 1944 beim Angriff von 552 britischen Bombern auf Feuerbach und Cannstatt. In der Nacht vom 15. auf 16. März gingen die Bomben auf die Stuttgarter Innenstadt nieder, aber auch erneut auf Vaihingen und Möhringen und auch auf der Wangener Höhe. Neben dem Funkmessgerät ging eine Luftmine nieder und tötete einen der Luftwaffenhelfer. Mehrere Sprengbomben fielen in die umliegenden Weinberge und Wälder.

Obwohl erkennbar war, dass die britische Luftwaffe nach mehreren unpräzisen und verstreuten Angriffen nun in der Lage war, die Stadt Stuttgart zu finden und die Innenstadt anzugreifen, wurden im Sommer 1944 mehrere Schwere Flakbatterien aus Stuttgart abgezogen und nach Auschwitz verlegt.

Sudentenland und Oderfront

Die 1./s. 241 verlegte am 22. Juni mit ihren Geschützen und den Luftwaffenhelfern nach Maria Radschitz (Mariánské Radčice, Tschechien), nördlich von Brüx (Most). Die Batterie wurde dort zum Schutz des örtlichen Hydrierwerks eingesetzt. Nachdem dieses bei einem Luftangriff zerstört worden war, wurde die Batterie im Dezember 1944 zum Erdkampf an die Oderfront bei Ziltendorf verlegt. Mitte Februar 1945 verlegte die Batterie nach Fünfeichen westlich von Eisenhüttenstadt. Im April 1945 bezog sie ihre letzte Stellung bei Alt-Schadow im Spreewald. Als die Sowjetische Offensive dort durchbrach, wurden die Geschütze aufgegeben.

Von den Kanonieren und Luftwaffenhelfern der Batterie waren mehrere gefallen, und mehrere teils schwer verwundet worden. Die meisten versuchten, sich unter Umgehung des Kessels von Halbe nach Westen durchzuschlagen, gerieten aber letztlich dennoch in Kriegsgefangenschaft. Sie hatten Glück, dass im Kriegsgefangenenlager Treppin die unter 18-jährigen wenige Monate nach Kriegsende entlassen wurden, und konnten so nach Hause kehren.

Überreste

Die Batterie Wangener Höhe wurde nach dem Abzug der 1./s. 241 offenbar nicht mehr besetzt. Jedenfalls sind bisher keine Zeugnisse dazu aufgetaucht. Dies könnte auch erklären, warum noch bis in die 1970er Jahre viele Bauten der Batterie erhalten geblieben sind und selbst heute noch ehemalige Bunker der Batterie als Gartenhäuschen neue Aufgaben erfüllen. Die meisten Relikte bleiben den Blicken von Wanderern und Spaziergängern jedoch verborgen. Denn die Reste der Geschützbettungen liegen innerhalb von Gärten, hinter Hecken und Zäunen. Auch sie sind längst umgenutzt.