Flakbatterie Weilimdorf

Bereits zu Beginn des 2. WK wurde die erste Stellung für eine schwere Flakbatterie in Weil im Dorf errichtet. Das Batteriegelände lag nordöstlich des Fasanengartens im Hardt nördlich der Rennstraße und grenzte an die Obst-Plantagen der Familie Hörnle. Die Batterie taucht in Zeitzeugenerinnerungen teilweise als Batterie Bergheim oder Batterie Solitude auf. Für die unterschiedliche Namensnennung in der Bevölkerung sorgte die Nähe sowohl der Bergheimer Straße als auch der Solitudestraße zum Batteriegelände.

Die Stellung wurde nach der Fertigstellung den Bewohnern Weilimdorfs, der Wolfbuschsiedlung und Bergheims mit einem Tag der Offenen Tür präsentiert. Für die Kinder gab es Vanillepudding mit Brombeersoße und sie durften auf den Geschützen sitzen.

Als 1941 der Hochbunker in der Wolfbuschsiedlung errichtet wurde, wurde an der Bunkertür die Warnung angebracht: „Bei Flakschießen Türe geschlossen halten.“  Die Aktivität der Flak deutete nicht nur auf die Anwesenheit feindlicher Bomber hin. Auch die herabfallenden Splitter der Flak-Granaten konnten schwere und sogar tödliche Verletzungen verursachen. Und die Entfernung der Stellung zum Bunker betrug nur etwa 1.700 m Luftlinie.

Sehr wahrscheinlich wurde die Batterie 1943 mit einer weiteren Stellung im Bereich der Gerlinger Straße zwischen Hausen und der heutigen B295 zur Doppelbatterie ausgebaut. Ab 1944 kam noch eine Stellung an der Flachter Straße hinzu. Der Quellenlage zufolge war hier 1944 eine schwere RAD-Flakbatterie stationiert. Damit verfügte die Batterie Weilimdorf über drei Stellungen mit je sechs 8,8 cm Kanonen.

Bis Sommer 1944 lang in Weilimdorf die 3./s. 460 (o) (3. Schwere Flakbatterie 460 – ortsfest), die dann nach Auschwitz zum Schutz der dortigen Industriebetriebe verlegt worden war. Es war nicht die einzige Stuttgarter Flakbatterie, die nach Auschwitz ging. Auch die Batterien aus Vaihingen (4./s. 460), Heumaden (5./s. 460) und Stammheim (6./s. 460) wurden im Sommer 1944 dorthin verlegt. Sie nahmen ihre Geschütze genauso mit wie ihre Flakhelfer. So kamen einige Stuttgarter Flakhelfer zum Einsatz in jenem Industriekomplex, an den auch das KZ angeschlossen war. Eine ausführliche Darstellung dieser Einsätze aus Sicht der Schweren Flakbatterie Vaihingen  (4./s.460) liefert Günter Aicheles Buch „Schülersoldaten – Soldatenschüler“.

Als Ersatz kam die Schwere Heimatflakbatterie 206/XIII nach Weilimdorf.  Die Heimatflakbatterien, die – wie in Weilimdorf – als Ersatz dienten, waren ebenfalls mit Flakhelfern besetzt. Der hauptsächliche Unterschied zu den nach Auschwitz abkommandierten Batterien bestand darin, dass die Heimatflakbatterien über ältere Geschütze verfügten. Die moderneren Kanonen waren zum Industrieschutz abkommandiert worden.

Östlich und westlich der heutigen Hemminger Straße, unmittelbar nördlich der heutigen B295 lag die Stellung der Meßstaffel mit einem „Würzburg Riese“, einem Funkmeßgerät (vermutlich „Wassermann“) dem Kommandogerät für die Flakbatterie und der Umwertung. Für die Batterie waren insgesamt etwa 20 Baracken errichtet worden, sowie ein Sanitätsbunker und ein Munitionsbunker. Der Batteriebereich grenzte im Westen unmittelbar an die Nordstellung der Scheinanlage, die im Wesentlichen aus zwei Baracken, Signalraketenrampen und Täuschungsinstallationen bestand. Die „Großkampfbatterie“ war überwiegend mit Flakhelfern aus Stuttgarter und Heilbronner Oberschulen besetzt. Einige ältere Soldaten und russische „Hilfswillige“ ergänzten das Batteriepersonal.

Der Heilbronner Flakhelfer Werner Bäuerle beschreibt in seinen Aufzeichnungen über die Zeit in der Batterie Weilimdorf auch den Doppelangriff auf Bad Cannstatt und Gaisburg am 19./20. Oktober 1944. Die Flakbatterie und das umliegende Gelände wurden von der zweiten Angriffswelle am frühen Morgen des 20. Oktober direkt mit Sprengbomben, Brandbomben und Luftminen angegriffen. Mehrere ihrer Unterkünfte und die meisten Unterkünfte der benachbarten RAD-Batterie und der Meßstaffel wurden zerstört, in Weilimdorf brachen Brände aus, auch der Fasanenwald geriet in Brand. Da das Ziel des Angriffs Bad Cannstatt und Gaisburg war, sind diese Bombenwürfe mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Aktivität der Scheinanlage zurückzuführen, die so einen Teil der Bomben auf sich und das Gelände der Flakbatterien zog. Die Tagebuchaufzeichungen Werner Bäuerles sind in Heinz Barduas „Stuttgart im Luftkrieg 1942-1945“ und in Hermann Quecks „Noch einmal davon gekommen“ veröffentlicht.

Die Nähe der Scheinanlage zu Weilimdorf, Wolfbusch und Korntal führte aber auch immer wieder zu Bombenwürfen auf dortige Wohngebiete. So wurde der schwerste Angriff auf Weilimdorf am 28. Januar 1945 durch die Aktivität der Scheinanlage verursacht. Auch die Flak-Batterie Weilimdorf lag bei diesem Angriff wieder direkt im Bombenhagel. Neben Sprengbomben fielen Hunderte Stabbrandbomben. Es gab einen Toten und 15 Verletzte. Wieder wurden mehrere Baracken zerstört.

Abschüsse und Erdkampf

Die Heilbronner Luftwaffenhelfer sahen von ihrer Stellung bei Weilimdorf-Hausen am 4. Dezember 1944 auch den Feuerschein ihrer schwer getroffenen Heimatstadt. In dieser Nacht wurden 8 Bomber im Bereich der Batterie abgeschossen. Am 21. Januar fiel ein amerikanischer Bomber der Weilimdorfer Flak zu Opfer.

Die meisten Luftwaffenhelfer beendeten ihren Dienst in der Batterie am 20. Februar 1945. Ein kleiner Teil von ihnen wurde allerdings als Luftwaffensoldaten dort eingegliedert.

Am 21. April 1945 stand die Flak-Batterie noch im Erdkampf gegen die aus Ditzingen vorrückenden Franzosen. Die Flakbatterie Stammheim schoss Sperrfeuer vor die Stellung bei Hausen, um das Vordringen der Franzosen zu behindern. Der Abwehrkampf war allerdings nur von kurzer Dauer. Gegen 9:30 h war die Munition verschossen. Die Soldaten sprengten die festinstallierten Geschütze der Stellung Hausen und sollten sich in Richtung Ulm absetzen. Dabei gerieten einige im Filstal in amerikanische Gefangenschaft.

Den Zeitzeugenberichten zufolge ist es unwahrscheinlich, dass die RAD-Flakbatterie an der Flachter Straße am 21. April 1945 noch in Weilimdorf war. Die Berichte erwähnen nur die Stellungen im Hardt und bei Hausen. Die Geschütze der Hardt-Stellung waren offenbar fluchtartig verlassen worden. Ein Weilimdorfer Fakhelfer schilderte, dass die Kanonen nach dem Einmarsch der Franzosen noch intakt in ihrer Stellung gestanden und sogar noch mehrere Granaten dort gelegen hätten.

An die schwere Flakbatterie Weilimdorf erinnert heute nichts mehr. Nur eine Lücke zwischen zwei Gärten unweit der B 295 lässt den einstigen Verbindungsweg zur Meßstaffel erkennen. Die Stellung der Meßstaffel ist weitgehend überbaut. Es gibt nur noch einen Fundamentrest am Feldrand. Das einstige Stellungsgelände im Hardt durchzieht heute die Bundesstraße. Das übrige Areal wird wieder landwirtschaftlich genutzt.

Unterschiedlichen Zeitzeugenberichten zufolge soll die Batterie Weilimdorf mit einem Feldbahngleis ausgestattet gewesen sein. Reste davon soll es noch heute im Grundgraben in Richtung Engelberg geben. Einer anderen Darstellung zufolge soll das Feldbahngleis vom Bahnhof Korntal in Richtung der Stellungen Birkemer Höhe (Batterie Korntal) bzw. Hausen geführt worden sein. Logisch wäre am ehesten eine Anbindung an die Bahnhöfe Korntal oder Ditzingen gewesen. Die Luftbilder der Alliierten lassen jedoch keine Feldbahn erkennen, und sie wird auch in keinem der publizierten Flakhelferberichte erwähnt.