Großsachsenheim – Flugplatz

Vom ehemaligen Flughafen Großsachsenheim ist auf den ersten Blick heute nichts mehr übrig. Wer sich auf die Suche nach Überresten begibt, findet zunächst eine grundsätzlich veränderte Landschaft vor, eine Umgehungsstraße, die es im Krieg nicht gab, Felder, wo einst Flugzeuge und Lagerbauten standen und nicht zuletzt das in diesem Jahrhundert geschaffene Gewerbegebiet, das auf den einstigen Flugplatzgelände steht.

Lange Zeit war die Ausgabe 8 der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte Sachsenheim e.V. („die mörin“) das umfassendeste Werk, das den einstigen Flugplatz dokumentierte. Die Ottmar-Mergenthaler Realschule Kleinglattbach setzte mit Schüler 2002/2003 ein Projekt auf, das viel Beachtung fand, zahlreiche neue Erkenntnisse nach sich zog und 2004 mit einem Sonderpreis des „Heimatpreis Baden-Württemberg“ ausgezeichnet wurde. Der für das Projekt federführende Lehrer Herbert Ade-Thurow hat erfreulicherweise das Thema nie mehr aus der Hand gegeben. Im März 2013 erschien Heft 74 der „mörin“, in dem er den heutigen Kenntnisstand über die Kriegszeit des Flugplatzes zusammenfasst.

Baubeginn

Am 15. Februar 1939 hatte Großsachsenheims Bürgermeister Vetter Besuch von Offizieren des Luftgaukommandos München. Sie erläuterten ihm das Bauprojekt. Weder Großsachsenheim, noch die Nachbargemeinden Sersheim und Oberriexingen wollten das Projekt haben. Vetter reist sogar nach Berlin und sprach bei Hermann Göring vor. Doch der Reichsluftfahrtminister fertigte den Bürgermeister ab. Großsachsenheim musste 114 ha, Sersheim und Oberriexingen je 30 ha Fläche an das Reich verkaufen.

Bis Kriegsausbruch passierte zunächst allerdings wenig. Im Frühjahr 1940 wurde zunächst das Luftwaffengut erstellt, dessen Hauptgebäude noch heute steht. Großsachsenheim war als Einsatzhafen 1. Ordnung geplant. Diese Flugplätze waren zwar in der Bedeutung gleich nach den Fliegerhorsten eingestuft, aber sie hatten einen Reservecharakter. Wichtig war, dass ein funktionsfähiges Flugfeld und eine Grundinfrastruktur vorhanden war: Ein landwirtschaftlicher Betrieb (Luftwaffengut), der die ausgedehnten Rasenflächen pflegte (mindestens 1.000 x 1.000 m Rollfeld), und wo Besprechungen abgehalten werden konnten, ein Telefonanschluss, Ein Eisenbahnanschluss und eine unterirdische Tankanlage. Diese wurde in Großsachsenheim nie gebaut. Zeitzeugen berichten, die Güterbahn aus dem nördlichen Vaihinger Industriegebiet hätte zum Flugplatz verlängert werden sollen. Das erscheint logisch. Aber ein Eisenbahnanschluss zum Flugplatz wurde nie realisiert.

Fertigstellung und Belegung

Das Luftwaffengut wurde im Frühjahr 1940 erstellt. Für weitere Baumaßnahmen wurden 36 RAD-Angehörige abgestellt, die in der Neuapostolischen Kirche in Großsachsenheim Quartier bezogen. Sie erstellten auch die Betonfundamente für Holzbaracken. Die Bauarbeiten am Flugplatz zogen sich bis Sommer 1942. Unmittelbar danach wurde er mit einer Schulstaffel belegt.

Im April 1944 wurde die III. Gruppe des Jagdgeschwaders 301 mit Me 109 in Großsachsenheim stationiert, sie blieb allerdings nicht lange. Die Einheit wurde im Mai aufgelöst. Ab Sommer 1944 wurde der Flugplatz zum Einsatzhafen von Nachtjägern des 6. Nachtjagdgeschwaders 6 (NJG 6).

Da es keine Kasernen auf dem Flugplatz gab, erfolgte die Unterbringung des Luftwaffenpersonals in Privatquartieren und im Wasserschloss (heute Sachsenheimer Rathaus). Das Tanklager wurde in einem ehemaligen Steinbruch an der Straße nach Sersheim eingerichtet.

Die Nachtjäger der I./NJG 6 waren aber nicht nur in Großsachsenheim stationiert, sondern auch in Hailfingen/Tailfingen. Daher sind oft nur gemeinsame Daten vorhanden. Dennoch scheint es gesichert dass die I./NJG 6 von Großsachsenheim aus in 43 Einsätzen 158 gegnerische Maschinen abgeschossen hat, und selbst 92 Flugzeuge verlor.
Am Sersheimer Flugplatzende war eine 7,5 cm und eine 2 cm-Flak stationiert. Es ist nicht völlig erforscht, ob dies er einzige Flakschutz war.

Zwangsarbeit und Silberprogramm

Der RAD wurde offenbar schon sehr früh wieder abgezogen. Denn schon während der Bauzeit des Flugplatzes (also 1941-42) wurde am südlichen Flugplatzrand ein Barackenlager für die Arbeitskräfte eingerichtet. Da dieses zwar nicht umzäunt, aber bewacht war, wurden wohl Zwangsarbeiter für den Bau eingesetzt. Das Barackenlager wurde ab 1943 zum „Krankenlager“, das letztlich ein Sterbelager für todkranke Zwangsarbeiter war.

Großsachsenheim erhielt schon während der Bauzeit ein Betonrollfeld mit 1.230 m Länge. Der Unterbau wurde aus einem Steinbruch am Westhang des alten Sachsenheimer Sportplatzes beschafft. 1944 wurde hier aber auch der Ausbruch vom Luftschutzstollenbau in Bietigheim als Baumaterial weiterverarbeitet. Da der Flugplatz ins Silberprogramm aufgenommen wurde, begannen im Frühjahr die Arbeiten zur Verlängerung der Startbahn auf 2.000 m. Bis zur Aufgabe des Flugplatzes waren aber nur 50 m davon ausgegraben.
Am 29./30.03.1945 werden die Nachtjäger des I. /NJG6 nach Schleißheim verlegt, wo sie am 30.04.1945 kapitulieren.

Kriegsende und Kalter Krieg

Am 08.04. 1945 rücken französische Einheiten in Sachsenheim ein und besetzen auch den Flugplatz, reparierten ihn und stationierten hier zunächst ca. 40 Jagdflugzeuge. Anfang Juli erfolgte die Übergabe an die Amerikaner.

Anfang 1950 prüfte die amerikanische Luftwaffe die Nutzung Großsachsenheims als Düsenjägerflugplatz. Die Idee wurde verworfen. Stattdessen wurde der Flugplatz zur ersten orstfesten Basis für „Nike“-Atom-Raketen auf deutschem Boden. Die Raketen bleiben bis 1987. Die US Army plante zunächst eine Umwandlung in ein Depot für Panzerfahrzeuge und LKW. 1990 wurde die Planung hierfür eingestellt und das Flugplatzareal für die zivile Nutzung freigegeben. Damit verbunden war auch der Rückbau aller Gebäude bis auf das einstige Luftwaffengut.

Die Geschichte der US-Basis hat Herbert Ade-Thurow in Heft 76 der „mörin“ beschrieben, das im Herbst 2013 erschein.