Bereich Bietigheim Forst

Für die Neckar-Enz-Stellung wurde der Bietigheimer Forst zum Lager- und Bereitschaftsraum ausgebaut. Mehrere Bunker und Armierungsschuppen wurden hier angelegt. Der Wald fungierte als natürliche Tarnung der Bauwerke. Für die Kommunikation wurde ein Telefonnetz installiert, dessen Kabel in die Erde eingegraben waren.

Waren die Bunker im Stadtgebiet Bietigheims darauf ausgelegt einen mit Infanterie vordringenden Gegner zu bekämpfen und möglichst am Enz-Ufer zu stellen setzten sich die Bauwerke im Forst oberhalb des Bahngleises aus Unterständen, Kommando- und Koordinationsstellen zusammen.

Auf dem Niveau der Enzauen entlang des Weges nach Besigheim war der Bahnlinie eine MG-Scheinanlage vorgelagert, sowie ein Bunker mit einem Schartenstand und einem 2-Scharten-Panzerturm. Eine weitere MG-Scheinanlage wurde etwas erhöht im Hang errichtet. Ihre Überreste liegen heute hinter dem Klärwerk, das in den 1950er Jahren gebaut wurde.

Eine weitere MG-Scheinanlage liegt noch heute oberhalb der Bahnlinie, nicht weit vom Bahndurchlass zwischen Bietigheimer Forst und Sand. Der Durchlass selbst wurde durch einen MG-Schartenstand gesichert. Damit hatte der Abschnitt Sand/Bietigheimer Forst zwei Maschinengewehrstände und 3 MG-Scheinanlagen, die den Nördlichen Abschluss der Verteidigungsanlagen in Bietigheim bildeten. Hinzu kamen weitere Bunker zwischen dem heutigen Klärwerk, dem Husarenhof und der Fortsetzung der Neckar-Enz-Stellung in Richtung Besigheim.

Wie bei den Anlagen in Bietigheimer Stadtgebiet schloss die ursprüngliche Planung die Enz als natürliches Panzerhindernis ein. Die Topografie des Enztals hätte einen massiven Aufmarsch gegnerischer Kräfte unmöglich gemacht, da dieser entweder über die Weinberge hätte erfolgen müssen oder auf der Heilbronner Straße, die aber vom Ostufer aus vollständig einsehbar war. Das Auland der Enz war überdies für den Einsatz von schwerem Gerät wie z.B. schweren französischen Panzern kaum geeignet.

Somit sollte ein möglicher französischer Angriff in diesem Abschnitt zwischen Kammgarnspinnerei und Sand steckenbleiben. Ein Vorstoß über die Enz wäre nur mit Infanterie möglich gewesen, die aus den Bunkern mit ihren Maschinengewehren effektiv hätte bekämpft werden können. Ein Unweit des Husarenhofs errichteter Artilleriebeobachter und ein Beobachtungsturm im Bietigheimer Forst hätten das Feuer koordinieren können und auch die Informationen für rückwärtig feldmäßig in Stellung gebrachte Artillerie geliefert.

Da 1945 die Franzosen über Sachsenheim vorrückten und die Weststadt Bietigheims einmarschierten war dieser Abschnitt zwar zunächst von der Wehrmacht besetzt worden, die vorgelagerten Bunker im Sand spielten aber bei den Kämpfen im April 1945 keine Rolle, anders als die Bunker im Forst. Dort hielten sich deutsche Truppen in beträchtlicher Stärke auf. Vor allem die Jungs aus der Umgebung des Forsts gesellten sich immer wieder dazu und wurden nach eigenen Aussagen auch freundlich behandelt. Da die Kämpfe sich in erster Linie auf Beschuss der gegnerischen Seite der Stadt mit Artillerie und Granatwerfern beschränkten, herrschte im Forst eine relative Sicherheit, die im Stadtgebiet Bietigheims nicht gegeben war.

Am Husarenhof lag deutsche 8,8 cm-Artillerie in Stellung, die an der Beschießung der Weststadt teilnahm. Ihre Informationen kamen teilweise vom naheliegenden Artilleriebeobachter. So kam zumindest in diesem Punkt noch das ursprüngliche Konzept zum Einsatz, wenngleich unter dem Beschuss in erster Linie die Bewohner der Weststadt litten, die mehrere Todesopfer durch das Feuer der deutschen Artillerie zu beklagen hatten.

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