Scheinanlage „Columbia“

Die Attrappe des Rheinhafens war unter dem Decknamen „Columbia“ 9 km Südwestlich von Bruchsal zwischen Weingarten und Untergrombach errichtet worden. Diese Ortsangabe führt zum Areal des Baggersees Weingarten. Von der Anlage „Columbia“ gibt es keine Karte und auch nur wenige genauere Angaben.

In vielen Erzählungen, Darstellungen und Online-Beschreibungen werden die Anlagen „Columbia“ und „Venezuela“ verwechselt. Die Ortsangabe für „Columbia“ ist ziemlich eindeutig und macht es zweifelhaft, dass sie auch aus „Ausrodungen im Hardtwald“ bestand. Wenn die Fläche des Baggersees zur Simulation des Rheinhafens herangezogen wurde, könnten im angrenzenden Wald aber durchaus auch Rodungen für die Scheinanlage vorgenommen worden sein. Hier wären eindeutige Belege jedoch hilfreich.

Es ist auch davon auszugehen, dass sich die Ausdehnung des Baggersees heute gegenüber 1940-43 deutlich unterscheidet. Die Karlsruher Baggerseen waren ab 1938 verstärkt für den Bau des Westwalls herangezogen worden, was verstärkte Ausbaggerungen und Flächenausdehnungen zur Folge hatte. Allerdings setzte sich dieser Effekt nach dem Krieg vor allem durch den Wiederaufbau über viele Jahre fort, so dass die Seen heute eine größere Wasserfläche aufweisen als während des Krieges. So ist z.B. der Fermasee ein ehemaliger Altrheinarm, der durch Ausbaggerungen zur Kiesgewinnung für den Westwallbau zum Baggersee wurde.

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Der Baggersee bei Weingarten ist nicht öffentlich zugänglich. Hier befindet sich immer noch eine Kiesgrube. Teils ist der See Vereinsgelände des Anglervereins Weingarten. Dass von der Scheinanlage noch irgendwelche Überreste vorhanden sind, muss bezweifelt werden.

Auch zur Ausdehnung der Anlage und eingesetzten Scheinanlagen-Elementen ist bislang keine nennenswerte gesicherte Information bekannt, so dass hier noch vieles einer fundierten Aufarbeitung und Erforschung harrt. Die Anlage „Columbia“ muss am 26. Juli 1940 einsatzfähig gewesen sein, da in dieser Nacht bei einem Luftangriff drei Leuchtbomben auf die Anlage niedergingen. Die Briten konnten aber offenbar kein Ziel erkennen, denn es folgten keine Spreng- oder Brandbomben. Bis zum Mai 1942 fielen bei zehn Luftangriffen Bomben auf diese Scheinanlage.

Der Anlage war bis März 1941 der II. Zug der Res.Flak-Batterie 453 zugeordnet. Auf Anordnung vom 10.03.1941 wurde dieser durch Raketengeschütze ersetzt. 

Die schwere Flakbatterie auf dem Hummelberg bei Grötzingen lag nur 9 km entfernt. Sie war ein Teil der Luftverteidigungszone West.  1941 kam auf dem Ringelberg noch eine weitere Schwere Flakbatterie zum Schutz Karlsruhes hinzu.