Scheinanlagen

Im Luftkrieg sollten Scheinanlagen ein Ziel für einen Angriff vortäuschen. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Kategorien von Scheinanlagen entwickelt.

Tagscheinanlagen

Diese Anlagen sollten Luftangriffe bei Tage auf sich ziehen. Dazu mussten Attrappen aufgebaut werden und auch eine gewissen Aktivität simuliert werden, damit auch feindliche Aufklärer davon überzeugt würden, dass die Anlage echt ist.

Bei Scheinflugplätzen wurden typische Merkmale wie Rollfelder und eine Startbahn simuliert, dazu falsche Gebäude aufgebaut und entweder Flug- und Fahrzeug-Attrappen aufgestellt oder ausrangierte, nicht mehr einsatzfähige Gerätschaften, mitunter beides. Auch Flakstellungen konnten als Holzattrappen gebaut werden. In manchen Fällen hat die deutsche Luftwaffe Feldflugplätze zeitweise als Scheinflugplätze genutzt oder Scheinflugplätze später zu Feldflugplätzen ausgebaut.

Die britische Luftwaffe entwickelte im 1. Weltkrieg Scheinflugplätze, die sowohl bei Tag als auch bei Nacht funktionieren sollten und errichtete solche auch zu Beginn des 2. Weltkriegs.

Es wurden aber auch ganze Industrieanlagen als Attrappen nachgebaut, wie z.B. die Scheinfabrik 1,5 km nördlich von Rottbach am Hackelberg, ca. 9 km nördlich von Fürstenfeldbruck, die die Krauss-Maffei Werke in Allach imitierte. Auch in Großbritannien wurden solche Attrappenfabriken errichtet.

Da die Tagscheinanlagen aber sehr aufwändig waren, und sich ihr Erfolg in Grenzen hielt, kamen sowohl die deutsche, als auch die britische Luftwaffe relativ schnell von diesem Konzept ab. Hinzu kam, dass sich die britischen Luftangriffe vollständig auf die Nacht verlagert hatten.

Nachtscheinanlagen

Unter dem Eindruck deutscher Luftangriffe auf Paris begann in Frankreich 1917 die Planung für eine aus drei großflächigen Scheinanlagen bestehende Simulation von Paris. Nach bisherigem Forschungsstand war diese Anlage die erste ihrer Art. Die Konzeption sah die Imitation von drei Bahnhofsvierteln vor mit falschen Straßen, falschen Gleisen, falschen Bahnhofshallen und Fabriken. Es wurde aber nur mit dem Bau der Attrappe für St. Denis begonnen, die bis zum Ende des Krieges nicht fertig wurde, und somit nicht mehr zum Einsatz kam. Für die beiden anderen Anlagen sind nur die Pläne überliefert, mit deren Umsetzung nie begonnen wurde.

In Stuttgart Obertürkheim wurde 1918 eine Scheinanlage errichtet, die per Lichttäuschung die Daimler-Werke imitieren sollte. Zu dieser Anlage existieren keine genaueren Informationen.

Die Kriegsparteien errichteten zahlreiche Nachtscheinflugplätze, die oft nur aus Lampen bestanden, die auf Feldern in zwei Linien aufgebaut wurden. Die allermeisten Scheinanlagen im 2. Weltkrieg waren Nachtscheinanlagen, die jedoch in Größe und Komplexität sehr unterschiedlich waren.

Schuf die deutsche Luftwaffe bis Mitte 1940 etliche große und komplexe Nachtscheinanlagen, so begann sie das Netz dieser Anlagen mit einer großen Zahl von einfachen, kleinen Anlagen, die vor allem Brände simulieren sollten, zu verdichten. Einige solcher Anlagen wurden am Rhein zwischen Colmar und Karlsruhe aufgebaut.

1943 errichtete die deutsche Luftwaffe eine neue Generation von Nachtscheinanlagen in unmittelbarer Nähe von Städten. Sie reagierte damit auf die Einführung des Bodenradars H2S, mit dem die Bomber ihre Ziele auch bei fehlender Sicht finden konnten. Die neuen Scheinanlagen imitierten die Zielmarkierungen der Bomber. Sie konnten die flächenhafte Zerstörung der deutschen Städte nicht verhindern. Aber sie konnten einzelne Angriffe durchaus ablenken.

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