Vaihingen – Panzerstraße

Von 1936- 38 wurde in Vaihingen die Kurmärker Kaserne erbaut, die heute noch als Patch Barracks von der US Army genutzt wird. Am 07. Mai 1938 rollten die leichten Panzer des 7 Panzerregiments durch das Kasernentor.

Etwa gleichzeitig war in Böblingen die Panzerkaserne erbaut worden, in die das 8. Panzerregiment einzog. Die beiden Regimenter waren nur rund 15 km voneinander entfernt untergebracht und so lag es nahe, sie neben getrennten Übungen auch zu gemeinsamen Übungen zu kommandieren. Das 7. Panzerregiment übte im Wald westlich der Kaserne in einem Areal das noch heute von deutschen und amerikanischen Truppen für Übungen genutzt wird. Innerhalb der Kaserne gab es drei Schießstände, von denen ein Gebäude noch erhalten ist.

Ein Straße für Panzer

Zwischen den beiden Panzerkasernen wurde ein Verbindungsweg geschaffen, der dafür ausgelegt war, die Panzer I und II der Regimenter hin und her zu bewegen. Als Straßenbelag wurde Kopfsteinpflaster eingesetzt, das sehr beständig war und durch die Panzerketten keinen Schaden nahm. Die Straße besteht aus zwei Fahrbahnen, die durch einen aus dunkleren Pflastersteinen eingelegten Mittelstreifen voneinander getrennt sind. Links und rechts laufen durchgängig Randsteine zur Fahrbahnbegrenzung. In gewissen Abständen wurden Wartungsnischen neben die Fahrbahn gelegt. Kubische Marksteine aus Eisenbeton waren beidseitig in regelmäßigen Abständen eingelassen und dienten der Orientierung. Viele sind heute noch vorhanden.

Das 7. Panzerregiment blieb 15 Monate in der Kurmärker Kaserne. Ende Juli 1939 wurde das Regiment bis auf die 2. und 7. Kompanie per Zug nach Hamburg verlegt und dort nach Königsberg eingeschifft. Es nahm dort am Manöver an der polnischen Grenze teil und überquerte kurz darauf die Grenze bei Mlawa.

Das 8. Panzerregiment verlegte im April 1939 nach Milowitz bei Prag, wo es den ganzen Sommer Übungen absolvierte. Am 24.08.1939 wurde das Regiment nach Böblingen zurück befohlen, wo es am 29.08.1939 eintraf. In der Nacht vom 30.08. auf den 01.09.1939 wurde das Regiment per Bahn nach Eulenburg bei Neu-Stettin befördert. Am 03.09. überquerte es die Polnische Grenze im Raum Berent (Koszierzyna), Schöneck, Stieblau.

Die Panzerstraße ist noch heute intakt und erstaunlich gut erhalten. Da sie durch den Wald führt, ist sie eine frequentierte Naherholungseinrichtung geworden, auf der sich Spaziergänger, Hundebesitzer, Jogger und Radfahrer bewegen. Die amerikanischen Soldaten nutzten die Straße lange Zeit für einen jährlichen Marathon über 10 Meilen von Vaihingen nach Böblingen.

Ein Radschnellweg

Im Zuge der Diskussion um Radschnellwege, die vor allem Berufspendlern den Umstieg auf das Fahrrad erleichtern sollen, rückte die Panzerstraße 2017 in den Fokus von Planern. Der Vorschlag sah vor, den historischen Verbindungsweg komplett zu asphaltieren und ihn so als schnelle Radverbindung nutzen zu können.

Dies würde die bisherige Nutzung für die Naherholung unmöglich machen und den historischen Wert dieses im Raum Stuttgart einzigartigen Bauzeugen zerstören. Nicht nur würde durch die Asphaltierung  der historische Charakter der Panzerstraße getilgt, sondern es wäre auch unmöglich hier z.B. einen zeitgeschichtlichen Spaziergang zu unternehmen, da der Radschnellweg nur funktioniert, wenn er wie eine Autobahn als geschlossenes Verkehrssystem genutzt werden kann, Spaziergänger, Kinder, Jogger, Hunde, aber auch langsame Radler den Verkehrsfluss also nicht beeinträchtigen. Kritiker dieser Lösung verweisen auf die alte B14, die deutlich weniger Steigungen enthält und sich damit für einen Radschnellweg besser eignet.

Am 10.09.2018 begann die Stadt Böblingen mit einem symbolischen ersten Spatenstich den Umbau zum Radschnellweg der Panzerstraße auf Böblinger Gemarkung. In Vaihingen hatte sich der Bezirksbeirat einstimmig gegen eine Asphaltierung ausgesprochen, so dass hier zunächst keine Umbauarbeiten angestoßen wurden. Ob es dabei bleibt, ist allerdings noch nicht endgültig entschieden.

2 Antworten zu Vaihingen – Panzerstraße

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