Vaihingen – Panzerstraße

Von 1936- 37 wurde in Vaihingen die Kurmärker Kaserne erstellt, die heute noch als Patch Barracks von der US Army genutzt wird. Am 07. Mai 1938 rollten die leichten Panzer des 7 Panzerregiments durch das Kasernentor. Die Soldaten waren mit dem Zug nach Vaihingen gekommen und hatten sich am Bahnhof formiert. Von da ging es über den Schillerplatz und die Hauptstraße in die Kaserne. Im ersten Panzer stand Regimentskommandeur Oberst Franz Landgraf. Hinter der „Bier-Brauerei Robert Leicht“ (Schwabenbräu) bogen die 130 Panzer links ab und rollten auf ein offenes Gelände an Ortsrand wo sie vom Bürgermeister Walter Heller und lokalen Parteifunktionären und einigen Militärs offiziell willkommen geheißen wurden. Für das Spektakel waren die Strassen mit Fahnen und Willkommens-Banderolen geschmückt und zahlreiche  Schaulustige versammelten sich auf dem Platz der Festivität, auf dem wenige Wochen später die heutige Pestalozzischule gebaut wurde.

Vaihingen und Böblingen: Die Nachbarn

Etwa gleichzeitig war in Böblingen die Panzerkaserne erbaut worden, in die das 8. Panzerregiment einzog. Die beiden Regimenter waren nur rund 15 km voneinander entfernt untergebracht und so lag es nahe, sie zu gemeinsamen Übungen zu kommandieren. Auch getrennte Übungen fanden statt. Das 7. Panzerregiment übte im Wald westlich der Kaserne in einem Areal das noch heute von deutschen und amerikanischen Truppen für Übungen genutzt wird. Innerhalb der Kaserne gab es drei Schießstände, von denen ein Gebäude noch erhalten ist. Es beherbergt den NCO Candle Light Club. Die beiden anderen Räumlichkeiten wurden im Laufe der Zeit ersetzt.

Ein Straße für Panzer

Zwischen den beiden Panzerkasernen wurde ein Verbindungsweg geschaffen, der dafür ausgelegt war, die Panzer I und II der Regimenter hin und her zu bewegen. Als Straßenbelag wurde Kopfsteinpflaster eingesetzt, das sehr beständig war und durch die Panzerketten keinen Schaden nahm. Die Straße besteht aus zwei Fahrbahnen, die durch einen aus dunkleren Pflastersteinen eingelegten Mittelstreifen voneinander getrennt sind. Links und rechts laufen durchgängig Randsteine zur Fahrbahnbegrenzung. In gewissen Abständen wurden Wartungsnischen neben die Fahrbahn gelegt. Kubische Marksteine aus Eisenbeton waren beidseitig in regelmäßigen Abständen eingelassen und dienten der Orientierung. Viele sind heute noch vorhanden. Das 7. Panzerregiment blieb 15 Monate in der Kurmärker Kaserne. Ende Juli 1939 wurde das Regiment bis auf die 2. und 7. Kompanie per Zug nach Hamburg verlegt und dort nach Königsberg eingeschifft. Es nahm dort am Manöver an der polnischen Grenze teil und überquerte kurz darauf die Grenze bei Mlawa. Aus Manöver war Krieg geworden.

Kriegsbeginn und Gegenwart

Die 2. und 7. Kompanie verblieben als Ersatzabteilung in Vaihingen, die die Ausbildung von Nachwuchs und Ersatz für das Regiment zu übernehmen hatte. Nach 18-tägigem Kampfeinsatz in Polen kehrte das 7. Panzerregiment nach Vaihingen zurück. Es blieb dort 6 Wochen. Danach wurde es zunächst nach Limburg verlegt. Anschließend ging es zwischen Koblenz und Luxemburg in Stellung. Die Panzerstraße ist noch heute intakt und erstaunlich gut erhalten. Da sie durch den Wald führt, ist sie eine frequentierte Naherholungseinrichtung geworden, auf der sich Spaziergänger, Hundebesitzer, Jogger und Radfahrer bewegen. Die amerikanischen Soldaten nutzten die Straße lange Zeit für einen jährlichen Marathon über 10 Meilen von Vaihingen nach Böblingen.