Hasenbergl und Panzerwiese München

Die zwischen Hasenbergl und Harthof liegende Panzerwiese steht heute unter Naturschutz und bietet einer Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Damit ist sie kein Einzelfall. Eine beachtliche Anzahl ehemaliger militärischer Areale sind heute Naturschutzgebiete, oft nach einem weitgehenden Rückbau der militärischen Einrichtungen.

So ist auch auf der Panzerwiese außer einer Bunkerattrappe heute kaum noch etwas von der Nutzung als militärischem Übungsgelände erkennbar. Eine Heidelandschaft mit Feldwegen hat sich etabliert, wo bis Ende der 1980er Jahre Panzer der Bundeswehr Übungen durchführten. Der südliche Teil des Areals wurde in den 1990er Jahren städtebaulich erschlossen und ist heute als Siedlung „Nordheide“ bekannt.
Nördlich schließt sich das „Hartelholz“ an, in dem während des zweiten Weltkriegs Truppenunterkünfte und Kriegsgefangenenlager errichtet wurden, die zum Flugplatz Schleißheim gehörten.

Der 4 km südlich von Schloss Schleißheim gelegene Hasenbergl diente ab dem 18. Jahrhundert der Haltung von Hasen für die herrschaftliche Jagd. Hier war während des zweiten Weltkriegs eine schwere Flak-Batterie zum Schutz von München stationiert. Im Februar 1941 wurden die Verstärkung auf sechs 8,8 cm-Geschütze beschlossen und am 4. März desselben Jahres wurde die Stellung in die Liste der 6 Münchener Stellungen aufgenommen, die zum orstfesten Ausbau vorgesehen waren, zusammen mit Sendling, Kleinhadern, Moosach, Priel und der Batterie auf der Theresienwiese.

Die Maßnahmen sollten in Abstimmung mit dem Generalbaurat der Hauptstadt der Bewegung erfolgen und sahen vor allem betonierte Geschützbettungen vor und die Errichtung fester Gebäude. Diese Flakstellungen sollten auch „über den Frieden hinaus bestehen bleiben“. Der Generalbaurat war einzubeziehen, da die Stellungen mit Ausnahme der Theresienwiese alle auf Flächen standen, die später für Siedlungen ausgenutzt werden sollten.

Der Ausbau konnte nicht sofort begonnen werden. Die Untersuchungen mit dem Generalbaurat nahmen zunächst einige Zeit in Anspruch. Am 10. September 1941 meldete die „Gruppe Befestigung“ den weiteren Ausbau der ortsfesten Batterien Priel, Hasenbergl, Forstenried und Harlaching. Außer in Forstenried waren jeweils für jede dieser Batterien 4 Scheinwerferstände fertiggestellt. Der Abschluß der Bauarbeiten erfolgte wohl noch im Herbst 1941. Die Batterie verfügte damit über sechs Kanonen 8,8 cm und vier Scheinwerfer.

Im unbebauten Gelände bei Feldmoching errichtete die Luftwaffe 1940 auch eine von sechs Scheinanlagen zum Schutz von München. Die Nachtscheinanlage bestand aus elektrischen Lichtern und vorbereiteten Brandstellen. Die Lichter wurden bei Herannahen feindlicher Flugzeuge eingeschaltet und dann langsam heruntergedimmt, so dass sie zwar aus der Luft gesehen werden konnten, aber keine Details am Boden erkennbar waren. Befanden sich die Bomber über der Anlage, wurden die Feuerstellen entzündet um ausbrechende Brände zu simulieren. Dadurch sollten die Bomben schützen glauben, dass sie über dem Ziel waren und die ersten Bomber bereits ihre Last abgeworfen haben. So sollten sie zum Fehlwurf verleitet werden. Die in direkter Nachbarschaft befindliche Flakbatterie sollte das Feuer eröffnen und so einerseits die Illusion verstärken und andererseits den Stress auf die Bomberpiloten erhöhen, so dass sie keine Zeit darauf verwenden sollten, zu prüfen, ob sie sich wirklich über München befinden. Das Bestreben, möglichst schnell aus dem Wirkungsbereich der Flak zu gelangen, sollte die Entscheidung zum Bombenwurf beschleunigen, der dann das freie Feld treffen würde.  Die Anlage wurde am 20.11.1941 von britischen Bomberpiloten als Scheinanlage erkannt und gemeldet.

Das Areal des Hasenbergl wurde nach dem Krieg tatsächlich überbaut. Ab Anfang der 1950er Jahre entstanden die ersten Eigenheime. Teilweise ging die neue Siedlung noch aus dem ehemaligen Lagerkomplex hervor. Die „Siedlung am Hasenbergl“ entstand 1960 im gemeinnützigen Wohnungsbau.

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