Flakbatterie Korntal

Am 25. Januar 1952 veröffentlichte Fritz Rose im Weilimdorfer Anzeiger einen Bericht, der den Doppelangriff auf Stuttgart am 28. Januar 1945 aus Weilimdorfer Sicht schilderte. Als der erste Verband Weilimdorf erreichte, „brummten die Flugzeugmotoren auf, die schwere Autobahnflak war in Aktion getreten“.

Dieser erste Verband überflog Weilimdorf und die Bevölkerung ging in der Überzeugung ins Bett, dass sie einmal mehr verschont geblieben war. Doch um 23:15 h heulten die Sirenen erneut. „Die Feuer hinter dem Fasanengarten leuchteten gespenstisch auf, Scheinwerfer waren in den Nachthimmel gerichtet, während die Flakbatterien aus der Steinröhre und vom Lotterberg das Feuer eröffneten.“ Es folgt eine anschauliche Darstellung der Ereignisse aus Sicht der Weilimdorfer.

Dieser Bericht ist die früheste bekannte Erwähnung der Scheinanlage bei Weilimdorf und er erwähnt die Standorte zweier Schwerer Flak-Batterien, die bei Weilimdorf lagen. Die Stellung an der Steinröhre war die nördlichste Stellung der Batterie Weilimdorf bei Hausen. Am Lotterberg, in unmittelbarer Nähe der Autobahn lag die Schwere Flakbatterie Korntal in Stellung, als direkte Nachbarbatterie der Batterien Weilimdorf im Süden und Stammheim im Norden.

Die von Fritz Rose so bezeichnete „schwere Autobahnflak“ war folglich vor allem eine Ortsangabe aus Weilimdorfer Sicht und nicht auf eine bestimmte Funktion oder organisatorische Einheit bezogen.

Wann die Batterie Korntal errichtet wurde ist bislang nicht klar. Das Heimatbuch Münchingen aus dem Jahr 1973 schreibt: „In den letzten Kriegstagen hatten zwei Fliegerabwehrabteilungen ihre Stellungen auf der Münchinger Markung bezogen. Eine Abteilung hatte ihren Standort auf der Birkemer Höhe in der Nähe von Korntal“. Die zweite dieser Abteilungen wurde auf dem Kallenberg verortet. Allerdings handelte es sich dabei um die Schwere Flakbatterie Stammheim, die sich größtenteils auf Möglinger Gemarkung befand.

Dem Heimatbuch zufolge war die Batterie Korntal „von Volkssturmpflichtigen des Ortes besetzt, soweit diese nicht der Landwacht angehörten und besonders im Jahre 1944 nicht bei dieser Einheit Dienst leisten mussten.“

Die Angabe „in den letzten Kriegstagen“ muss allerdings hinterfagt werden. Der Heilbronner Luftwaffenhelfer Werner Bäuerle wurde zum 01. August 1944 eingezogen und der Schweren Heimatflakbatterie 206./XIII mit Stellung in Korntal zugeordnet. Bei seiner Ankunft notierte er „zur Zeit sind ältere Luftwaffenhelfer in der Stellung“. Zu diesem Zeitpunkt war die Stellung also voll ausgebaut und die Geschütze einsatzbereit.

Die Anwesenheit älterer Luftwaffenhelfer deutet darauf hin, dass seit mindestens Anfang 1944 Luftwaffenhelfer in dieser Batterie eingesetzt waren, denn die Luftwaffenhelfer der Jahrgänge 1926 und 1927 waren einer Batterie immer für ein halbes Jahr zugeteilt, bevor sie vom nächsten Jahrgang abgelöst wurden.

Bäuerle und seine neu angekommenen Kameraden wurden zunächst in der Korntaler Turnhalle untergebracht, da in den Baracken der Batterie noch kein Platz für sie war.
Die Batterie war mit russischen 8,5/8,8 cm Beute-Kanonen ausgerüstet. Das war bei Heimatflakbatterien nicht unüblich.

Bäuerle und seine Batterie wurden am 09. Oktober zur Batterie Weilimdorf in die Stellung bei Hausen verlegt. Dort erlebten sie auch den Angriff vom 22. Oktober 1944, bei dem etliche Bomben auf Weilimdorf und Korntal sowie die Scheinanlage bei Weilimdorf niedergingen. Der Bahnhof Korntal und die Stellung der Batterie Korntal wurden ebenfalls getroffen. Ob die Stellung zu diesem Zeitpunkt noch mit Flak belegt war, geht aus den Notizen Bäuerles nicht hervor.

Im Archiv der Stadt Gerlingen befindet sich ein Foto, das die Mündungsfeuer der Batterie Korntal beim nächtlichen Schießen zeigt. Es wurde von Gerlingen aus aufgenommen. Das Foto ist handschriftlich auf den 08.09.1940 datiert. Eine Verifizierung dieser Datierung ist nicht mehr möglich. Wenn diese aber korrekt ist, wurde die Stellung offenbar bereits 1940 eingerichtet und mit Flak belegt.

Das Gelände der Batterie Korntal ist heute vollständig vom „Grünen Heiner“ überdeckt. Berichten zufolge soll die Stellung mit einem Feldbahngleis für den Munitionstransport an den Bahnhof Korntal angeschlossen gewesen sein. Beweise für diese Aussage konnten nicht gefunden werden. Ein Feldbahnanschluss ist in den Publikationen zu den Flakstellungen in Stuttgart für keine Stellung überliefert.