Hailfingen- Tailfingen Flugplatz

Die Geschichte des Flughafens Hailfingen-Tailfingen ist noch immer Gegenstand intensiver Forschung. Die KZ Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen e. V. betreibt einen beachtlichen Aufwand, um diese Geschichte zu recherchieren und möglichst lückenlos darzustellen.

1938 wurde mit dem Bau des Flughafens Hailfingen-Tailfingen als Einsatzflughafen I. Ordnung begonnen. Bis zum Westfeldzug hatten der Reichsarbeitsdienst und die Bautrupps die grundlegenden Arbeiten erledigt. Hierunter fielen die Zufahrtsstraßen, der Eisenbahnanschluss an die Gäubahn und der Bau von Baracken für die Arbeiter und danach auch die Flugplatzgebäude. Im November 1938 begannen die Rodungen für das Rollfeld. Dieses sollte den Forderungen des Luftgaukommandos zufolge bis Frühjahr 1940 anfliegbar sein. Dieser Zeitplan konnte jedoch nicht eingehalten werden. So spielte der Flugplatz für den Frankreich-Feldzug keine Rolle.

Stillstand und Weiterbau

Nach der Kapitulation Frankreichs passierte den Quellen zufolge auf dem Areal zwei Jahre fast nichts. Allerdings hat der Verein der KZ-Gedenkstätte inzwischen Fotos erhalten, die verschiedene Flugzeuge auf dem Flugplatz im Jahr 1942 zeigen. Diese Fotos passen zu mündlichen Aussagen, wonach der Flugplatz einige Zeit als Abstellplatz für den Reparaturbetrieb der am Flughafen Böblingen beheimateten Klemm-Werke gedient haben soll.

1942 wurde auf dem Gelände ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene eingerichtet, die nun am Bau des Flugplatzes arbeiten mussten. Ihre Zahl wird mit 84 – 120 angegeben. Von November 1942 bis Herbst 1944 waren zusätzlich 30 französische Kriegsgefangene aus Korsika auf der Baustelle eingesetzt.

1942 war schließlich der erste Bauabschnitt der Rollbahn fertig. Ab 1943 wurden die Arbeiten am Flugplatz intensiviert, und im Frühjahr 1944 wurde das Bauvorhaben als „dringend“ eingestuft.

Zu diesem Zeitpunkt hatte man eine notdürftige Bereitschaft für den Einsatz von Nachtjägern geschaffen. Gleichzeitig bemühte sich die Organisation Todt um Arbeitskräfte für den nun anstehenden Ausbau. Hatte man zunächst Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationen eingesetzt, kamen im September 1944 350 – 380 deportierte Griechen auf die Baustelle und im November 600 jüdische KZ-Häftlinge. Der Flugplatz wurde zum Außenlager Hailfingen-Tailfingen des KZ Natzweiler-Struthof. Die Häftlinge wurden unter völlig unzureichenden Bedingungen in einem Hangar untergebracht.

In der Folge starben bis zur Auflösung des Lagers im Februar 1945 mindestens 170 der 600 Häftlinge vor allem an Mangelernährung, körperlicher Erschöpfung und Krankheit. Das Schicksal von rund 220 in Hailfingen-Tailfingen eingesetzten Häftlingen ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Mögliche Überlegungen der Luftwaffe

Eine der hauptsächlichen Aufgaben des KZ-Außenlagers war der Bau einer zweiten Startbahn, die jedoch bis Kriegsende nicht fertig wurde. Auf Luftbildern sind sogar durchgeführte Erdarbeiten für den Bau einer dritten Bahn erkennbar. Wie bei voll ausgebauten deutschen nachtlandefähigen Flugplätzen üblich, wären diese in einem Dreieck angeordnet gewesen.

Die zeitweise vor Ort geäußerte Vermutung, die Arbeiten hätten dem Ausbau zu einem Silberplatz (Einsatzhafen für die Me 262) gedient, kann klar verneint werden. In der näheren Umgebung von Stuttgart war nur Großsachsenheim im Silberprogramm. Es erscheint hingegen plausibel, dass die Luftwaffe eine technologische und konzeptionelle Aufteilung zwischen Großsachsenheim und Hailfingen-Tailfingen anstrebte.

Der für die damalige Zeit erhebliche Aufwand zum Ausbau Hailfingen-Tailfingens zum voll nachtlandefähigen Flugplatz in einer so späten Phase des Krieges könnte darauf hinweisen, dass die Propellermaschinen der Nachtjagd komplett von Großsachsenheim hierher verlegt werden sollten, um in Großsachsenheim eine leistungsfähige Me 262-Basis schaffen zu können.

Da für die Me 262 ein unterschiedlicher Treibstoff benötigt wurde wie für Propeller-getriebene Flugzeuge, auch das Mechaniker-Team durch die Strahltrieb-Technologie andere Kenntnisse benötigte, wäre man beim Ausbau Großsachsenheims gezwungen gewesen sowohl technische Ausrüstung wie Tanksysteme als auch spezialisiertes Personal doppelt vorzuhalten.

Sowohl organisatorisch als auch logistisch hätte die klare Verteilung der Einheiten Sinn gemacht und manche Erkenntnisse der Forschung lassen sich in diese Vermutung sehr gut einfügen. Schriftliche Belege, wie etwa Anweisungen der Luftwaffe, gibt es für diese Theorie jedoch bislang nicht.

Nachtjagd und Nachkriegszeit

Im Mai 1944 wurden Teile des Nachtjagdgeschwaders 6 (NJG 6) erstmals auf diese beiden Plätze verlegt. Uursprünglich sollte die I./NJG 6 am 08.05.1944 nach Hailfingen-Tailfingen verlegen. Es zeigte sich aber, dass der Flugplatz noch nicht ausreichend ausgebaut war. Nach mehreren Umverlegungen kam in der Nacht vom 15. / 16.08.1944 die 2./NJG 6 nach Hailfingen-Tailfingen. Die Nachtjäger blieben dort bis zum 30. März 1945. Ein Sprengtrupp der Wehrmacht zerstörte am 06.07. April 1945 die Start- und Landebahn.

Am 18. April rückten Einheiten des 2. französischen Armeekorps in Hailfingen und Tailfingen ein.

Die mitten durch das Flugplatzgelände verlaufende der Markungsgrenze zwischen Hailfingen und Tailfingen wurde 1945 auch zur Grenze zwischen der französischen und der amerikanischen Besatzungszone.

Die Französische Luftwaffe plante zunächst, den Flugplatz weiter zu nutzen und ihn zu erweitern. Ab Mai 1945 war eine französische Luftwaffenbau-Kompanie vor Ort und auch die lokale Bevölkerung wurde zu Arbeiten herangezogen, z.B. zum Auffüllen der Sprengtrichter. Durch die Zonengrenze bedingt, konnten die Franzosen aber nur über den Hailfinger Teil des Geländes verfügen.

Im November 1945 wurde der Ausbau gestoppt und im Februar und März erfolgten Demontage und Abtransport der Hallen. Anschließend wurde das Flugplatzgelände dem Landratsamt Tübingen zur Bewirtschaftung übertragen.

Im März 1948 und noch einmal Anfang 1955 gab es erneute Vorstöße des französischen Militärs, das Gelände zu requirieren. In beiden Fällen wehrten sich die zivilen Stellen und die Umnutzung wurde auf französischer Seite nicht mit Nachdruck weiterverfolgt.
Sowohl auf Hailfinger als auch auf Tailfinger Seite ging das Flugplatzgelände bis in die 1980er Jahre durch diverse Flurbereinigungen, an deren Ende die Ansiedlung diverser landwirtschaftlicher Betriebe standen.

Das Gelände heute

Vom einstigen Flugplatzgelände ist auf den ersten Blick nicht mehr viel übrig. Allerdings ist ein Teil der Start- und Landebahn bis heute erhalten. Die KZ-Gedenkstätte hat auch an mehreren Stellen Info-Tafeln aufgestellt, die die Geschichte des Flugplatzes dokumentieren und ein Mahnmal errichtet.

Der Verein hat mehrere Publikationen zum Flugplatz und dem dortigen KZ-Außenlager herausgegeben und in Gäufelden eine Ausstellung eingerichtet.

Zu den wenigen baulichen Relikten auf dem Flugplatzgelände gehören die Säulen einer Halle, die in einem der Gedenkstätte vorliegenden Plan als „Reparaturhalle“ verzeichnet ist. Nach Vergleichen mit Fotos von anderen Flugplätzen ließ sie sich als genormte Behelfshalle mit Leimbindern und 32 x 50 m Grundfläche identifizieren. Die Halle wurde offenbar nie fertig gebaut, lediglich die Säulen waren bereits errichtet, als die Arbeiten abgebrochen wurden.

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