Kurmärker Kaserne / EUCOM

1934 begann bei Vaihingen der Bau der Reichsautobahn, der heutigen A8. Zuständig war die zum 1. Januar 1934 eingerichtete Oberste Bauleitung Kraftfahrbahnen. Am 03. Oktober 1936 wurde Rohr nach Vaihingen eingemeindet. 1933 hatte Vaihingen 8.303 Einwohner und Rohr 2.108. Damit erreichte die Gemeinde Vaihingen auf den Fildern eine fünfstellige Einwohnerzahl. Durch den Autobahnbau waren bereits Bauarbeiter in beträchtlicher Anzahl nach Vaihingen gekommen. Ab 1934 gab es in Vaihingen ein Lager des RAD.

Eine Panzerkaserne für Vaihingen

Die Zahl der Bauarbeiter nahm 1936 noch weiter zu, als in den Lauchäckern das größte nationalsozialistische Bauprojekt in Vaihingen begonnen wurde: Die Kurmärker Kaserne. Sie wurde etwa zeitgleich mit der Panzerkaserne in Böblingen gebaut, und zwischen den beiden Kasernen wurde ein für Panzer befahrbarer Verbindungsweg geschaffen, die Panzerstraße. Anfang 1938 war die Kaserne bezugsfertig. Für die weitgehend ländlich geprägte Fildergemeinde war die Kaserne eine beträchtlicher Wirtschaftsfaktor und wurde entsprechend positiv aufgenommen.   

Am 07. Mai 1938 rollten die leichten Panzer des 7. Panzerregiments durch das Kasernentor. Die Soldaten waren mit dem Zug nach Vaihingen gekommen und hatten sich am Bahnhof formiert. Von da ging es über den Schillerplatz und die Hauptstraße in die Kaserne. Im ersten Panzer stand Regimentskommandeur Oberst Franz Landgraf.

Hinter der „Bier-Brauerei Robert Leicht“ (Schwabenbräu) bogen die 130 Panzer links ab und rollten auf ein offenes Gelände am Ortsrand, wo sie vom Bürgermeister Walter Heller und lokalen Parteifunktionären und einigen Militärs offiziell willkommen geheißen wurden. Für das Spektakel waren die Straßen mit Fahnen und Willkommens-Banderolen geschmückt und zahlreiche Schaulustige versammelten sich auf dem Platz der Festivität, auf dem wenige Wochen später die heutige Pestalozzischule gebaut wurde.

Die Kurmärker Kaserne und die Böblinger Panzerkaserne mit dem 8. Panzerregiment lagen nur rund 15 km voneinander entfernt und so lag es nahe, sie zu gemeinsamen Übungen zu kommandieren. Es fanden aber auch getrennte Übungen fanden statt. Das 7. Panzerregiment übte im Wald westlich der Kaserne in einem Areal das noch heute von deutschen und amerikanischen Truppen für Übungen genutzt wird. Innerhalb der Kaserne gab es drei von beiden Regimentern genutzte Schießstände, von denen ein Gebäude noch erhalten ist. Es beherbergt den NCO Candle Light Club. Die beiden anderen Räumlichkeiten wurden im Laufe der Zeit ersetzt.

Die Panzer ziehen in den Krieg

Das 7. Panzerregiment blieb 15 Monate in der Kurmärker Kaserne. Ende Juli 1939 wurde das Regiment bis auf die 2. und 7. Kompanie per Zug nach Hamburg verlegt und dort nach Königsberg eingeschifft. Es nahm dort am Manöver an der polnischen Grenze teil und überquerte kurz darauf die Grenze bei Mlawa. Aus Manöver war Krieg geworden.

Die 2. und 7. Kompanie verblieben als Ersatzabteilung in Vaihingen, die die Ausbildung von Nachwuchs und Ersatz für das Regiment zu übernehmen hatte. Nach 18-tägigem Kampfeinsatz in Polen kehrte das 7. Panzerregiment nach Vaihingen zurück. Es blieb dort 6 Wochen. Danach wurde es zunächst nach Limburg verlegt. Anschließend ging es zwischen Koblenz und Luxemburg in Stellung.

Am 01. April 1942 wurde Vaihingen nach Stuttgart eingemeindet. Unweit der Kaserne hatte die Luftwaffe zuvor schon ein Gelände an der Büsnauer Straße nördlich der heutigen B14 erkundet und zunächst eine Flak-Scheinstellung errichtet. Anfang 1943 wurde die Stellung zunächst mit einer Batterie 8,8 cm belegt, bis Anfang 1944 wurde zwei weitere Stellungen errichtet, so dass dort dann 3 Schwere Flakbatterien standen, die im Sommer 1944 wieder auf zwei reduziert wurden.  

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg wurde die Kurmärker Kaserne zunächst von französischen Kolonialtruppen genutzt und dann an die US Army übergeben. 1946 zog die U.S. Constabulary (die damalige Militärpolizei für das besetzte Deustchland) ein. 1950 – 1967 diente die Kaserne der 7. Armee als Hauptquartier. 1952 wurde die Kaserne in Patch Barracks umbenannt, nach General Alexander McCarrell Patch (November 23, 1889 – November 21, 1945), dessen Name sie bis heute trägt.   

Am 1. August 1952 wurde vom US-Verteidigungsministerium das United States European Command (USEUCOM) eingerichtet. Es war Nachfolger der noch 1945 entstandenen US Forces, European Theater (USFET). Die USFET waren zunächst im I.G.-Farben-Haus in Frankfurt untergebracht und zogen 1947 in die Großdeutschland-Kaserne in Heidelberg um, die am 23. August 1948 in Campbell Barracks umbenannt wurden.

Am 15. März 1947 wurde die USFET in das European Command (EUCOM) umgegliedert. Mit der Schaffung des streitkräfteübergreifenden USEUCOM 1952 erfolgte der Umzug nach Saint-Germain-en-Laye bei Paris. Das EUCOM-Hauptquartier in Heidelberg wurde daraufhin in United States Army, Europe (USAREUR) umbenannt. Am 01. Dezember 1966 wurde es erneut umbenannt in Headquarters, United States Army, Europe, and Seventh Army (HQ USAREUR/7A).

EUCOM

Da 1966 auf Druck der Regierung de Gaulle alle amerikanischen Truppen Frankreich verlassen mussten, verlegte das Hauptquartier der 7. Armee nach Heidelberg und das EUCOM am 14. März 1967 in die Patch Barracks.

Bis zur Einrichtung des US Africa Command (AFRICOM) 2007 war das EUCOM das einzige US-Oberkommando mit Sitz außerhalb der Vereinigten Staaten. Ihm unterstanden 2007 rund 72.000 Soldaten.

Dem EUCOM unterstehen folgende Kommandos und Einheiten:

  • 7. US-Armee oder US Army Europe (USAREUR)
  • US Air Forces Europe (USAFE)
  • US Naval Forces Europe (USNAVEUR)
  • US Marine Corps Forces Europe (MARFOREUR)
  • US Special Operations Command Europe (SOCEUR)
  • Task Force Eagle [KFOR]
  • Joint Analysis Center in Molesworth, Großbritannien
  • US National Military Representative to SHAPE
  • Office of Defense Cooperation (ODC) 

Die 7. US-Armee, die 6. US-Flotte, und die 3. und 16. Air Force bilden den Hauptteil der EUCOM unterstellten Truppen.

Die Zuständigkeit des EUCOM umfasste bis 2008 alle militärischen Aktionen der USA in Europa, den größten Teil Afrikas sowie den asiatischen Teil Russlands. Die Zuständigkeit für Afrika ging im Oktober 2008 mit Ausnahme Ägyptens auf das AFRICOM über.

Im US-amerikanischen Militärjargon kursiert für die Einrichtungen der Army in Europa auch heute noch der inoffizielle Name „US Forces, European Theater“, der auf die USFET zurück geht.

Lange Zeit hatte das EUCOM einen 96 Meter hohen Richtfunkturm an der Bernhartshöhe, der es weithin erkennbar machte, und den die Menschen in der Region als inoffzielles „Wahrzeichen“ betrachteten. Dieser wurde im Frühjahr 2009 abgebaut.

Zwar hatte US-Präsident Donald Trump Ende 2019 mit dem Abzug der US-Truppen aus Deutschland und einer Verlegung des EUCOM nach Belgien gedroht und Mitte 2020 auch tatsächlich Truppenteile von Deutschland nach Osteuropa verlegt, beim Abzug des EUCOM aus Vaihingen blieb es aber bei der Drohung.