Grötzingen und Dürrenbüchig

LVZ-West Karlsruhe 2

Maginot-Linie, Westwall und Luftverteidigungszone West im Raum Karlsruhe und Umgebung 1939.

Im 1. Weltkrieg gab es in keiner anderen deutschen Stadt mehr Tote durch Bombenangriffe feindlicher Flugzeuge wie in Karlsruhe. So lag es nahe, die Stadt auch zu Beginn des 2. Weltkriegs als besonders gefährdet zu betrachten, zumal die Rheinebene als mögliche Einflugschneise von gegnerischen Flugzeugen aus Frankreich betrachtet wurde.

Mit dem Beginn der Bauarbeiten am Westwall rückte die Stadt unmittelbar in die Zone des Westwalls hinein. Südlich von Karlsruhe entstand der Ettlinger Riegel als Teilabschnitt des Westwalls, im Hardtwald zwischen Ettlingen und Rheinstetten wurden Geschützkasematten für 17-cm-Marinegeschütze errichtet, die ebenfalls zu den Baumaßnahmen des Westwalls gehörten.

Östlich von Karlsruhe gingen Westwall und Luftverteidigungszone (LVZ) West ineinander über. Auf einer Verkehrskarte von 1939 sind die Bereiche des Westwalls und der LVZ West als schraffierte Bereiche dargestellt und so klar gegeneinander abgegrenzt. Demzufolge wäre die „Grenze“ zwischen beiden Zonen etwa bei Jöhningen – Wöschbach – Königsbach-Stein verlaufen.

Dem steht allerdings entgehen, dass auf dem Knittelberg bei Grötzingen eine Stellung der Schweren Flak errichtet wurde, die auch auf der Webseite der Stadt Karlsruhe beschrieben ist. Es war innerhalb der LVZ West die Flakstellung, die am nächsten am Stadtzentrum Karlsruhes lag. Die erhaltenen Reste der Stellung wurden als Denkmäler erfasst. Von den Bettungen der Schweren Flak ist nur noch wenig erhalten, teilweise sind sie übererdet. Es sind aber noch drei MG-Schartenstände und ein Wasserbunker vorhanden, sowie mehrere Ruinen.

Knapp 12 km östlich davon, auf dem Lugenberg bei Dürrenbüchig befand sich die Nachbarbatterie. In der von Otto Bickel verfassten Ortschronik von Dürrenbüchig ist die Batterie beschrieben. Die Chronik nennt alle Flurstücke, auf denen die Luftwaffe insgesamt 10 Bunker für die Stellung errichtete, fünf davon auf Wössinger Gemarkung. Auch die Meßstellung lag auf Mössinger Gemarkung. Die Bettungen für die vier 8,8 cm-Flak wurden alle auf Dürenbüchiger Gemarkung eingerichtet.

Die Geschichte und der Stadtort der Flakstellung in Dürenbüchig waren bislang kaum aufgearbeitet worden. Neben der kurzen Abhandlung in der Ortschronik, zu der auch mehrere Fotos der nach dem Krieg gesprengten Bunker gehören, gab es hierzu bislang wenig Informationen. Vor allem war die Einordnung in die LVZ West nicht ausreichend vorgenommen worden. In der lokalen Erinnerung wurde die Flakstellung eher als eine isolierte Einrichtung betrachtet.

Der Dürenbüchiger Heimatforscher Gerhard Rinderspacher hat die verfügbaren Informationen zu der Stellung zusammengetragen und einen Teil davon auf seiner Webseite veröffentlicht. Er konnte auch das zur Batterie gehörende Beständelager identifizieren, das allgemein als „Flakhalle“ bezeichnet wurde. Es stand noch 2009 in Wössingen im Hauweg. In den Jahren danach wurde es abgebrochen und das Grundstück mit zwei Wohnhäusern überbaut. Somit wurde der letzte Bauzeuge der Stellung Dürrenbüchig beseitigt.

Die beiden Schweren Flakstellungen auf dem Knittelberg und dem Lugenberg waren bei Kriegsausbruch belegt worden. Bis zur Kapitulation Frankreichs bildeten sie zusammen mit der Schweren Flakstellung Daxlanden (zwischen Lindenstraße – heute Lindenallee -– und Römerstraße) im Westen Schwerpunkte der Luftverteidigung Karlsruhes. Nach der Kapitulation Frankreichs wurden jedoch viele Stellungen der LVZ geräumt und die Batterien entweder an die Kanalküste verlegt oder zu Fronteinsätzen herangezogen.

In der ersten Hälfte des Jahres 1940 war mit der Einrichtung von drei großen Scheinanlagen begonnen worden, die die nächtlichen Angriffe der britischen Flugzeuge auf sich ziehen und so die Stadt Karlsruhe schützen sollten.

Im April 1941 musste Karlsruhe die letzte Schwere Flakbatterie abgeben. Das zuständige Luftgaukommando VII notierte dazu: „Auf schweren Flakschutz von Karlsruhe wird verzichtet. Es werden zwei 3,7 cm und zwei 2-cm –Batterien für ausreichend gehalten.“
Wie verheerend die Entscheidung war, zeigte sich beim Luftangriff am 5./6. August 1941, bei dem die leichte Flak der Stadt kaum eine sinnvolle Verteidigung leisten konnte. Die am 06. August hastig nach Karlsruhe beorderte Batterie der Eisenbahnflak Reserveabteilung 224 kam in der folgenden Nacht vom 6./7. August 1941 umgehend zum Einsatz und gab bei diesem Luftangriff 1.105 Schuss ab. Diese Geschütze waren im Hafengebiet aufgestellt worden.

Danach änderte sich der Flakschutz Karlsruhes immer wieder. Die Stellungen der LVZ West auf dem Knittelberg und dem Lugenberg wurden nicht mehr belegt. Auf dem Lugenberg wurden die Bunker teilweise als Lager für Wasch- und Lebensmittel genutzt. Diese wurden 1945 von den französischen Truppen aufgebrochen und die Bestände requiriert. Ein Teil der Waren wurde an die Bevölkerung abgegeben. Letztlich musste Bürgermeister Häfele den Eigentümer der Waren aus der Gemeindekasse entschädigen, da dieser damit drohte, andernfalls bei der Französischen Besatzungsverwaltung Hausdurchsuchungen zu beantragen.

1946 wurden die Bunker der Stellung auf dem Lugenberg allesamt gesprengt.

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