Betriebsverlagerungen

Die letzte Konsequenz des Werkluftschutzes war die Betriebsverlagerung. Als erkennbar war, dass die Schäden durch Luftangriffe zu groß werden, und es nicht mehr ausreicht, die Belegschaften in Schutzräume zu schicken und Maschinen durch Splitterbaumassnahmen zu schützen, wurden Betriebe verlagert. Zunächst wurden hochgefährdete Betriebe in ländliche Regionen verlegt. So wurden unzählige Fabriken in Kleinstädten und Dörfern umgenutzt. Ihre eigentliche Produktion wurde eingestellt oder sogar in bestetzte Gebiete verlagert. Die so freigewordenen Produktionsstätten wurden dann für die Fertigung von Motoren, Turbinen, Kühler, Flugzeuge, Fahrzeuge aller Art und natürlich auch für Waffen und Munition genutzt.

Mit zunehmender Lufthoheit der Alliierten und der Erreichbarkeit jedes beliebigen Ortes für feindliche Bomber begann das letzte Kapitel des Werkluftschutzes. Unter der Federführung von Albert Speer wurden im ganzen von Deutschland kontrollierten Gebiet Eisenbahn- und Strassentunnel, Steinbrüche, Gruben, Stollen, Höhlen und andere unterirdische Räume erfasst. Sie sollten die deutsche Rüstungsproduktion aufnehmen, die unter die Erde verlegt werden soll. Das Program wurde durch gigantische Bunkerprojekte flankiert wie jene in Mühldorf und Kaufering. Die Baumaßnahmen kosteten Tausende Zwangsarbeiter das Leben. Viele der Standorte gingen nie in Produktionen, weil sie nicht rechtzeitig fertig wurden. Doch eine erstaunlich groß Anzahl sogenannter U-Verlagerungen produzierte teilweise monatelang oft unter unvorstellbaren Bedingungen.

Advertisements