Großsachsenheim

 

Die Geschichte des Flugplatzes Großsachsenheim ist relativ gut dokumentiert. Am 15. Februar 1939 wurde Bürgermeister Vetter von Offizieren des Luftgaukommandos München der Plan zum Bau eines Flugplatzes in Großsachsenheim erklärt.

Im Oktober 1940 wurde mit dem Bau begonnen, gleichwohl bis September 1941 noch weitere Grundstücke erworben wurden.

Wie der Flugplatz in Schwäbisch Hall wurde auch Großsachsenheim zum Bestandteil des „Silberprogramms“ des Jägerstabs der Luftwaffe. Diese Plätze sollten alle mit festen Start- und Landebahnen ausgestattet werden, um den Einsatz des Düsenjägers Me262 zu ermöglichen.

Bis zum 30. März 1945 wurde der Flugplatz von deutschen Nachtjägern genutzt und auch weiter ausgebaut, ohne dass die Planungen jedoch auch nur einigermaßen umgesetzt werden konnten.

Montage im Fels ?

Ab Ende 1944 entstand an der Oberriexinger Straße eine unterirdische Anlage, die jedoch nie fertig wurde. Im Hang südlich des Flugplatzes sollte ein Stollenkomplex mit 7000 qm Produktionsfläche erstellt werden. Zeitzeugen, die nach dem Krieg in den Stollen waren, berichteten von großen unterirdischen Räumen, in denen Flugzeuge gefertigt werden sollten.

Die Kinder der Nachkriegszeit spielten anfangs dort noch, bis die Zugänge verschlossen wurden. Sie vermuteten, die Räumlichkeiten sollten unterirdische Hangars werden, um die in Großsachsenheim stationierten Flugzeuge vor Bombenangriffen schützen zu können.

Eine unterirdische Flugzeugmontage neben dem Flugplatz hätte durchaus im Bereich damaliger Konzeptionen liegen können. Mehrere bereits in Betrieb gegangene oder noch geplante Betriebe zur Fertigung von Teilen für die Me262 lagen in unmittelbarer Nähe. Allerdings wären für die Anlieferung von Teilen zwischen Bahnhof Sachsenheim und der Stollenanlage ca. 1,5 km Entfernung zu überwinden gewesen.

Von der unterhalb des Flugplatzes gelegenen Fertigungsstätte hätte man die Flugzeuge ca. 200 m hangaufwärts bewegen müssen. Hierfür hätte man Schleppfahrzeuge benötigt.

Deckname „Galenit“

In einer Auflistung des Rüstungsamts vom 04.09.1944 über Straßentunnel und Bunkeranlagen wird das Vorhaben als Bunker Großsachsenheim bezeichnet. Im Decknamenverzeichnis vom 15.01.1945 ist dem Standort der Deckname „Galenit“ zugeordnet.

Dieses Projekt diente allerdings nicht der Fertigung von Flugzeugen. Es lag wohl nur zufällig neben dem Flugplatz. Unter dem Decknamen „Galenit“ hatte die Daimler-Benz AG eine Verlagerung von Teilen ihrer LKW-Produktion aus dem Werk Mannheim geplant. Als Produktionsort wurde „Stollen Großsachsenheim“ angegeben.

Das Arbeitskommando war in einem Lager bei Unterriexingen untergebracht, in dem ca. 1.000 Häftlinge gefangen waren. Mindestens 200 waren vom Daimler-Benz-Werk in Mannheim dorthin verlegt worden. Das Unterkommando Unterriexingen war dem KZ Vaihingen-Enz zugeordnet.

Bis Februar 1945 wurde an den Stollen für Daimler-Benz gearbeitet. Die Bedingungen der Häftlinge waren extrem schlecht. Viele starben an Hunger, Krankheiten und Gewalteinwirkung. Das Lager bestand wohl noch bis April 1945.

Offene Fragen

Eine genaue Dokumentation des Projekts fehlt bis heute. Es gibt Aussagen, die den Baubeginn bereits auf das Jahr 1942 datieren. Die Verlagerung des Daimler-Benz-Werks in Mannheim nach Großsachsenheim wurde allerdings erst 1944 auf den Weg gebracht. Nach dem Einmarsch der Franzosen wurden die Portale gesprengt und teilweise mit Erde bedeckt. Da diverse Zeitzeugen als Kinder in die Anlage gelangen konnten, waren aber nicht alle Zugänge vollständig verschlossen worden.

Die Aussagen dieser Zeitzeugen sind fragmentarisch und widersprüchlich. Während als sicher gelten kann, dass die Portale groß genug waren, um die Zufahrt mit  LKW zu gewährleisten, sind andere Angaben uneinheitlich. Einzelne Zeitzeugen wollen Flugzeuge oder Flugzeugteile in der Anlage gesehen haben. Dies wird aber nicht von allen bestätigt.

1988 wurde das 421 m lange Gangsystem genau vermessen. Anschließend wurden die bis zu 6 m hohen Stollen mit 4.200 Kubikmeter Steinmehl und Zement verfüllt.

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