Gebr. Schoch, Feuerbach

1925 gründeten die Brüder Emil und Georg Schoch die Firma Gebr. Schoch mit Standort am Bahnhof Feuerbach. Die Gebr. Schoch (GeScho) wurden schnell zu einem bedeutenden Metallveredelungsbetrieb mit mehreren hundert Beschäftigten. Die Produktpalette umfasste Hartchrom, mechanische, chemische und elektrolytische Metallveredelung und Eloxalveredelung von Aluminium. Das Unternehmen war somit wichtiger Partner der Werkzeugindustrie, des Anlagen- und Maschinenbaus, und der Motoren- und Fahrzeugindustrie.

Das Werk erstreckte sich Ende der 1930er Jahre zwischen Kremser Straße, Dornbirner Straße und Bahnhofsvorplatz. Entlang der Kremserstraße und an der Dornbirner Straße bis zur Werksdurchfahrt von der Burgenlandstraße standen massive Steingebäude aus der Gründerzeit des Unternehmens, in denen auch die Verwaltung untergebracht war. Im Bereich zur Wiener Straße standen hölzerne Hallen für die Chrombäder.

Schutzräume

Etwa in der Mitte des Werksgeländes wurde für die Belegschaft ein unterirdischer Luftschutzbunker erstellt, der ca. 80 Personen aufnehmen konnte. An der Dornbirner Straße wurde ein Raum eines Gewölbekellers ebenfalls als Luftschutzkeller ausgebaut, der weitere ca. 50 Personen aufnehmen konnte. Große Teile des Werkes waren nicht unterkellert, so dass die Platzkapazitäten der werkseigenen Luftschutzräume für die Belegschaft nicht ausreichten. Zwar gab es ab Ende 1939 den Winkelturm am Bahnhof Feuerbach, doch war dieser von der Bahn für Pendler errichtet worden.

Die Situation entzerrte sich erst mit der Fertigstellung des Tiefbunkers am Bahnhofplatz 1941, in dem wohl auch Teile der GeScho-Belegschaft Schutz fanden.

Splitterschutzzelle

Zu den Maßnahmen in Rahmen des Werksluftschutzes gehörte auch die Anschaffung einer Splitterschutzzelle, die in der Werksdurchfahrt von der Burgenlandstrasse zum Bahnhofsvorplatz aufgestellt wurde. Sie stand zentral inmitten des Firmenareals und wurde als Brandwache und Beobachter aufgestellt. Von ihr aus konnten alle Werksbereiche beobachtet werden.

Es handelte sich um eine Zelle aus der Produktion der Münchener Leonhard Moll-Werke, die ab 1942 solche Eisenbetonzellen fertigte. Die von GeScho angeschaffte Ausführung hatte fünf Sehschlitze im Abstand von 72°. Die Splitterschutz-Zelle Bauart Moll war für zwei Personen ausgelegt, denen im Innern der Zelle kleine Holzsitze zur Verfügung standen. Die Zelle hatte zwei Eisenbetontüren, die gegenüber liegen.

Luftangriff mit Langzeitfolgen

Die Fabrikanlagen der Gebr. Schoch wurden bei einem Luftangriff auf Feuerbach am 21. Februar 1944 schwer getroffen. Die hölzernen Hallen, in denen sich die Chrombäder befanden wurden fast restlos zerstört. Mit dem Inhalt der Bäder gelangten große Mengen von Chlorkohlenwasserstoff und Chromat ins Erdreich. An eine Bodensanierung war während des Krieges freilich nicht zu denken. Sie unterblieb auch im Zuge des Wiederaufbaus 1948-51.

Auch die massiven Gebäude des Werkes erhielten schwere Treffer. Auf Fotos, die das Werk unmittelbar nach dem Angriff zeigen, ist die Splitterschutzzelle inmitten von Trümmern zu sehen, intakt und unbeschädigt. Diese Bilddokumente zeigen anschaulich, dass die Konstruktionen die in sie gesetzten Erwartungen erfüllten. Die Splitterschutzzelle wurde jedoch im Rahmen des Wiederaufbaus beseitigt.

1953 hatte GeScho wieder 700 Beschäftigte und führte die drei Geschäftsbereiche in drei unterschiedlichen GmbHs: Gebr. Schoch Metallveredlungswerk GmbH, Gebr. Schoch Hartchrom GmbH und Gebr. Schoch Eloxal GmbH. Bis über die Jahrtausendwende war das Unternehmen noch aktiv, vor allem für die Automobilindustrie, zuletzt mit der Gebr. Schoch Hartchrom GmbH, die 2004 Insolvenz anmelden musste.

Zum 01.06.2004 wurde die Gebr. Schoch Hartchrom GmbH von der Schweizer Surface Technologies International Holding AG (STI) übernommen. Nach der darauffolgenden Schließung des Werkes in Feuerbach entstanden verschiedene Konzepte zur Neunutzung des Areals und ein jahrelanger Streit der Schoch-Erben mit der Stadt Stuttgart.

Neuordnung

2009 wurde davon ausgegangen, dass die Sanierung des verseuchten Bodens Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde, da das Grundwasser über Brunnen abgepumpt, gereinigt und dann über die Kanalisation abgeleitet werden müsste. Die Eigentümer des Grundstücks hatten allerdings zunächst nicht mal die Brunnen in Betrieb genommen, da die Frage der Kostenübernahme ungeklärt war.

Die Grundstückseigner sahen die Stadt Stuttgart in der Pflicht, die Kosten zu übernehmen. Die Verseuchung sei schließlich eine Kriegsfolge. Der Rechtsstreit und die Verseuchung torpedierten zunächst die Planungen der Stadt Stuttgart, das GeScho-Areal neu zu ordnen und dort Wohn- und Gewerbeflächen zu errichten. Erst 2014 waren die juristischen Auseinandersetzungen beigelegt und auch ein Konzept zur Bodensanierung erarbeitet.

Im Sommer 2015 erfolgte der Abbruch des Schoch-Areals, das als zentrale Fläche für die Neuordnung des Feuerbacher Bahnhofsviertels neu bebaut wird. Außer 130 Wohnungen sollen Kleingewerbe angesiedelt werden und so ein neues „Tor“ nach Feuerfach entstehen.

Neben dem Eingangsbauwerk zum Tiefbunker am Bahnhofsvorplatz steht seit 25.06.2008 wieder eine Splitterschutzzelle Bauart Moll. Diese gehörte ursprünglich der Reutlinger Firma Heim und sollte an ihrem Standort abgerissen werden. Um sie zu erhalten holte der Verein Schutzbauten Stuttgart e.V. die Zelle nach Feuerbach. Sie ist baugleich zu jener, die inmitten des GeScho-Geländes stand und soll an diese erinnern.

Advertisements