Kraftwerk Marbach

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatten die Technischen Werke der Stadt Stuttgart (TWS) damit begonnen, Anlagen zur Energieversorgung der Stadt Stuttgart auch außerhalb der Stadt zu errichten.

So wurde 1938 bei Marbach am Neckar mit dem Bau eines Kohlekraftwerks zur Versorgung der Stadt Stuttgart mit Strom begonnen. Das Kraftwerk war als Sammelschienenanlage (64 atü, 500° C) mit drei Turbogeneratoren und einer Leistung von 100 MW geplant.

Auf Druck der Gauleitung übergaben die TWS das bereits im Rohbau erstellte Kraftwerk am 15. Mai 1939 an die neu gegründete Energie-Versorgung Schwaben (EVS).

Einspruch des RLM 

Ursprünglich war das Kraftwerk längs des Neckars geplant. Das für alle Belange des Luftschutzes zuständige Reichsluftfahrtministerium (RLM) verlangte jedoch eine Anordnung des Kraftwerks quer zum Fluss, da man erwartete, dass eventuell angreifende Flugzeuge längs des Neckars anfliegen würden. Durch die geänderte Anordnung des Kraftwerks boten die Gebäude nun ein ungünstigeres Ziel und waren schwerer zu treffen. Tatsächlich sollte sich diese Planungsänderung später im Krieg als vorteilhaft erweisen. Zwar gab es im Bereich des Kraftwerks einige Bombenwürfe, die jedoch kaum Schäden hervorriefen. Im Vorfeld des Kraftwerks wo heute Block III steht, gingen etliche Bomben nieder.

Betrieb 

Die Inbetriebnahme des ersten Kessels und eines Turbosatzes erfolgte am 17. Februar 1942. Ab dem 01. April 1942 lieferte das Kraftwerk Strom. Am 2. November 1942 ging der dritte Turbosatz in Betrieb. Die erste Ausbaustufe war abgeschlossen. Ca. 480 Menschen arbeiteten in den 40er Jahren im Kraftwerk.

Zu den Luftschutzmaßnahmen, die beim Bau des Kraftwerks realisiert wurden gehören zwei Brandwachenstände, die auf dem Dach des Maschinenhauses an den beiden nördlichen Ecken aufgesetzt wurden. Die Beobachter aus Eisenbeton sind Individualkonstruktionen. Sie wurden bei Fliegeralarm von werksangehörigen besetzt. Ihre Aufgabe bestand in der Beobachtung des Werksgeländes bei Luftangriffen und der unverzüglichen Weitergabe von Informationen über Bombenschäden und entstehenden Bränden.

Luftschutzkeller 

Der „Gefolgschaftsraum“ (Kantine) erhielt eine Eisenbetondecke und im Untergeschoss des Verwaltungsgebäudes wurden mehrere Räume luftschutzmäßig ausgebaut. Ein Teil dieser Werkluftschutzräume ist noch heute erhalten. Auch mehrere Original-Luftschutztüren sind noch vorhanden.

Die Räumlichkeiten sind heute im Wesentlichen als Lagerräume umgenutzt, ein Teil wurde im Rahmen von Modernisierungen zurückgebaut. Vor allem die Notausstiege wurde im Laufe der Zeit verschlossen und sind nicht mehr im Originalzustand erhalten. Dennoch sind manche Details noch sichtbar.

Wieviele Räume für den Werksluftschutz hergerichtet worden waren, lässt sich nicht mehr genau sagen. Auch die heutigen Eigentümer des Kraftwerks, die NWS, haben dazu keine Unterlagen mehr. Es ist davon auszugehen, dass fast das gesamte Kellergeschoss des Verwaltungsgebäudes als Werksluftschutzraum diente. Somit war in den Kellerräumen ausreichend Platz für die gesamte Belegschaft des Kraftwerks.

Auch das Maschinenhaus ist teilweise unterkellert, dort wurden aber keine Luftschutzmaßnahmen realisiert.

Nachkriegszeit – heute 

In den 1950er Jahren wurde das Kraftwerk ausgebaut. Der Block I wurde 1981 stillgelegt. Heute steht er unter Denkmalschutz und ist teilweise als Gewerbepark vermietet. Da infolge des Denkmalschutzes die Investitionen zur Instandhaltung und Renovierung recht hoch sind und die Lage des Kraftwerks für einen Gewerbepark nicht ausreichend zentral ist, weist das Areal noch einigen Leerstand auf.

Ebenfalls auf dem Kraftwerksgelände befindet sich ein Laufwasserkraftwerk mit zwei Kaplan-Turbinen und einer Gesamtleistung von drei MW. Das Kraftwerk wurde ab 1938 im Zuge der Neckarkanalisierung von der Neckar AG erbaut und von den TWS finanziert. Im Gegenzug wurde es für 99 Jahre an die TWS verpachtet. Dieses Kraftwerk ging am 1. April 1941 in Betrieb. Der zugehörige Kanal existiert nicht mehr. An seiner Stelle verläuft heute die Umgehungsstraße.

Wir veröffentlichen Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung der EnBW.

Advertisements