Bahndirektion Stuttgart

Zu den Luftschutzbunkern, die in Stuttgart bereits vor dem Krieg errichtet wurden, gehört der Luftschutzstollen der Reichsbahndirektion beim Hauptbahnhof. Er wurde im März 1939 in bergmännischer Weise errichtet. Die 25 m lange Anlage wurde in Eisenbeton ausgeführt und wies eine bauliche Besonderheit auf. Man nutzte den städtischen Luftschutzstollen unter der Heilbronner Straße als Notausgang.

Der Bunker der Reichsbahndirektion war über ein Treppenhaus erreichbar, das im der Heilbronner Straße zugewandten Gebäudeflügel lag. In diesem Treppenhaus war im Untergeschoß in einem Nebenraum auch die Lüftungs- und Filteranlage untergebracht.

Der Stollen wurde per Durchbruch im 45 Grad-Winkel an den Stollen Heilbronner Straße angeschlossen. Damit verfügte das Bauwerk über zwei Zugänge, ohne dass ein zweites Treppenhaus in dem bereits dicht bebauten Areal errichtet werden musste. Die Kennzeichnung des Bahn-Bereichs wurde durch entsprechende farbliche Markierungen und Beschriftungen an den Wänden durchgeführt.

In der ersten Planung und Ausführung wurde eine Röhre für 218 Personen realisiert. Im Endausbau verfügte der Stollen jedoch auch noch über einen Nebenraum, der im rechten Winkel in Richtung Heilbronner Straße abzweigte. Zu der Anlage sind nur wenige Unterlagen erhalten. Eine Planskizze vom August 1939 zeigt den Nebenraum nicht. Es konnte nicht geklärt werden, ob dieser Raum erst später entstanden ist oder ob er auf dem Plan von 1939 einfach absichtlich oder versehentlich weggelassen worden war.

Neben einer Filter- und Lüftungsanlage und elektrischem Licht bot die Anlage hölzerne Sitzbänke. Eigene Toiletten waren nicht vorhanden, es war offenbar vorgesehen, dass die Bahnbediensteten die Toiletten im Stollen unter der Heilbronner Straße mitbenutzen.
Irgendwann im Laufe des Krieges wurden im Stollen zusätzliche Wände aus Ziegeln eingezogen, so dass ein Raum im Raum entstand. In diesem inneren Raum lag auch der Zugang zum Nebenraum. Der Zweck dieses Nebenraums ist unklar. Er könnte als Sanitätsraum genauso vorgesehen gewesen sein wie als Lagerraum für wichtige Akten und Unterlagen oder als Büro für die Leitung der Bahndirektion.

Während im Stollen unter der Heilbronner Straße im Laufe des Kalten Krieges mit Umbauarbeiten begonnen wurde, um die Anlage ABC-sicher zu machen und sie wieder in die Zivilschutzkonzeption einzubinden, unterblieben solche Baumaßnahmen beim Stollen der Bahndirektion. So wurde er abgemauert und blieb lange Zeit sich selbst überlassen.

Anders als sein Nachbar wurde er beim Bau des Autotunnels Heilbronner Straße (U-Turn) nicht in Mitleidenschaft gezogen. Dieses Schicksal ereilte ihn erst im Zuge der Bauarbeiten für Stuttgart 21. Mit dem Teil-Abriss der Bahndirektion ging zunächst der Zugang aus dem Gebäude heraus verloren. In Laufe des Baufortschritts wurden die Räumlichkeiten teilweise abgebrochen bzw. mit Beton verfüllt.

Unsere Bilder zeigen einen Zustand, der so nicht mehr existiert.

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