Geislingen, WMF, „Igelfisch“

Bereits 1688 wurde am Tegelberg mit Schürfungen der Suche nach Silber begonnen. Da Teile der Grafschaft Helfenstein damals zu Kurbayern gehörten, das Ansprüche auf eventuell gefundene Bodenschätze angemeldet hatte, unterband die Reichsstadt Ulm die Schürfungen immer wieder, 1775 wurde der Bergbau in Geislingen ganz eingestellt.

Nachdem Arbeiter beim Bau der Bahnstrecke über die Geislinger Steige 1846 bei Geislingen auf ein Eisenerzflöz stießen, entstand dort das Bergwerk „König Karl“, in dem zwischen 1857 und 1885 Eisenerz abgebaut wurde.

Nach dem Verlust der lothringischen und oberschlesischen Minen infolge des 1. Weltkriegs wurde das Bergwerk 1936 als ein Betrieb der Gutehoffnungshütte Oberhausen wieder aktiviert.

Am 16.06.1944 wurde das Bergwerk für eine Produktionsverlagerung der WMF gesperrt. Auf 2.600 qm sollte eine bombensichere, unterirdische Fabrik für Rüstsätze für die Ju 88 entstehen, die zu diesem Zeitpunkt eine wesentliche Rolle in der Nachtjagd der deutschen Luftwaffe spielte. Für das Bauprojekt zuständig war offenbar die OT-Einsatzgruppe V. Es erhielt den Decknamen „Igelfisch“.

Die beiden Geislinger Projekte zur unterirdischen Produktionsverlagerung „Igelfisch“ und „Rubin“ (eine Stollenanlage m Eybachtal) tauchen in der Literatur zu den KZ-Außenlagern von Natzweiler-Struthof nicht auf. Demzufolge fand die Produktion in den Räumlichkeiten der WMF und anderen oberirdischen Stätten statt. Das Unternehmen produzierte Querruder für Düsenflugzeuge und Maschinengewehre. Neben WMF wurden Zwangsarbeiter in Geislingen an 10 weiteren Arbeitsstellen eingesetzt.

1945 standen den 5.500 Einwohner Geislingens über 3.000 Zwangarbeiter gegenüber. Wie viele davon in den beiden unterirdischen Baustellen eingesetzt wurden, ist unklar. Auch über den Baufortschritt des Projekts „Igelfisch“ bis Kriegsende ist nichts bekannt. Zur Aufnahme der Produktion kam es bis Kriegsende offenbar nicht.

Nach dem Krieg wurde der Bergbau wieder aufgenommen und bis Anfang 1963 weiter geführt. In ihren Hochzeiten stand die Grube „Karl“ für ca. 2,5 Prozent der deutschen Erzförderung. Mit der letzten Schicht am 8. Januar 1963 endete die Geschichte des Bergbaus auf der Schwäbischen Alb. „Karl“ war nicht mehr rentabel. Von der Schließung waren über 300 Bergleute betroffen.