Stuttgart-Nord

Im Bereich einer alten Industriebrache liegt ein Luftschutzstollen, der überwiegend dem Werkluftschutz zuzuordnen ist. Das Areal war in den 20er – 40er Jahren von einer Metallbaufirma genutzt worden. Der Stollen ist komplett mit Betonformelementen ausgekleidet und liegt fast exakt in Ost-West-Richtung in einem Hang an der Grundstücksgrenze.

Das Bauwerk hat zwei Zugänge, die abfallend geradeaus in den Hang führen. An den linken Zugang schließt sich nach ca. 20 Metern ein Schleusenbereich an, der zuerst rechts und dann links im rechten Winkel abknickt. Nach weiteren 5-6 Metern mündet dieser Bereich in den eigentlichen Stollen. Die Zugangs- und Schleusenbereiche weisen einen rechteckigen Querschnitt auf. Boden, Wände und Decken sind mit geraden Betonelementen ausgekleidet. Der rechte Zugang führt geradewegs auf den Querstich zu. Hier wurde kein Schleusenbereich eingebaut. In diesem Zugang gibt es eine Treppe mit mehreren Stufen, die von der Decke aufgenommen werden. Dieser Knick in der Vertikalen konnte auch eine in den Stollen eindringende Druckwelle teilweise abfangen.

Der Querstollen ist ca. 60 – 70 m lang. Er ist als Gewölbe ausgeführt. Der senkrechte Bereich der Wände ist mit Betonsteinen ausgemauert, auf denen die Betonbogenelemente aufgesetzt sind. Mit einer Breite von 1,20 – 1,40 m ist das Bauwerk ausgesprochen eng. Rein rechnerisch konnten hier ca. 150 Personen Schutz vor Luftangriffen finden.

Die Lage des Stollens mit beiden Zugängen im Betriebsgelände und die relativ geringe Wohnbesiedlung in unmittelbarer Nachbarschaft lassen den Schluss zu, dass das Bauwerk überwiegend dem Werksluftschutz diente. Gleichwohl war ein kleinerer Bereich wohl auch für Privatpersonen vorgesehen. Diese Mischnutzung war nicht unüblich. Es gab zahlreiche Stollen, die von Unternehmen errichtet wurden, in denen auch zu einem gewissen Anteil Anwohner aus der Nachbarschaft Aufnahme fanden.

Über die Zusammensetzung der Belegschaft und über die Baumassnahmen des Stollens nichts ist bekannt. Auch über die gegen Kriegsende in dem Areal hergestellten Produkte sind keine Einzelheiten überliefert. Das Kerngeschäft des Betriebs waren Teile für den Fahrzeugbau.

Für die Errichtung des Stollens war ausreichend Beton in relativ guter Qualität vorhanden. Backsteinziegel wurden nur an wenigen Stellen im Innenausbau verwendet. Allerdings kamen keine Luftschutztüren aus Metall zum Einsatz, was auf eine Entstehung im letzten Kriegsjahr hindeutet. Stattdessen wurden ca. 10 cm dicke Massivholz-Luftschutztüren eingebaut, deren einzige Metallkomponenten die Beschläge und die Verschlussriegel sind. Auch für die Türrahmen kam Eisen zum Einsatz.

Leider hat der Zahn der Zeit den hölzernen Luftschutztüren erheblich zugesetzt. Obwohl der Stollen weitgehend trocken ist, ist das Holz der Turen inzwischen so stark vermodert, dass es bei Berührung zu Zerfallen droht. Nur eine Tür ist noch einigermaßen komplett. Die Verschlussriegel sind festgerostet. So ist an eine Erhaltung der Türen nicht mehr zu denken.

Das Grundstück ist in Privatbesitz und öffentlich nicht zugänglich. Wenn es neu bebaut wird, wird wohl auch der ehemalige Luftschutzstollen verschwinden.

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