Stuttgart-West

Der Übergang von der Stuttgarter Innenstadt zum Westen durchlief trotz weitgehend gleich gebliebener Straßenführung einen erheblichen Wandel. In den dreißiger und vierziger Jahren wurde dieser Teil der Stadt weit mehr von Mischgewerbe und Wohnbebauung geprägt als heute. Neben dem traditionsreichen Brauereistandort gab es mehrere Fabriken und Werkstätten, sowie eine dichte Wohnbebauung.

Ein Relikt aus früheren Zeiten fand sich vor einigen Jahren überraschend auf Privatgelände in einem Hinterhof. Die Eigentümer ermöglichten eine Begehung. Angaben zum Standort können aber nicht gemacht werden. Die Anlage ist feuchtigkeitsbedingt marode und in schlechtem Zustand.

Trotz einer Überdeckung von fast 20 m weist das Bauwerk eine sehr aufwändige und professionelle Deckenkonstruktion aus Beton-Elementen auf, die an zahlreichen Stellen durch stählerne Doppel-T-Träger ergänzt wurden. Sie liegen auf betonierten Stützen, die im Abstand von ca. 5 m in den Seitenwänden des Stollens eingelassen sind.

Das verwendete Baumaterial ist durchweg hochwertig. Die gesamte Anlage lässt den Einsatz von Fachkräften und gründliche handwerkliche Ausführung erkennen. Auch aus statischer Sicht wurde Sicherheitsbedürfnissen in großem Umfang Rechnung getragen.
Dies lässt darauf schließen, dass die Anlage im Rahmen des Werkluftschutzes bereits relativ früh errichtet wurde, möglicherweise bereits kurz nach Kriegsausbruch. Dafür spricht auch die überdurchschnittlich umfangreiche elektrische Installation.

Das Bauwerk wurde als Maßnahme des Werkluftschutzes errichtet. Einige abgemauerte Verzweigungen lassen vermuten, dass das Bauwerk ursprünglich umfangreicher war, bzw. auch Durchbrüche zu benachbarten Kellern bzw. Luftschutzräumen gehabt haben könnte. Auch könnten mehr Notausgänge vorhanden gewesen sein, als bei der Begehung noch erkennbar war. Legt man die geschätzte Anzahl der einstigen Belegschaft zugrunde, scheinen die noch zugänglichen Räumlichkeiten ebenfalls zu knapp bemessen.

Für Verbindungen zu anderen Luftschutzräumen spricht auch die Anordnung der Toiletten außerhalb der Gasschleuse, was den Standards für Luftschutzräume widerspricht und auch im Alltag letztlich keinen Sinn gemacht hätte.

Bis zur Begehung war die Anlage seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt und auch kaum betreten worden. Am Boden hatte sich Wasser angesammelt, das teilweise bis zu 20 cm hoch stand.

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