Ziviler Luftschutz

In den 1920er und 1930er Jahren war der zivile Luftschutz ein Thema, dem alle Industriestaaten eine große Bedeutung beimaßen. Die während des 1. Weltkriegs durch Flugzeuge in Städten verursachten Schäden waren gemessen an den Verwüstungen durch Bodentruppen minimal und auch die Zahl der Opfer war dem gegenüber gering. Doch die bereits kurz nach Kriegsausbruch 1914 begonnenen Attacken auf Städte und Ortschaften aus der Luft hatten weltweit ein Trauma hinterlassen.

Obwohl Großbritannien bis Kriegsende 55.061 Flugzeuge produziert hatte (Frankreich 52.146 und Deutschland 47.931) waren die Luftwaffen weit davon entfernt ganze Städte zerstören zu können. Doch der Einsatz von Luftschiffen und Bombenflugzeugen als Terrorwaffe wurde von den Mittelmächten genauso planmäßig betrieben wie von den Mitgliedern der Entente. Es ging darum, weit hinter der Front möglichst viele gegnerische Ressourcen zu binden.

Bomben auf die Wohnviertel von Fabrikarbeitern wurden als Kriegsführung gegen die Moral der gegnerischen Arbeiter angesehen. Die Produktionsausfälle in Fabriken durch häufige Luftalarme und die nächtliche Verdunkelung, die ebenfalls Beeinträchtigungen der Produktion nach sich zog waren die angestrebten Erfolge dieser Kriegsführung. Manche dieser Ideen setzten sich unverändert im 2. Weltkrieg fort.

In den frühen 1930er Jahren begannen die europäischen  Industrienationen große Luftmanöver durchzuführen, die unter gegenseitiger Konsultation von Beobachtern stattfand. Deutschland durfte gemäß dem Versailler Vertrag keine Luftwaffe haben. Doch Italien, Frankreich und Großbritannien führten entsprechende Manöver durch, die im Kern einen Vorgeschmack auf die Rolle des Bombenkriegs im 2. Weltkrieg gaben.

Die Italienische Luftwaffe demonstrierte 1931 Luftangriffe, die der Doktrin Douhets folgten. Mit Bombenflugzeugen wurde „Mailand“ angegriffen und großflächige Zerstörungen verursacht. England demonstrierte 1933 und 1934 dass die Bomber durchkommen, wenn der Gegner sich nur mit Flugzeugen, aber ohne Flak verteidigt. Die Manöver nahmen aber auch die mangelhafte Zielfindung bei nächtlichen Angriffen vorweg. Die französische Luftwaffe demonstrierte 1934 die Möglichkeit eine gegnerische Luftwaffe durch gezielte und massive Schläge gegen ihre Flugplätze niederzukämpfen.

Die drei Industrienationen nahmen hier wesentliche Erscheinungen des Luftkrieges der Jahre 1939-41 vorweg: Die Zerstörung Warschaus und Coventrys, die Niederlage der französischen Luftwaffe 1940 und die Beinahe-Niederlage der britischen Luftwaffe Anfang 1941, sowie die Unmöglichkeit für die Bomber der RAF bei Nacht ihre Ziele in Deutschland zu finden.

Der spanische Bürgerkrieg gab schließlich der deutschen, der italienischen  und der sowjetischen Luftwaffe die Möglichkeit ihre Waffen und Taktiken im Kriegsfall zu erproben.

Den wichtigsten Industriestaaten Europas war somit spätestens seit 1931 klar, was Flugzeuge in einem kommenden Krieg leisten und anrichten könnten. Und sie arbeiteten an Maßnahmen, ihre Bevölkerung und ihre Produktion zu schützen.

Diese Maßnahmen  lassen sich in drei Kategorien unterteilen: Der militärische Luftschutz oblag der Armee, die eigene Konzepte entwickelte. Der Werkluftschutz befasste sich mit dem Schutz von Betrieben, Anlagen und Beschäftigten und war durch die Firmen zu realisieren. Der Schutz der Zivilbevölkerung schließlich wurde in Deutschland zentral propagiert (Reichsluftschutzbund) und von den Städten lokal umgesetzt.

Zu den Maßnahmen im Luftschutz gehörte der Bau von Bunkern und Stollen, das Einrichten von Luftschutzräumen und -kellern, aber auch Dinge wie Verdunkelung, zahllose Übungen, eine enorme Fülle von Ausrüstungsgegenständen für den Luftschutz und vor allem in Deutschland eine paramilitärische Organisation von allen beteiligten Kräften: Luftschutzwarte, Helfer, Feuerwehr, Sanitätsdienste etc.