Der „Schmid-Bunker“

Zu den Bunkern, die im Rahmen der Neckar-Enz-Stellung ab 1935 in Bietigheim errichtet wurden gehörten zwei Unterstände zwischen innerer Bahnhofstrasse und dem Eisenbahnviadukt. Der näher am Viadukt liegende Bunker war ein Schartenstand, der mit einem Maschinengewehr bestückt war. Der zweite, etwas weiter nördlich gelegene, war der Mannschaftsunterstand UB7.

Die Stellung im Garten

Das Bauwerk UB7 war für eine Besatzung von 14 Soldaten (1 Zugführer und 13 Mannschaften) vorgesehen, die im Falle eines Angriffs aus Richtung der Weststadt Stellungen im hinter dem Bunker liegenden Garten beziehen sollten und von dort die innere Bahnhofstrasse und die Gaishaldestrasse (also die heutige B 27) mit einem Maschinengewehr zu bestreichen, falls dort feindliche Truppen vorgedrungen wären.

Eine weitere Aufgabe wäre die Verhinderung von feindlichen Übersetzversuchen zwischen Viadukt, Fußgängersteg und Stadtbrücke gewesen. Die Stellungen wären in einem Mobilisierungsfall zu erstellen gewesen, d.h. sie wurden zwar geplant, jedoch nie angelegt. In der Konzeption der Neckar-Enz-Stellung war allerdings der Abwehrkampf innerhalb des Stadtgebiets von Bietigheim von Anfang an vorgesehen.

Der Bunker UB7 lag in unmittelbarer Nachbarschaft des Wohnhauses der Familie Schmid. Als der Unterstand im Januar 1941 zum zivilen Luftschutzbunker umgewidmet wurde bekam das „Familienoberhaupt“ die Funktion des Bunkerwarts übertragen. Diese Maßnahme war nicht unüblich. Häufig wurden die ältesten Männer einer Familie oder eines Hauses zum Luftschutzwart für den Luftschutzkeller im Haus oder den benachbarten Luftschutzraum ernannt.

Entziehen konnte man sich dieser Ernennung nur durch gewichtige Gründe, wie z.B. schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigung, anderweitige Luftschutzaufgaben oder Unabkömmlichkeit im Betrieb. Der Luftschutz- oder Bunkerwart hatte während eines Fliegeralarms für Ruhe und Ordnung und die Einhaltung aller Regeln und Verordnungen im Bunker zu sorgen. Ihm oblag die rechtzeitige Schließung der Bunkertüren im Ernstfall und ihre Öffnung nach Ende des Alarms. Auf ihre Aufgabe wurden die Luftschutzwarte in entsprechenden Lehrgängen vorbereitet.

Eine Beinahe-Tragödie

Aus den Aussagen von Zeitzeugen lässt sich entnehmen, dass in der Bietigheimer Bevölkerung die Bezeichnung der jeweiligen Bunker zumindest teilweise am Namen des Bunkerwarts festgemacht wurde. Der Stolleneingang des Gaishaldestollens, der über das Grundstück des Steinmetzbetriebs Hahn zugänglich war und für den Wilhelm Hahn als Bunkerwart fungierte, wurde teilweise auch „Hahnenbunker“ genannt. So erhielt der Bunker UB7 den Namen „Schmid-Bunker“.

Üblicherweise suchten alle Bewohner des Anwesens der Familie Schmid bei Alarm diesen Bunker auf. Anfang 1945 entschieden sie sich aber aus unbekannten Gründen anders. Anwohner der Gaishaldestrasse berichteten, dass Familie Schmid an diesem Tag überraschend den Gaishaldestollen aufsuchte. Eine instinktiv richtige Entscheidung.

Es blieb nicht beim Alarm an diesem Tag, sondern es fielen Bomben. Sie schlugen am Freibad ein, in der Wobachstrasse, an der Bahnhofstrasse. Sie zerrissen eine Wasserleitung oberhalb des UB7 der in kurzer Zeit voll lief. Hätten sich im Bunker Menschen befunden, wären diese nach Ansicht von Zeitzeugen sehr wahrscheinlich in dem Unterstand umgekommen. Leider ist der Vorfall nicht mit Datum überliefert. Es war aber sehr wahrscheinlich am 02. Februar 1945.

Nach dem Krieg wurden die beiden Bunker zwischen innerer Bahnhofstrasse und Viadukt gesprengt. Die Ruine des Maschinengewehrbunkers ist noch heute vorhanden und vor allem in der kalten Jahreszeit sichtbar. Im Sommer ist sie weitgehend von Gebüsch verdeckt. Der UB7 wurde jedoch komplett abgetragen und das Areal mit einem Wohn- und Geschäftshaus überbaut, in dessen Erdgeschoss sich der aldi-Markt befindet. So erinnert heute nichts mehr an den „Schmid-Bunker“ und die damit verbundenen dramatischen Ereignisse.

Für die Angaben zur Kampfanweisung des Bunkers und den Grundriss bedanken wir uns bei Till Kiener.

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