Au

Alle Fotos zu diesem Bunker entstanden im Sommer 2013.

Der Hochbunker in der Quellenstraße 42 fällt durch seine markante Farbgebung auf. Die hatte er freilich nicht schon immer, sondern sie wurde um 2006 angebracht.

Für die Au stellte sich der Zivile Luftschutz von Anfang an schwierig dar. Die meisten älteren Gebäude haben keine Kellergeschosse, da Grundwasserspiegel und Bachläufe dies schlicht nicht zuließen. So konnten nur relativ wenige Gebäude in das Ausbauprogramm der Keller zu zivilen Luftschutzräumen aufgenommen werden.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs behalf man sich zunächst mit dem Bau von Splitterschutzgräben an den größeren Straßen und den meistfrequentierten Plätzen. Nach dem Führer-Sofort-Erlass wurden für das historische Wohnquartier zwei Baugleiche Hochbunker in Planung gegeben, die an der Ohlmüllerstraße 17a, im Garten des damaligen Amtsgerichts München II (heute: Hof des Landratsamts), und in der Quellenstraße als Hausnummer 42 am Hang errichtet wurden.

Die Pläne der beiden Bunker stammten von Stadtbaurat Meitinger. Für das Bauwerk Ohlmüllerstraße 17a ging der Auftrag an die Firma Niklaus, der Hochbunker Quellenstraße 42 wurde von der Firma Muy & Pitroff gebaut.

Die Bunker hatten einen quadratischen Grundriss und boten in vier Stockwerken auf 350 qm Fläche Platz für 530 Personen, zusammen also für 1.060 Menschen. Die Zugänge lagen im Erdgeschoss, ein weiterer Zugang lag im 1. Obergeschoss, der über eine angebaute steinerne Treppe erreichbar war. Die Stockwerke waren über ein in der Gebäudemitte liegendes zentrales Treppenhaus verbunden. Diese Bauweise war für die meisten Hochbunker in München charakteristisch.

Auf das Bunkerdach wurde ein Pyramidendach aufgesetzt, das die Bauwerke optisch besser in die Umgebung einfügte. Für den Hochbunker Ohlmüllerstraße 17a ist belegt, dass der Dachstuhl im Krieg zerstört wurde, für die Quellenstraße 42 liegen bislang keine eindeutigen Erkenntnisse vor. Der Dachstuhl könnte also ähnlich wie z.B. in Stuttgart in der Sattelstraße nach dem Krieg abgebaut und Ziegel und Holz für Reparaturen an zivilen Gebäuden eingesetzt worden sein.

Da die Schutzplätze in den Bunkern nicht ausreichend waren, bauten die Anwohner wie z.B. auch in Stuttgart ab 1944 Pionierstollen an den Steilhängen des Hochufers in den Berghang, die nach dem Krieg wieder verfüllt wurden und nicht mehr erhalten sind.

Für Erweiterungsbauten des Landratsamtes München wurde der Bunker Ohlmüllerstraße 17a 1987 beseitigt. Nach einer Teilsprengung am 03.08.1987 wurde der Rest des Bauwerks konventionell abgebrochen. Die eher isolierte Lage am Hang sicherte dem Bunker Quellenstraße 42 das Überleben bis heute. Das Grundstück war für Neubauvorhaben wenig geeignet und so bestand keine Notwendigkeit zum Abriss.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends war der Bunker als Kunstbunker genutzt und seine Fassade zierten bunte Bilder. Im Innern richtete sich eine Musikschule ein. Hinter dem Projekt stand der Bauunternehmer Dr. Dimitrios Papadopoulos, der in dem Bunker auch sein Büro einrichtete. Nach eigenen Aussagen investierte Papadopoulos erhebliche Mittel in die Renovierung des Bunkers, die sich auch äußerlich z.B. durch die kleinen Balkone zeigte und die Feuerleiter, die aus Brandschutzgründen die Flucht über einen Notausstieg ermöglicht. Die auffälligste Veränderung war aber die Neugestaltung der Außenfassade in leuchtendem Rot, die den Bunker bis heute auf Anhieb erkennbar macht.

Der Bauunternehmer war auch als Erfinder aktiv. Mehrere Jahre warb er in München und in Griechenland für sein Projekt „Zeus“, das 2012 mit einer Pilotanlage an den Start gehen sollte. Papadopoulos wollte eine Art Pontons bauen, die vor der Küste verankert werden und dort sowohl die Energie von Wellen als auch Wind- und Sonnenenergie sammeln und den so generierten Strom per Kabel an Land liefern sollten. Die „Zeus“-Schiffe sollten auch mit geothermischen Anlagen kombinierbar sein und Energie aus elektromagnetischen Prozessen gewinnen können. Ein ca. 1 m langes Modell der Erfindung nahm in seinem Büro im 1. OG des Bunkers einen exponierten Platz ein. Ob das Projekt über die Pilotphase hinauskam, ist zumindest aus deutschen Medien nicht nachvollziehbar.

Im Juni 2014 gab Familie Papadopoulos den Bunker jedenfalls an die Stadt zurück, die zunächst keine Nachnutzung für das Bauwerk hatte, gleichwohl sie zugesichert hatte dass „eine Neuvermietung zur Weiternutzung des Bunkers ansteht“. Ende 2015 fand ein Ortstermin mit Lokalpolitikern statt, bei dem ein gewisser Renovierungsbedarf festgestellt wurde. So sei der Keller feucht und der Boden im Erdgeschoss nicht mehr in Schuss. Man hielt dies aber für behebbar. Nach Beseitigung der Mängel sollte der Bunker vom Stadtjugendamt vom Kommunalreferat angemietet und als Erweiterung des Freizeitheims am Auer Mühlbach (Jugendtreff am Kegelhof 8) Jugendlichen zur Freizeitnutzung zur Verfügung gestellt werden. Zu dieser Erweiterung kam es letztlich nicht.

Im November 2017 bezogen die Pfadfinder und Pfadfinderinnen vom Stamm Pegasus  den Bunker als ihr neues Vereinsheim. Sie hatten ihr Vereinsheim in der Pestalozzistraße räumen müssen, das sie fast zwei Jahrzehnte lang genutzt hatten. Anfang 2018 begannen die 105 Mitglieder den Bunker in Eigenarbeit für ihre Zwecke herzurichten und notwendige Renovierungsarbeiten durchzuführen. Die Mitglieder des Stamms treffen sich einmal in der Woche zum Basteln, für Ausflüge, oder auch nur zum Reden.

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