Sickstrasse

1927 – 29 wurde in Stuttgart Ost die Raitelsberg-Siedlung errichtet. Es war das erste von drei neuen Siedlungsprojekten im Osten, mit denen die Lücken zwischen den bestehenden historischen Siedlungen geschlossen wurden. Gleichzeitig rückte die Bebauung näher an den Stadtkern von Stuttgart heran. Noch heute ist der Charakter der Siedlung optisch sehr gut erhalten. Die Gebäude wurden nach dem Krieg weitgehend wiederhergestellt und nur vereinzelt durch Neubauten ergänzt.

1941 wurde für die Anwohner am Rande der Siedlung und unweit des Neckarhangs auf 232 qm Grundfläche mit der Bauwerksnummer BW 118 ein Hochbunker errichtet.

Der Bunker mit der Adresse Sickstr. 171 weist zahlreiche Ähnlichkeiten mit dem Seelachbunker in der Wolfbuschsiedlung auf. Dazu gehört nicht nur die von Paul Bonatz entworfene Sandsteinfassade, sondern auch die fast identischen Abmessungen und Dimensionen. Mit rund 15 Metern Seitenlänge und einem quadratischen Grundriss verfügt das Bauwerk über ein unterirdisches und vier oberirdische Geschosse, genauso wie sein Bruder im Wolfbusch. Beide Bunker waren elektrifiziert, hatten Anschlüsse an die Stadtwasserversorgung, Toiletten und eine Lüftungsanlage.

Das Fassungsvermögen des Sickbunkers lag mit 1550 Personen über dem des Seelachbunkers. Die tatsächliche Belegung der Bunker während des Krieges stand aber in vielen Fällen ohnehin in keiner Relation zu den ursprünglichen Planungen.

Nach dem Krieg wurde das Bauwerk entfestigt, indem an der Westseite große Fenster eingesprengt wurden, die auch heute noch vorhanden sind. Der Osteingang wurde zugemauert, so dass eine Nutzung als Luftschutzbunker zunächst nicht mehr möglich war. Mitte der 60er Jahre wurde der Bunker dennoch wieder dem Zivilschutz zugeführt.

Allerdings sollte er nun nicht mehr primär die Bevölkerung aus der Nachbarschaft aufnehmen, sondern beherbergte die Funk- und Befehlsleitstelle für den Katastrophenschutz. Bis 2011 nutzte den Bunker die Freiwillige Feuerwehr, Abteilung Kommunikation. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr hatten das Bauwerk in Eigenleistung renoviert. Seit dem Auszug der Feuerwehr steht der Hochbunker leer.

Zwar steht der Sickbunker noch immer am Rande der Siedlung doch ist er inzwischen förmlich eingepasst zwischen die Areale der Raitelsbergschule einerseits und der Johann-Freiherr-von-Cotta-Schule andererseits.

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