Schraderweg

Gegenüber der Pforte von Coperion Werner & Pfleiderer in der Theodorstrasse steht ein Gebäude, das im Erdgeschoss praktisch keine Fenster hat. Es handelt sich um den Bunker am Schraderweg, auf dem zwei Wohngeschosse aufgesetzt wurden. Entsprechend seiner Lage an der Siegelbergsiedlung wird er auch Siegelbergbunker genannt. Die Bunkerräume dienen den Bewohnern des Komplexes Schraderweg 1-9 heute als Keller. Auch wenn der Bunker selbst nicht zu Wohnraum umgebaut wurde, ist er somit dennoch der einzige Hochbunker in Stuttgart, der zumindest in eine Wohnnutzung integriert wurde.

Ursprünglich war der 40 m lange und 12 m breite Bunker mit einem markanten Mittelbau versehen, in dem der Treppenaufgang zum Dach untergebracht war. Der längliche Korpus trug ein Satteldach. So war das Bauwerk optisch weitgehend in die Umgebung der Fabrikhallen und der angrenzenden Wohnbebauung eingepasst. Das Satteldach wurde bei einem Bombenangriff zerstört, der Bunker selbst blieb jedoch unbeschädigt.

Das Bauwerk wurde mit zwei unterirdischen und einem oberirdischen Geschoss errichtet, der Mittelbau besaß zwei oberirdische Geschosse. Die drei Stockwerke waren in rund 300 kleine Zellen unterteilt, die für die umliegenden Anwohner vorgesehen waren. Für die Belegschaft von Werner & Pfleiderer gab es einen Stollen auf dem Betriebsgelände. Manche Mitarbeiter suchten aber den Siegelbergbunker auf, wenn dieser näher war als der Firmenstollen.

Bis zu 1.200 Menschen sollen in dem Bauwerk Schutz vor Luftangriffen gefunden haben, darunter auch Anwohner des Stadtparks Zuffenhausen, wo es keine eigene Zivilschutzanlage gab.

Nach dem Krieg wurde der Bunker zunächst als Männerwohnheim genutzt. Später mietete die Spedition Paul v. Maur das Bauwerk als Lagerraum, schließlich eine Weingroßhandlung. Anfang der 80er Jahre entschied die Bundesvermögensverwaltung das Bauwerk zu veräußern. So erwarb die Wohnbau Straub GmbH, Filderstadt die Immobilie und errichtete die heutige Wohnbebauung auf dem Bunker. Noch heute beherbergt der Bunker im untersten Geschoss die vollständig erhaltene museumsreife Original-Bunkertechnik aus dem Krieg.

Advertisements