Kugelbunker

Im Zuge der Weiterentwicklung von Kleinbunkern wie etwa Splitterschutzzellen begann man in Deutschland während des 2. Weltkrieges auch Kleinluftschutzräume in Kugelform herzustellen. Ein solcher früher Kugelbunker ist im Besitz des Stadtmuseums München und kann dort besichtigt werden.

Der Kleinbunker soll für 3-4 Personen ausgelegt gewesen sein und bot den elementaren Schutz vor Splittern und direkter Einwirkung von Brand- und Sprengsätzen. Leider sind zu der Konstruktion nur sehr wenige Informationen erhalten. Das Stadtmuseum kann heute lediglich bestätigen dass der Unterstand auf einem Firmenareal in München gefunden wurde. Weder ist ein Hersteller bekannt noch waren bislang Angaben zur produzierten Stückzahl oder genauen Standorten solcher Kugelbunker zu bekommen.

Die Leonhard Moll Betonwerke hätten zwar als Hersteller von Splitterschutzzellen über die entsprechende Erfahrung für den Bau solcher Kleinbunker verfügt. Doch die von ihnen produzierten Splitterschutzzellen hatten alle das Firmenlogo als Relief eingegossen. Bei einem Kugelbunker aus dem Hause Moll wäre man sicher genauso verfahren.

Es liegt also nahe, dass der – möglicherweise einzige noch erhaltene – Münchener Kugelbunker von einem anderen lokalen Bauunternehmen hergestellt wurde. Die am Bunker angebrachte Erklärung des Stadtmuseums wirft mehr Fragen auf als sie Antworten liefert: Der Kugelbunker sollte demnach als Schutzraum im freien dienen, z.B. für Bauarbeiter. „Die runde Form erhielt er, damit durch Wegrollen die Druckwelle bei Detonationen gemildert wurde“, erklärt das Schild. Es sind mehrere Fälle dokumentiert, in denen schlecht verankerte Splitterschutzzellen aus Eisenbeton bei Einschlägen schwerer Bomben meterweit geschleudert wurden und die Insassen teilweise umkamen oder erheblich verletzt wurden. Solche Unterstände wogen immerhin rund 5 Tonnen und damit vermutlich etwas mehr als der Kugelbunker.

In Stuttgart wurden 1944/45 trommelförmige Kleinbunker für 8 – 10 Personen eingeführt, die eingegraben wurden. Ein solcher wurde bei Möhringen von einer schweren Bombe aus dem Erdreich gerissen und mehrere Meter durch die Luft geworfen. Er war zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise leer.

Es ist also fraglich, ob die Konstrukteure des Münchener Kugelbunkers tatsächlich ein Wegrollen einkalkulierten. Die Konstruktion verfügt im Innenraum über eine Kreisrunde hölzerne Sitzbank, aber keine Möglichkeit für die Insassen sich beim Wegrollen festhalten zu können. Die Schutzsuchenden hätten sich nur gegeneinander stemmen können, was mit einem erheblichen Verletzungsrisiko verbunden gewesen wäre. Auch ist nicht klar, wie sich die Schutzsuchenden hätten befreien sollen, wäre der Bunker nach dem Wegrollen auf seiner Tür zum Stehen gekommen.

Leider fehlt am Exponat die Tür, die vermutlich ebenfalls aus Eisenbeton bestand, da für eine Metall- oder Holztür keine Rahmenkonstruktion vorhanden ist. Viele Splitterschutzzellen aus Eisenbeton hatten passgenaue Betontüren, die keine Rahmen benötigten. Die Türkonstruktion hätte möglicherweise weitere Rückschlüsse auf das vorgesehene Aufstellverfahren ermöglicht. Wahrscheinlich sollte der Kugelbunker fest im Untergrund verankert oder teilweise bis weitgehend eingegraben werden. Dies war jedenfalls bei anderen Kugelbunkerkonzepten der Fall und wurde bei späteren Typen während des Kalten Krieges ebenfalls praktiziert. Die Idee des wegrollenden Bunkers wurde allerdings Ende der 1950er Jahre von Martin Ostermann ernsthaft vertreten. Ob sein Kugelbunker über das Stadium eines Prototyps hinauskam konnten wir jedoch bislang nicht verifizieren.

Der Grund für die Kugelform lag überwiegend in der optimalen Stabilität der Struktur und der damit verbundenen Möglichkeit zur Materialeinsparung. Eine militärische Variante des Konzepts wurde 1944/45 bei der hastigen Errichtung des Südostwalls vor Wien in erheblicher Stückzahl eingesetzt. Ähnlich wie die „Koch-Bunker“ des Ostwalls weitgehend den zivilen Splitterschutzzellen entsprachen, weisen die Kugelbunker des Südostwalls vergleichbare Dimensionen und Gestaltungsmerkmale zum Exponat des Münchener Stadtmuseums auf.

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